Wirtschaft | Karriere
17.01.2018

Hände weg vom Vita-Tuning

Fake-Infos: So mancher Kandidat stellt sich und seinen Werdegang beim Bewerbungsgespräch besser dar, als alles ist. Besonders häufig wird bei der Berufserfahrung gelogen. Für die meisten Personaler ist das ein Ausschlusskriterium.

Die neue Außenministerin Karin Kneissl hat es getan. Sie soll in ihrem Lebenslauf laut der aktueller Wochenzeitung Profil angegeben haben, dass sie "Mitbegründerin der Österreich Sektion von Ärzte ohne Grenzen" sei. Doch die Organisation bestreitet das, bei der Gründung habe Kneissl keine maßgebliche Rolle gespielt. Ein geschönter Lebenslauf oder bloß ein Missverständis oder eine Frage der Formulierung?

Klar ist: Ein geschönter Lebenslauf, eine getürkte Doktorarbeit, die eigenen Leistungen in ein besseres Licht gerückt: All das kommt immer wieder vor. Wer stellt sich nicht bestmöglich dar, wenn es darauf ankommt, es um einen lukrativen neuen Job geht? Und solange der Schwindel nicht auffliegt, ist ja auch alles gut.

Personaler müssen nicht alles wissen

Grundsätzlich gilt: Personaler müssen nicht alles wissen. Will der Kandidat etwa nicht über den Trennungsgrund von seinem alten Arbeitgeber sprechen oder mogelt er sich über kurze Lücken im Lebenslauf hinweg, ist das noch kein Grund, den Kandidaten von der Liste zu streichen. Auch eine Übertreibung ist bis zu einem gewissen Grad erlaubt. Aber bei offensichtlichen Unwahrheiten schaut die Sache anders aus. "Etwa zwei Drittel der befragten Personalmanager schließen Bewerber aus, wenn diese bei falschen Angaben ertappt wurden", warnt Robert Szvetecz von der PersonalberatungRobert Half.

Alternative Fakten

Bei Bewerbungsgesprächen schummeln Jobsuchende am öftesten bei ihrer Berufserfahrung, ergab eine Robert Half-Umfrage unter mehr als 2400 Personal-Verantwortlichen in europäischen Firmen. Bei jeder zweiten Bewerbung würden alternative Fakten präsentiert. Auf den Plätzen folgen falsche Angaben zu Fach- und Sprachkenntnissen und zur Führungskompetenz. "Personaler wissen genau, wie sie Ungereimtheiten im Lebenslauf oder Vorstellungsgespräch aufdecken," sagt der Robert Half-Experte. Bei Zweifeln haken sie mehrfach nach. Beliebt sind im Vorstellungsgespräch etwa Fragen zu Nebensächlichkeiten, mit denen die Kandidaten nicht gerechnet haben. Szvetecz: "Verantwortliche wissen: Wer lügt, der hat seine Antworten zwar genauestens geplant – kann aber unmöglich alle Details bedacht haben." Das bestätigt auch Michael Ludwig, Senior Consultant der Brenner & Company Personalberatung: "Wenn man tausende Interviews geführt hat, entwickelt man ein Gespür, ob jemand die Wahrheit sagt."

Verkaufsgespräch

Dass Kandidaten aufschneiden und sich in ein besseres Licht rücken, dafür hat Ludwig Verständnis. "Das ist klar, denn ein Bewerbungsgespräch ist ein Verkaufsgespräch. Deshalb stellen sich die Kandidaten besser dar als sie sind", sagt Ludwig. "Das ist freilich immer eine Gratwanderung." Denn die Linie zwischen einem geschönten Lebenslauf und einer glatten Lüge ist sehr schmal. "Positionen zu unterschlagen, Lücken im Lebenslauf zu befüllen und Jobs zu erfinden, sind aber absolute Knockout-Gründe", betont Michael Ludwig. "Ich nehme alle Daten und die Beschäftigungszeiten der Kandidaten sehr genau", sagt hingegen Johanna Zwölfer, Personalberatung ZWÖLFERKALTENBRUNNER. "Ich bin für Ehrlichkeit und sehe Schwindeleien sehr kritisch. Im Lebenslauf kann ich kleine Unwahrheit gerade noch tolerieren, etwa wenn ein Kandidat verschweigt, dass die Beschäftigung vor Kurzem geendet hat und er jedoch noch ein aufrechtes Dienstverhältnis angibt."

Glatte Lüge

Doch wie geht ein Personalberater damit um, wenn er einer glatten Lüge auf die Schliche kommt? Das Gespräch werde nicht abgebrochen, der Kandidat nicht auf die Lüge hingewiesen, die Konfrontation vermieden. "Aber er wird schlicht nicht weiterempfohlen", sagt Michael Ludwig. Johanna Zwölfer betont: "Wenn ich einen Kandidaten bei einer bewussten Falschinformation ertappe, dann konfrontiere ich ihn auch damit. Dieser Kandidat fällt dann aus dem Auswahlprozess heraus."