"In den ersten Jahren haben wir Erdäpfel g'fressen"

Unternehmer statt "Erfüllungsgehilfe": "Man muss wissen, was man kann", sagt Martin Wolfram. Er leitet die Produktionsfirma "News On Video" für Videojournalismus.
Foto: Deutsch Gerhard

mc-future innovators: Martin Wolfram bietet eine Ausbildung für Videojournalisten an.

Er ist Geburtshelfer des österreichischen Privatfernsehens. Heute bietet Martin Wolfram die österreichweit erste Ausbildung für Videojournalisten (VJs) an. Nach Stationen bei diversen deutschen Privatsendern und als Chef vom Dienst der Pro Sieben Austria News landete der Erfinder der ATV -Dokusoap "Die Lugners" als Personalverantwortlicher bei Puls TV . "Als der Sender zu Puls 4 umgewandelt wurde, wurden auf einen Schlag 30 Videojournalisten benötigt", erzählt Wolfram im Wiener Management Club (MC) im Gespräch mit MC-Geschäftsführer Markus Heingärtner in der Talk-Reihe "mc-future innovators".

Die Ausbildung übernahm Wolfram selbst. "Das war frustrierend, wir hatten wenig Platz, die Vorgaben waren schwierig, ich war nur der Erfüllungsgehilfe." Schließlich ging Wolfram zum Senderchef: "Ich erklärte ihm, dass ich ein Unternehmen gründen wolle - zur Ausbildung der Videojournalisten."

Anfang 2008 rief er News On Video ins Leben. Das 100.000 Euro teure Equipment finanzierte er über Aufträge gleich in den ersten zwei Monaten. Am Anfang standen Einsatz und Verzicht: "In den ersten zwei Jahren haben wir Erdäpfel g'fressen, die Angestellten haben mehr verdient als ich."

Seit 2009 bildet er in Kooperation mit der FH Wien und dem Wifi Wien jährlich 50 VJs aus. "Der Bedarf ist noch eher gering", sagt Wolfram. Daher lebt "News On Video" maßgeblich vom Film, er produziert Video-Visitenkarten und Imagefilme für Firmen wie etwa Porsche. Auch für Bundespräsident Heinz Fischer rückte schon ein Videojournalist aus.

Arbeitsteilung

Aus seiner Gründungszeit zieht Wolfram einige Lehren. Gründungswilligen rät er: "Man muss genau wissen, was man kann." So kümmert sich nicht er, sondern sein Partner Andreas Modritsch um die Finanzagenden. "Er kennt sich mit Geld wirklich , das ist bei mir nur peripher vorhanden."

Lehren zog Wolfram auch aus seinen Fehlern: Die anfängliche Telefonakquise, um Aufträge von Firmen zu keilen, funktionierte kaum: "Ich habe festgestellt, man kann übers Telefon eben keine Filme verkaufen."

Für die nahe Zukunft hat Wolfram konkrete Pläne: "Wir wollen verstärkt in Richtung Werbung gehen, auch bei der Fernsehproduktion gibt es einiges auszureizen." Für die Auftragslage ist er optimistisch: "In zehn Jahren wird jedes Unternehmen einen Imagefilm auf seiner Homepage haben."

(kurier) Erstellt am
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