Erfolgsgeschichte: Deponiere den Stress

Manchmal liegt die Last schwer auf den Schultern. Stressdeponie-Gründerin Katharina Köstner nimmt sie gerne ab.

Lomi Lomi Nui, Pantha Jama, Abhyanga, Shirodhara - schon beginnt sich der Körper zu entspannen, speckig glänzende Buddhas lachen vor dem inneren Auge, ein "Ohhhhmmm" erstickt die Geräuschkulisse. Nach einer der oben genannten exotischen Massagen in der Stress-Deponie ist man dann nicht nur in Gedanken vogerlleicht und zufrieden wie der Jogibär.

Hinter der Stressdeponie steckt eine junge selbstbewusste Frau namens Katharina Köstner. Vor zwei Jahren eröffnete sie das etwas andere Massageinstitut in der Siebensterngasse. Mit einem klassischen, "verstaubten" Massageinstitut, einem großspurigen Wellnesstempel oder gar einer schmuddeligen Anstalt will ihr Salon so gar nichts gemein haben. "Die Stressdeponie ist eine Stressdeponie", sagt die 33-Jährige. Ein Ort für junge Urbane mit Verdacht auf ein baldiges nervöses Augenzucken und solche, die einfach nur Entspannung suchen.

Night in Bangkok

Nach der Matura ließ sich Köstner zur Masseurin ausbilden. "Immer mit der Intention, mich selbstständig zu machen. Mein Vater war selbstständig und ich wollte wie er etwas eigenes auf die Beine stellen", erzählt sie. Sieben Jahre lang lernte sie bei einem erfahrenen Masseur, um danach ihre Fähigkeiten in Thailand zu verfeinern. Sie nahm unbezahlten Urlaub und lernte in Koh Tao und in Bangkok im Wat Po Tempel bei buddhistischen Mönchen.

Ein Aufenthalt, der nicht nur ihre Massagetechnik prägte. "Wenn man so weit weg ist, ändert sich alles. Man wird erwachsener und lernt auch Verantwortung zu übernehmen", erzählt Köstner. Zurück in Wien erstellte sie einen Businessplan. "Das kommt einem am Anfang total lächerlich vor und man denkt sich: ,Wofür eigentlich?' Doch dann kommt man drauf, wie wichtig es ist, sich daran zu halten, aber auch ihn zu adaptieren", sagt sie.

Nach langer Suche fand Katharina Köstner den heutigen Standort. "Als ich das Geschäft gesehen habe , wusste ich sofort: Das ist es'", erzählt sie. Eineinhalb Jahre lang wartete sie wegen Probleme mit den Vormietern auf das Geschäftslokal. Während dieser Zeit saß Katharina Köstner jedoch nicht untätig herum: Sie begab sich auf Reisen - nach Indien, Ghana und Indonesien. Und sie nutzte die Zeit, um das Lokal zu planen und im Kopf umzubauen.

Individuell

Köstners Detailverliebtheit spiegelt sich in der Stressdeponie wieder - jeder Raum ist eigen. "Es gibt unterschiedliche Geschmäcker und Bedürfnisse. So kann sich jeder Kunde das Platzerl aussuchen, das ihm am besten gefällt", erklärt sie. Nicht nur die Innenarchitektur ist speziell, auch die Massagen sind individuell. "Wir kombinieren viele verschiedene Massagetechniken. Bei jeder meiner vier Mitarbeiterinnen sind verschiedene Einflüsse da und ich verlange, dass intuitiv auf den Patienten eingegangen wird", sagt Köstner. Daher kosten auch nahezu alle Behandlungen dasselbe - die Methode wird an den Patienten angepasst, der Preis bleibt gleich. "Alles andere wäre doch bescheuert", sagt sie.

Zehn Jahre bevor die Stressdeponie Realität wurde, begann Katharina Köstner dafür zu sparen. "Und ich habe mich um Förderungen bemüht und Unterstützung von meiner Familie bekommen. Die Stressdeponie ist mit Eigenkapital finanziert", erzählt sie, zu Recht mit Stolz.

( Kurier ) Erstellt am 05.12.2011