Wirtschaft | Karriere
03.03.2018

Konzentration!

Laute Büros, volle Bibliotheken, parallele Kommunikationskanäle und ein unendlicher Strom an neuen Informationen: Wie gelingt es da überhaupt noch, konzentriert zu arbeiten? Die besten Strategien und unkonventionelle Ratschläge im Praxis-Test.

Neun Stunden im Büro gesessen, dauernd gearbeitet und wirklich weiter gegangen ist eigentlich wenig? Tage wie diese kennt jeder, der seinen Job in der modernen Arbeitswelt samt Großraumbüro, Push-Funktionen für eMails und dem Zeitfresser Internet erledigen muss. So auch Cal Newport, Professor für Computer Science an der Georgetown University. Ständige Ablenkungen, so konstatierte er für sich, stellen heute das Hindernis Nummer eins für effizientes Arbeiten dar. Denn wirklich effizient ist laut dem US-Forscher nur Deep Work – "jene berufliche Aktivität, die in ablenkungsfreier Konzentration ausgeübt werden kann. "

Im Zeitalter des Multitaskings ist dafür aber kein Platz vorgesehen. Im Gegenteil: Quantität steht nicht selten vor Qualität. Das Problem dabei: "Wenn Sie genügend Zeit mit fiebriger Oberflächlichkeit verbringen, verringern Sie dauerhaft Ihre Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten", schreibt Newport. Daher hat er in seinem neuen Buch "Konzentriert arbeiten" (Redline Verlag) Regeln für eine Arbeitswelt voller Ablenkungen gesammelt. Seine besten Strategien und unkonventionellsten Vorschläge im Test.

Schaffen Sie Rituale

Kreative Köpfe, so zitiert Newport "denken wie Künstler, aber arbeiten wie Buchhalter." Und zwar nach fixem Ritual. Etwa: Bürotisch aufräumen, "Bitte nicht stören"- Schild aufhängen, Kaffee bereit - und Internet abstellen. In der Praxis: Das Ritual aufräumen und bereit machen fühlt sich richtig gut an. Im Großraumbüro ist das mit dem "Nicht Stören" aber eine Illusion.

Planen Sie den Tag durch

Um wirklich Leistung zu erbringen rät Newport, sich jeden Arbeitstag genau schriftlich einzuteilen – am besten in einem guten alten Notizbuch. In der Praxis: Die To-do Liste in einen Tagesplan umzusetzen scheint ein unendlicher Aufwand zu sein. Der Plan muss auch mehrmals abgeändert werden. Die Blöcke geben aber das Gefühl, endlich Zeit für die Arbeit zu haben. Und, dass selbst unangenehme Aufgaben irgendwann vorbei sind.

Um 17.30 Uhr ist Arbeitsschluss

Diese Strategie soll dem "Nur-schnell-eMail-Checken" am Abend den Kampf ansagen. Newport: "Nur die Gewissheit, dass Sie bis zum nächsten Tag die Arbeit ruhen lassen, kann Ihr Gehirn davon überzeugen, so weit herunterzufahren, dass es mit dem Aufladen für den nächsten Tag beginnen kann." In Sachen Social Media rät er zu einer 30-tägigen Pause – um zu testen, wie sehr man hier abgelenkt wird. In der Praxis: Vor dem Schlafengehen nicht kurz zum Handy und den Arbeits-eMails zu greifen erfordert Disziplin. Aber die ruhige Nacht danach entlohnt die Willenskraft. Der Versuch, die Finger für einen Monat von den sozialen Netzwerken zu lassen, scheitert schon an Tag zwei.

Offlinephasen einplanen

Arbeiten ohne Internet? Selbst Newport weiß, dass das in der Praxis schwierig ist: "Das Internet ist verführerisch: Vielleicht glauben Sie, dass Sie bloß nach einer einzigen wichtigen eMail suchen, aber es wird Ihnen schwerfallen, nicht noch ein paar andere ,dringende’ Nachrichte zu lesen." wird. In der Praxis: Der Reflex, nur "schnell" etwas nachzuschauen, ist immens. Überraschenderweise geht die Arbeit auch ohne ständiges Googeln zügig voran.

eMails nicht beantworten

Um dem Würgegriff des elektronischen Postfachs zu entkommen, rät der Autor dazu, das Standardverhalten beim eMailen auf "Nicht antworten" zu stellen. Nur wirklich Wichtiges und Interessantes verdient eine Antwort. In der Praxis: Je schneller die Antwort, desto professioneller der Eindruck beim Gegenüber – diese Devise wird hier aus den Angeln gehoben. Bei Chef-eMails wohl keine gute Strategie. Denken vor dem Senden dagegen schon.