Wirtschaft | Karriere
27.11.2018

Ehrenamt im Lebenslauf: Hilft helfen der Karriere?

Knapp die Hälfte der Österreicher engagiert sich ehrenamtlich. Gut für's Gewissen. Aber bringt es auch der Karriere etwas?

Seit vier Jahren ist Yeliz Kondul (Bild unten) ehrenamtliche Integrationsbotschafterin bei Zusammen:Österreich des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) und möchte mit ihrer Geschichte „Mut und vor allem den Wert von Bildung begreiflich machen.“ Beruflich ist sie Juristin. Mit ihr sind es insgesamt 46 Prozent der Österreicher – Frauen und Männer im gleichen Maße – die laut der Plattform freiwilligenweb.at ehrenamtlich, also auf unbezahlter Basis, nebenberuflich tätig sind. 2,3 Millionen von ihnen in Organisationen und Vereinen.

Das Bedürfnis, neben dem Vollzeit-Job auch noch seine Freizeit mit Arbeit zu füllen, ist scheinbar groß. Warum? Freiwilliges Engagement kann einen guten Ausgleich zum Beruf bieten – die zusätzlich erworbenen Kompetenzen können aber auch der Karriere dienlich sein.

„Grundsätzlich hat eine ehrenamtliche Tätigkeit einen positiven Stellenwert im Lebenslauf. Das zeugt von einer Bereitschaft zu außerberuflichem Engagement“, erklärt Michael Ludwig von Brenner&Company. Der jeweilige Bewerber habe ein positives Wertekonstrukt.

Vernetzt

Alexandra Eperjesi-Hefner, Geschäftsführerin von Lindlpower Personalmanagement, ergänzt: „Sie legen ein gutes Zeit- und Organisationsmanagement an den Tag, zeigen aber auch, dass sie nicht gleichgültig sind und eine bestimmte Interessensgruppe vertreten. Ehrenamtliche blicken oft über den Tellerrand.“

Sie ist sich sicher: Freiwilliges Engagement würde deren Karrieren langfristig beeinflussen. Auch ihr Netzwerk sei für Personaler von Interesse und für Ehrenamtliche, wie Yeliz Kondul, von Bedeutung: „Ich lerne durch Schulbesuche in ganz Österreich viele Menschen kennen – dieses persönliche Netzwerk ist mir wichtig“, so die Juristin.

Die Integrationsbotschafterin engagiert sich aus persönlichen Gründen. Dass diese Tätigkeiten aber auch für Personaler ein Plus sind, ist ihr bewusst: „Man zeigt Eigeninitiative für ein Anliegen, ein Projekt, das einem wichtig ist“, so Kondul. Doch auch wenn laut Statistik knapp die Hälfte der Österreicher ehrenamtlich tätig ist, stoßt man in Bewerbung auf freiwilliges Engagement kaum.

Trotzdem punkten

„Ich bin selbst immer wieder im Non-Profit-Bereich tätig und habe das Gefühl, dass es aufgrund unserer schnelllebigen Gesellschaft Nachwuchsprobleme auf diesem Feld gibt – insbesondere im Sportbereich. Die Menschen nehmen sich keine Zeit mehr dafür“, begründet der HR-Manager Michael Ludwig. Expertin Eperjesi-Hefner untermauert seine Annahme und schätzt, dass von 50 Bewerbungen nur zwei bis drei freiwilliges Engagement beinhalten.

Wer kein Ehrenamt nachzuweisen hat, kann im Lebenslauf trotzdem punkten. Laut Eperjesi-Hefner sind unbedingt berufliche Erfolge zu nennen sowie eine authentische Geschichte über die Persönlichkeit – beispielsweise eine wichtige Selbsterkenntnis während einer Auslandsreise. Ludwig zufolge fallen auch langfristige Dienstverhältnisse in der Regel positiv auf. Seine Faustregel: Das Gesamtbild muss stimmig sein. Der letzte Feinschliff laut Eperjesi-Hefner: Den Lebenslauf dem jeweiligen Unternehmen anpassen.