Die Inszenierung der Mächtigen

Kommunikationstrainerin Tatjana Lackner über das, was Politiker und Manager sagen, ohne es auszusprechen. Von Uniformen, dem gehobenen Zeigenfinger und Bewertungsgesten.

Die Raute als Geste der Symmetrie weckt Vertrauen. Die Handflächen zu zeigen, ist ein positives Signal. Slim-Fit-Anzüge als Uniformen der Macht. Der erhobene Zeigefinger wirkt maßregelnd: schlecht.

Für unser Gehirn ist es leichter, visuelle Informationen zu verarbeiten. Nach dem Auftritt eines Politikers oder eines Managers bei einer Talkshow im Fernsehen erinnert man sich eher an sein Aussehen und sein Verhalten als an die Details des Gesagten. Optik und Gesten spielen in diesen Fällen eine größere Rolle als der Inhalt.

Körpersprache: Gesten können dem Gesagten Nachdruck verleihen und die Emotionen verstärken. Bestimmte Gesten, die ständig wiederholt werden, werden oft sogar zum Markenzeichen. Wie bei Angela Merkel: sie formt die Hände oftmals zur Raute (oben, Bild 1). "Der erhobene Zeigefinger (oben, Bild 4) wirkt maßregelnd. Christian Kern hat ihn eingesetzt, um zu unterbrechen. Die Halt-Geste wirkt dafür entschlossener", sagt Tatjana Lackner. Denn die Geste wirkt oberlehrerhaft. "Die Körperbewegungen von Sebastian Kurz sind harmonischer und dem Gesprächspartner zugewandter. Er zeigt Handflächen, das wirkt beziehungsbindend", sagt Lackner. "Den Pinzettengriff, Zeigefinger und Daumen bilden ein O, hat er sich von Karlheinz Grasser abgeschaut, der ihn in seiner politischen Rhetorik geprägt hat." Beim Thema Körpersprache geht es aber auch um die Themen Haltung und Spannung. "Handgelenke sind besser steif, die Handflächen offen (oben, Bild 2), aber nicht fuchtelnd. Die Kommunikationskreise sollte nicht geschlossen werden. Außerdem wirken Selbstberührungen selten souverän, das machen Frauen häufiger, etwa mit dem Griff an Hals, Schmuck und Ohren", so Lackner.

Rollen einnehmen: Manager und Politiker stehen nicht nur dann im Rampenlicht, wenn sie aktiv agieren, gerade sprechen, sondern auch, wenn sie dem Gesprächspartner einfach nur passiv zuhören. "Beim passiv präsent sein, Zuhören oder beim Beobachten ist es empfehlenswert, keine abfälligen Bewertungsgesten zu machen. Diese sind Gift und werden wahrgenommen", betont Lackner. Damit ist ein aggressiver Blick ebenso gemeint wie eine abwertende Geste, dem Gesagten des Gesprächspartner gegenüber. Ein vertrauenswürdiger Gesichtsausdruck, der konzentriertes, respektvolles Zuhören signalisiert, ist besser. Gut ist es, seine Rolle dem Gegenüber anzupassen. Indem man je nach Gesprächspartner den Erfahrenen oder denjenigen mimt, der frischen Wind in die Sache bringt.

Sprache: Die Sprache gibt Hinweise auf den Bildungsgrad, die Herkunft und das Milieu des Sprechers. Kurz hat viel an seiner Stimme gearbeitet, er nimmt klar Grasser als Vorbild. Wichtig sind Pausen an den richtigen Stellen. Ebenso die richtige Rhetorik: "Sobald man in der "Ja, aber"- oder "Nein, aber"-Falle ist, läuft man Gefahr, sich zu rechtfertigen. Gute Rhetoriker stellen lieber Eigenregie-Fragen und beantworten diese", sagt Lackner. Auch der Rede-Duktus ist wichtig, dabei geht es darum, nicht zu altbacken rüberzukommen, viele sprachliche Bilder zu wählen und Schachtelsätze zu vermeiden.

Kleidung: Die Uniformen der Macht , Signale über die Kleidung vermittelt, vor allem jüngere Menschen lassen sich dadurch beeinflussen. "Sebastian Kurz trägt selten Krawatte und lässt den oberen Hemdknopf offen, das signalisiert sportliche Eleganz und unterscheidet ihn klar vom politischen Mitbewerb." Wobei man sagen muss: Bei der Wahl der Bekleidung gibt es nicht viel Auswahl. Männer tragen dunklen Anzug, der seit einiger Zeit ziemlich Slim-Fit (oben, Bild 3) sein muss, mit kürzerer Hose und engem Sakko, Frauen meist Hosenanzug. Diese immer gleichen Uniformen vermitteln Beständigkeit. Aber auch die Objektsprache spielt eine Rolle. "Wenn ein Manager mit einem edlen Füller in der Hand von Personalabbau spricht, dann ist das eine Text-Bild-Schere, das wirkt unpassend", so die Kommunikationsexpertin. Dasselbe gilt für eine Managerin, die einen Filzring zu einer Perlenkette trägt.

Aussehen: Große Menschen kommt in Politik und Management generell besser an als kleine, die Größe verdeutlicht den Machtanspruch. "Kleine Manager oder Politiker poltern häufig, um auf sich aufmerksam zu machen", sagt Lackner. Aber auch das Styling, die Frisur (Ohren verdeckt oder nicht), die Art der Schminke, die Form der Augenbrauen und der Blick spielen eine große Rolle.

(kurier) Erstellt am
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