Wirtschaft | Karriere
26.05.2017

"Erfolg hat 3 Buchstaben: Tun"

Wir werden nicht glücklich durch Erfolg – erst durch das Glück werden wir erfolgreich, sagt Motivationstrainerin Antje Heimsoeth. Sie coacht Spitzensportler und Manager um Rekorde zu brechen und bessere Chefs zu werden.

KURIER: Sind Sie immer motiviert?

Antje Heimsoeth: Fast immer.

Woher kommt das?

Weil ich mache, was ich liebe und was ich kann. Wir brauchen immer eine Betätigung, wo wir genau das, was wir können, ausleben können. Wenn wir Lebensfreude haben, sind wir resilienter und können vieles weglächeln.

Sie coachen Spitzensportler im Mentalbereich, damit sie Rekorde brechen können. Sie coachen aber auch Manager. Was sind deren Motive?

Es gibt zum Beispiel einen Vorstand, der hatte einen Herzinfarkt. Er hat Angst, dass er wieder einen bekommt. Ich begleite ihn seit einem Jahr, wir arbeiten an seiner Resilienz und Gedankenhygiene. Diese ist wichtig, sonst endet man mit wiederholten Gedanken an den Infarkt in einer Panikattacke und bekommt erst recht einen. Unser Gehirn funktioniert diesbezüglich wie ein Muskel: Wenn wir im Fitnessstudio bestimmte Muskelgruppen trainieren, werden sie kräftiger. Das Gleiche geschieht mit häufig genutzten Nervenbahnen, sie verstärken sich. Auf diese Weise wird aus einem neuronalen Trampelpfad eine neuronale Autobahn. Ein Gedanke oder eine Überzeugung werden also umso mächtiger, je häufiger wir an sie denken. Das Gehirn kann aber nicht unterscheiden, ob das, was wir denken, hemmend oder förderlich für uns ist. Jeder Gedanke, den wir an uns heranlassen, führen zu einem Stärkerwerden dieser Nervenbahnen.

Es heißt, 85 Prozent unserer täglichen Gedanken sind negativ.

Vier Prozent sind wohl berechtigte Sorgen, die wir haben. Der Rest ist...( Heimsoeth schüttelt den Kopf). Unser Gehirn ist für negative Dinge wie ein Klettverschluss und für positive Dinge wie Teflon, das Gute perlt ab. Vor Hunderten von Jahren mussten wir auf die Gefahren, die Risiken, achten. Darauf, ob im Gebüsch nicht ein Säbelzahntiger lauert. Das Gehirn funktioniert heute genauso wie damals.

Ein Problem in einer Zeit, in der wir auf Performance und Erfolge getrimmt sind.

Wir müssen aufpassen, dass wir uns nicht in diesem alten Mechanismus verfangen. Wir können durch Übungen lernen, nicht ständig den Säbelzahntiger zu suchen, sondern unseren Fokus auf Lösungen zu richten.

Ist Erfolg immer Kopfsache?

Kein Mensch wird allein durch seinen Kopf erfolgreich. Wir brauchen schon auch unser Umfeld, gute Beziehungen. Nicht nur im Spitzensport ist ein verlässliches Team wichtig. Sonja Lyubomirsky, Professorin an der Uni von Kalifornien, hat gesagt: 50 Prozent unseres Erfolges ist Genetik, 10 Prozent sind äußere Lebensumstände, 40 Prozent sind unser Denken und Handeln. Mit diesem Wissen könnten wir unser Leben und die Lebenszufriedenheit komplett verändern, wenn wir das wollten.

Was wollen Manager in Ihren Coachings verändern?

Sie feilen an Teamentwicklung, Kommunikation, Stressbewältigung. Meine Arbeit setzt aber immer bei der Persönlichkeit an.

An welchen Schrauben drehen Sie da?

Oft geht es um die Gedankenhygiene, um die Selbstführungskraft und die Frage: Wie entspanne ich mich? Wenn jeder für sich selbst Wege fände um zufriedener zu sein, nicht immer in den Rückspiegel sondern auch nach vorne auf die Straße schauen würde, ginge es uns besser.

Was kann man tun, um den Blick auf die Straße zu richten, optimal leistungsfähig und motiviert zu sein?

Es ist eine persönliche Entscheidung. Wenn du im Meer schwimmst und ein Hai verfolgt dich – wohin solltest du eher schauen, um eine Überlebenschance zu haben? Die meisten schauen zum Hai. Wir brauchen also Ziele, Visionen. Die meisten Menschen haben aber keine Ziele, sie haben Wünsche und sagen: "Bitte, fallt mir in den Schoß!" Aber Erfolg hat drei Buchstaben: Tun. Die Menschen, vor allem Frauen, sind zu wenig proaktiv in ihrer Karriere.

Das klingt sehr logisch. Warum brauchen wir Coachings, um das zu sehen?

Wir haben heute immer weniger Liebesbeziehungen, Freunde und soziale Kontakte. Wir brauchen aber Menschen zum Reden. Dafür sind Coaches gute Sparring-Partner.

Antje Heimsoeth gilt als Deutschlands renommierteste Motivationstrainerin. Die ehemalige Vermessungsingenieurin, Führungskraft und Leistungssportlerin coacht heute Spitzensportler und Manager in mentaler Stärker und Motivation. Heimsoeth ist zudem Autorin und gründete 2003 die Heimsoeth Academy. Vergangene Woche referierte sie beim Lindpower-HR- Stammtisch in Wien.