Wirtschaft | Karriere
26.06.2018

Motivation: Arbeitslust statt Sommerfrust

Wenn draußen die Sonne scheint, kann sich ein leichter Sommerfrust einstellen. Wie man motiviert bleibt. Ein Geheimrezept.

Die Natur spielt uns gerade in die Hände: Das Sonnenlicht hebt ganz automatisch unsere Stimmung, die Wärme umhüllt wohlig unsere Haut. Privat und im Job könnte es derzeit eigentlich nicht besser laufen. Eigentlich. Denn manche Arbeitnehmer kommen trotzdem nicht in die Gänge. Das künstliche Licht im Büro macht müde, die Hitze draußen macht mürbe. Dem Wiener Psychiater Kenneth Thau ist dieses Phänomen schon lange bekannt. Ihm zufolge sinken unsere kognitiven Fähigkeiten im Sommer, weil sich unser Gehirn außerhalb seines gewohnten Temperaturbereichs befindet. Es reagiert mit Stress. Stress erschöpft. Urlaub wäre jetzt willkommen, doch daran ist nicht zu denken. Oder etwa doch?

Fantasie-Reisen

Arbeitspsychologin Gabriele Weger empfiehlt genau das: „Am besten ist es, sich den Urlaub in Erinnerung zu rufen“. Diese Fantasiereise entspannt und steigert folglich auch wieder die Lust an der Arbeit. Der Mensch ist ihr zufolge empfänglich für (Auto-)Suggestionen und kann sich optimal selbst positiv bestärken, sich die Dinge buchstäblich „schönreden“. Ein simples Geheimrezept. Fantasiereisen befriedigen jedoch nicht alle Menschen gleichwertig. Manche müssen sich ihrer Demotivation aktiver stellen. „Anstatt mir ständig meine Arbeitsprobleme zu vergegenwärtigen, sollte ich Erholungsphasen gut nutzen“, so Weger. Neben Urlaub seien in den Arbeitstag eingelegte Kurzpausen wichtig. Für die Umsetzung gibt es jedoch kein Patent. „Ich sage aber immer: Das, was der Arbeit am unähnlichsten ist, eignet sich am besten“. Das heißt: Wer im Job sitzt, sollte aufstehen, wer geistig beschäftigt ist, sollte in der Pause nicht unbedingt Zeitung lesen. „Erholungszeit kann aber auch sein, sich mit einer anderen Arbeit abzulenken“, erzählt die Expertin.

Pausen, Urlaub

Dabei sprechen wir hier „nur“ über das derzeit noch übliche Arbeitspensum von acht Stunden. Der aktuell diskutierte Zwölf-Stunden-Tag wäre der Arbeitspsychologin zufolge „nicht menschengerecht“. Allein nach acht Stunden würde der Mensch unbedingt seine Erholungszeit benötigen. Urlaubspausen sollten zudem zeitlich nicht zu weit auseinanderliegen, damit sich der Frust nicht anstaut. Die Planung sollte also zeitgerecht und auf die eigene Person bestimmt gestaltet werden. „Man kennt sich selbst gut und weiß, wann der Urlaub wieder fällig ist“, so die Spezialistin. Wer ihn nicht mehr unterbringt, sollte den Vorteil eines verlängerten Wochenendes nutzen.

Post-Holiday-Syndrom

Und was, wenn der Urlaub gerade eben zu Ende gegangen ist und man trotzdem nicht vor Energie strotzt? Dieses sogenannte „Post-Holiday-Syndrom“ ist kein Grund zur Beunruhigung: Forschern zufolge dauert es bis zu drei Tage. Seine Ursache: Die Mailbox ist überfüllt, der Alltag nicht mehr ganz so abenteuerlich, das Bankkonto vermutlich auch angeschlagen. Allgemeine Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Appetitlosigkeit und in seltenen Fällen eine leichte Depression sind die Folge, wie eine Studie der University of Granada ermittelt hat. Sobald man sich aber wieder an seinen Rhythmus gewöhnt hat, ist die Trübsal schnell wieder vorbei. Große Arbeitsunlust hingegen bedarf jedoch eines tieferen Blicks in die Büroschublade. „Ich bin der Überzeugung, dass die meisten Menschen, die einer erfüllenden, sinnhaften Arbeit nachgehen, auch nach dem Urlaub gerne arbeiten. Ist dem nicht so, dann passt etwas Grundlegendes nicht, sei es das Sozialklima, fehlende Arbeitsmittel, komplizierte Abläufe, monotone oder sinnentleerte Arbeit“, erklärt Weger. Sind die Arbeitsbedingungen unangemessen, gilt Handlungsbedarf. Ist das Arbeitsumfeld aber grundsätzlich angenehm, können die Pausen einstweilen mit träumerischen Urlaubsplanungen gefüllt werden.