Mario Dobrovnik: „Langeweile macht mich unproduktiv. Für mich ist wichtig, dass ich gestalten kann“
Die Besten
04/05/2014

Mit den höchsten Ansprüchen

High Potentials sind begehrt. Was sie von Arbeitgebern erwarten und womit sie sich locken lassen.

von Andrea Hlinka

Mario Dobrovnik hat das englischsprachige Masterstudium "Supply Chain Management" mit einem Notendurchschnitt von einskommanull abgeschlossen. Überdies steht er unmittelbar vor dem Abschluss des Masterstudiums Wirtschaftsinformatik – auch mit einer glatten Eins. Er ist Universitätsassistent prae doc an der WU Wien und studiert an der TU Wien Technische Mathematik.

23 % der High Potentials sind bereit, über 60 Stunden pro Woche zu arbeiten, 30 % mehr als 50

Mario Dobrovnik ist 26 Jahre alt. Die dichte Biografie genügt ihm nicht. Dobrovnik ist strebsam, ein junger leistungsorientierter, überlegter Mann, der von sich selbst sagt: "Ich mag mir nie vorwerfen müssen, dass ich mehr hätte machen können." Er hat alle Eigenschaften und Qualifikationen, würde jedoch nie von sich behaupten, ein High Potential zu sein.

Haltung ist eine Tugend, die diesen Führungskräften der Zukunft zugerechnet wird, ebenso wie Disziplin, die Freude an Herausforderungen, Hingabe. Auch wenn sie das Label "High Potential" nicht mögen, Mittelmaß wäre schlimmer. Das macht sie zum wertvollen Gut am Arbeitsmarkt, um das Firmen balzen. Doch wie lassen sie sich fangen?

99 % der High Potentials wollen im Ausland arbeiten

Die Erwartungen an den ersten Arbeitgeber nach der Uni hat das Fördernetzwerk students4excellence kürzlich in der bisher größten Studie Österreichs erhoben.

472 studierende High Potentials wurden befragt – 369 von ihnen stammen aus Österreich, 18 aus weiteren westeuropäischen Ländern und 85 aus der CEE-Region.

Unbedingt interessant

Laut Studie sind die wichtigsten Faktoren bei der Wahl des ersten Arbeitgebers: ein interessantes Tätigkeitsfeld, Karrieremöglichkeiten und die Arbeitsatmosphäre.

5,5 Arbeitswechsel erwarten die Studierenden während ihres gesamten Berufslebens

PhD-Anwärter Mario Dobrovnik sagt, Langeweile würde ihn unproduktiv machen: "Für mich ist wichtig, dass ich gestalten kann, mich interessiert eine abwechslungsreiche, spannende Tätigkeit." Der Wissenschaftsbetrieb ist für ihn ein beflügelnder Ort: Die Aufgaben sind interessant, die Kommilitonen ambitioniert wie er selbst, sein Doktorvater Sebastian Kummer ist auch sein Mentor, der ihn fördert. In naher Zukunft will er an eine der Top-Unis in den USA, danach in die Privatwirtschaft oder selbst gründen.

Laut Studie können sich aber nur zwei Prozent der High Potentials vorstellen, ihre Karriere als Selbstständige zu starten, 53 Prozent der Befragten wollen in einem Angestelltenverhältnis arbeiten, 46 Prozent können sich beides vorstellen. Was gegen die Selbstständigkeit spricht: Man hat noch zu wenig Erfahrung, lernt sich erst kennen, hat wenig Kapital und ein zu kleines Netzwerk.

46 % können sich vorstellen, ihre Karriere als Selbstständige zu starten – nur für 2 % ist das die einzige Option

Katharina Kainz kann es kaum erwarten, in die nahende Vorlesung Wirtschaftsstrafrecht zu kommen. Andere suchen bei Wirtschaftsstrafrecht das Weite. Nicht sie. High Potentials ticken anders. Der 24-Jährigen liegt Recht, Zahlen liebt sie. Sie hat den Bachelor an der WU bereits in der Tasche und startete kürzlich nach einem Auslandssemester an der Chicago De Paul University ins 4. Semester im Masterstudium Wirtschaftsrecht. Notendurchschnitt: 1,4. "Ich bin kein Streber. Aber wenn ich etwas mache, dann gebe ich mindestens 100 Prozent." Ihr Ziel ist, "dass ich in der Früh aufstehe und mich auf die Arbeit freue." Das klingt schlicht. Sie erwartet von ihrem zukünftigen Arbeitgeber ein gut geschnürtes Gesamtpaket, wo Aufgabenbereich, Team, Karrierechancen stimmen. Natürlich auch das Gehalt: "Ich will eine solide Basis". Laut students4excellence erwarten High Potentials ein Einstiegsgehalt von 45.450 Euro brutto pro Jahr. Männer 48.690 Euro, Frauen 39.970 Euro. Das sind hohe Erwartungen, meint Georg Horacek, OMV-HR-Manager: "Es ist klar, dass High Potentials mehr erwarten. Entscheidend ist jedoch die weitere Entwicklung – und die hängt davon ab, wie man sein Potenzial auf die Straße bringt."

45.450 Euro Bruttojahresgehalt erwarten High Potentials als Einstiegsgehalt

Wer rastet, rostet

54 Prozent wollen maximal drei Jahre im ersten Unternehmen bleiben. Das müsste jedem Unternehmen das Herz brechen: Man investiert und entwickelt sie und dann, gewandt und erfahren, gehen sie. Aber: Unternehmen sehen das nüchtern. Vor allem Beratungsunternehmen, wo eine hohe Fluktuation die Regel ist. Denn so werden Netzwerke aufgebaut: Alleine 28.000 ehemalige McKinsey-Berater arbeiten heute weltweit an den Schaltstellen von Wirtschaft und Politik.

54 % wollen maximal drei Jahre im ersten Unternehmen bleiben

Vlad Foia kann sich gut vorstellen, seine Karriere bei einer Unternehmensberatung zu starten. Vielleicht bleibt er länger als drei Jahre, vielleicht wechselt er dann in die Pharma-Branche. Der 22-Jährige stammt aus Iași, Rumänien. Dort studierte er Pharmazie, machte seinen Bachelor in Business Administration. Nach einem achtmonatigen Aufenthalt an einer US-Uni frustrierte ihn das Bildungssystem in Rumänien und er kam nach Wien, um hier das Pharmazie-Studium fortzusetzen. Für ihn ist "Bildung das wichtigste Gut einer Gesellschaft. Nur eine gebildete Gesellschaft kann die Welt verändern." High Potential will auch er keiner sein. "Ich bin motiviert, immer mein Bestes zu geben." Dass auch Scheitern zu hohem Engagement gehört, weiß er: "Everything comes at a cost and at the risk of failure. Each day I am willing to fail."

Info: Nächste Woche das Gegenteil: Wir porträtieren an dieser Stelle zwei junge Menschen, die der Karriere völlig entsagt und die Geschäftigkeit der Stadt gegen einen Bauernhof im Südburgenland getauscht haben.

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