Lydia Stickler bei ihrer Nachtschicht mit Hund Jessie

© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft Karriere
12/19/2020

Die Arbeitsengerln am Weihnachtsabend

Der KURIER hat drei Menschen getroffen, die am 24.12. arbeiten – während andere ihre Geschenke auspacken.

von Claudia Weber

Die Wächterin von 7800 Tieren

Lydia Stickler schiebt die Nachtschicht zu Weihnachten und passt auf den Tiergarten Schönbrunn auf

Lydia Stickler schnappt sich Wachhund Jessie, verlässt ihr Portierhäuschen und dreht ihre Runden im Tiergarten Schönbrunn. Denn eine muss auch am 24.12. auf die 7800 tierischen Bewohner aufpassen. „Bei jedem Abenddienst lege ich bestimmt um die 20 Kilometer zurück.“ So kontrolliert sie, ob auch alle Ein- und Ausgänge verschlossen sind und sieht nach dem Rechten.

Ansonsten nimmt die 34-Jährige in ihrer Schicht von 17 Uhr bis 7.30 Uhr am Folgetag immer wieder Lieferungen entgegen oder kümmert sich zusammen mit einem Tierpfleger um Tiertransporte – wenn beispielsweise neue Tiere aus dem Ausland anreisen.

Im Notfall ist es auch sie, die den Tierarzt anruft. Wenn Veranstaltungen wie Nachtführungen oder das Safari-Dinner stattfinden, ist sie auch dabei. „Vor acht Jahren hatten wir am  Heiligen Abend eine Wasserbüffelgeburt. Da muss man dann auch mitanpacken oder einmal kam es sogar vor, dass ich einer neugeborenen Zwergziege die Flasche geben durfte“, so Stickler.

Weihnachten ist für sie eine friedliche Zeit und der Tag der Familie. Aus dem Grund übernimmt sie gerne die Schicht am Heiligen Abend, da sie keine Kinder hat und den Kollegen mit Kindern den Dienst gerne abnimmt. „Aber ich mache es mir auch in meinem Portierhäuschen weihnachtlich. Dann nehme ich mir für die Pause etwas Gutes zum Essen mit, zünde mir eine Kerze an und dreh mir Weihnachtslieder auf. Dann kann es hier ganz schön abgehen“, so die gelernte Tierpflegerin.
 
Seit über 19 Jahren arbeitet sie für den Tiergarten Schönbrunn. Seit zwölf  Jahren ist sie im Nachtdienst tätig. Darum heißt es für sie auch am 25.12. zunächst einmal ausschlafen und dann geht es ab ins Burgenland zur Familie, um nachzufeiern.

Und die Tiere im Zoo? Die Elefanten und Rentiere zumindest kriegen die Adventzeit über immer wieder einmal ein Leckerli, in dem Fall ganze Weihnachtsbäume zum Naschen.  

Die Zuhörerin der Alten 

Andrea Braunsteiner-Reidinger hat auch zu Weihnachten ein offenes Ohr für die Bewohner des Pensionistenwohnhauses am Mühlengrund in Wien 23

Pensionistin Renate Lopata muss sofort einmal etwas klarstellen: „Es wird immer so viel Negatives über die Pensionisten-Wohnhäuser geschrieben. Ich will nur sagen: Uns geht es gut. Wir sind nicht einsam.“ Damit es der 72-Jährigen und den Bewohnern der 30 Häuser zum Leben auch wirklich gut geht, sorgen Menschen wie Andrea Braunsteiner-Reidinger. Sie arbeitet seit 1994 im Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser (KWP), zu denen auch 150 Pensionistenklubs gehören.

Seit 2013 ist sie im Pensionistenwohnhaus am Mühlengrund im 23. Wiener Gemeindebezirk tätig und leitet die Hausbetreuung. Die 57-Jährige kümmert sich um die Abläufe in ihrem 30-köpfigen Team, aber auch um die Anliegen und Sorgen der Bewohner. Im Rahmen der Hausbetreuung werden auch demenziell erkrankte Menschen in sogenannten Tag-Familien betreut und ihre individuellen Potenziale gefördert. Zu Weihnachten arbeitet Braunsteiner-Reidinger von 13 Uhr bis zu dem Zeitpunkt, wo sie nicht mehr gebraucht wird.

Seit mittlerweile 15 Jahren macht sie das schon am 24.12. „Ich finde das sehr magisch und kann mir gar nicht mehr vorstellen, zu Weihnachten woanders zu sein“, sagt sie. „Besonders in diesem speziellen Jahr ist es wichtig, dass wir da sind.“ Speziell ist in diesem Jahr auch das Programm. Künstler und Bands, die normalerweise auftreten, dürfen heuer wegen der Corona-Sicherheitsmaßnahmen nicht kommen.

Stattdessen gibt es eine digitale Show mit Alfons Haider auf der großen Leinwand. Und natürlich ein Festmenü: Gebackenes Karpfenfilet mit Kartoffel-Vogerl-Salat und als Dessert Bratapfel mit Zimt und Vanillesoße. „Die Direktorin und ich klingeln dann auch an jede der über 300 Türen im Haus und überreichen jeden einzelnen Bewohner und jeder Bewohnerin Kekse und Punsch.“ Braunsteiner-Reidinger liebt diesen Job, „weil man von den Alten so viel lernen und sich gegenseitig so viel Wertschätzung schenken kann.“

Pensionistin Renate wohnt seit vier Jahren hier, zuvor hat sie ehrenamtlich im Haus gearbeitet: „Die Mitarbeiter sind immer so herzlich und bemüht. Irgendwie haben wir hier immer einen Spaß und zu Weihnachten sowieso.“

Der Fahrer der Frohgesinnten

Wenn Anton Sachs das Gefühl hat, er fährt am Heiligen Abend jeden Gast zum Ort der Bescherung

Anton Sachs arbeitet seit 25 Jahren bei den Wiener Linien als Straßenbahnfahrer. So fährt er, die Distanz betrachtend, durchschnittlich die Strecke von Wien nach Bratislava an einem Tag. Den Dienst am Heiligen Abend hat er schon öfters absolviert. Höchstwahrscheinlich wird er auch in diesem Jahr am 24.12. in einer der Linien O, 6, 11, D, 18, 1 oder 71 seine Runden drehen. „Das erfahren wir erst vier Tage vorher“, sagt der 53-Jährige.

Weihnachtslieder darf er laut Dienstvorschrift an dem besonderen Tag keine in der Straßenbahn spielen. Zu Weihnachten zu arbeiten ist für Sachs dennoch etwas Besonderes: „Die Gäste sind an diesem Tag viel fröhlicher, große Kinderaugen leuchten und ich ernte viel öfters ein Lächeln oder ein Danke.“ Auffallend ist, dass zwischen 17 und 19 Uhr sehr viele Kinder und Familien in der Straßenbahn fahren. „Ich habe dann das Gefühl, ich fahre alle zum Ort der Bescherung“, lächelt Sachs. „Und nach 20 Uhr fahre ich viele Omas wieder heim. Das fällt auch auf.“ 

Und wie geht es seiner Frau und seinen drei Kindern samt Enkelkind, wenn er am Heiligen  Abend nicht daheim ist? „Wenn ich die Frühschicht habe, geht es sich aus, dass wir am Abend feiern. Habe ich die Abendschicht, feiern wir Weihnachten eben schon zu Mittag. Meine Frau ist das gewohnt. Ihr Vater war auch Straßenbahnfahrer, die kennt gar keine andere Art, Weihnachten zu feiern.“ 

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