Wirtschaft | Karriere
24.04.2018

„Bon appétit“ - „Danke, ebenfalls!“

Einmal ein eigenes Restaurant führen - davon träumen viele Lehrlinge. Ein neues Austauschprogramm bringt sie auf den Weg.

„Bonjour!“ – „Servus!“: Einen Monat lang ist das die alltägliche Begrüßung in zwei Wiener Küchen. Grund der Zweisprachigkeit: Ein innovatives Austauschprogramm für Lehrlinge und Praktikanten, wie wir es eigentlich aus der Schule kennen. In der Figlmüller Group werden derzeit 28 Lehrlinge ausgebildet, die seit Neuestem über Erasmus nach Frankreich fliegen können – gerade in Sachen Kulinarik die wohl attraktivste Verbindung. Umgekehrt haben Schüler aus dem französischen Lille die Möglichkeit, hier ihr Praktikum zu absolvieren. Zwei davon haben gerade das Vergnügen, an diesem neuartigen Programm teilzunehmen: Die Pioniere Léon und Ismaël haben nicht nur ihre Kochfähigkeiten enorm verbessert. „Wir wurden in die österreichische Küche eingeführt und haben gelernt, auch mit jenen Kollegen zu kommunizieren, die kein Französisch sprechen“, schildern die beiden. Fremdsprachenkenntnisse auszubauen, ist ebenfalls ein „Schmankerl“ des Programms.

Andere Küchen, andere Geschmäcker

Was zum Kochen natürlich dazugehört, ist das Kosten. „Österreichische Küche ist anders als die französische. Ich selbst mag die französische nicht, weil sie viel zu fett ist. Hier sind aber die Portionen sehr groß“, erzählt der 17-jährige Léon, der im Lugeck kocht und im Backhenderl sein Lieblingsgericht gefunden hat. Ismaël hingegen absolviert sein Praktikum im Joma, wo er sich durch internationale Speisen durchprobieren darf. Seine Schwachstelle ist dennoch das Wiener Schnitzel, das er während seines Aufenthalts mehrmals genossen hat.

Während sich die beiden jungen Männer aber schön langsam auf ihre Heimfahrt vorbereiten, sitzt Kochlehrling Michelle schon auf Nadeln. Sie wird im Juni in einem mit einem Michellin-Stern ausgezeichneten Lokal namens „bloempot“ ihrer Leidenschaft fürs Kochen nachgehen und freut sich besonders auf das Herumtüfteln mit Lebensmitteln, die hierzulande weniger in Gebrauch sind. „Ich hoffe, dass ich viel aufnehmen kann und von den dortigen Köchen lerne; dass sie mir vieles zeigen können und ich mir nach meinem Auslandsaufenthalt denke, wieder einen Schritt weiter im Leben gemacht zu haben“, so die wissbegierige Österreicherin, die auch zu Hause viel experimentiert. Von ihrem Auslandsaufenthalt erhofft sie sich viele Ideen, die sie in der Figlmüller-Küche umsetzen kann.

Stars von morgen

Die Auszubildenden profitieren nicht nur von der unvergesslichen Koch- und Lebenserfahrung, ihnen wird auch finanziell unter die Arme gegriffen. „Wir sehen unsere Zukunft in unseren Lehrlingen. Sie sind unsere Stars von morgen. Somit investieren wir in unsere Jugendlichen und natürlich auch in unsere Zukunft“, berichtet Barbara Friess, Chief of Human Ressources Officer bei Figlmüller. Sie hat diese Initiative ins Leben gerufen. Sie werden im In- und Ausland betreut, sind aber dennoch auf sich gestellt. „Auch können sie anderen Arbeitgebern in Zukunft zeigen, dass sie aufgrund ihrer Leistung die Möglichkeit hatten, ins Ausland zu gehen. Somit ist es ein guter Beweis ihrer Kompetenz, die sie sich in jungen Jahren angeeignet haben“, so Friess. Figlmüller freut sich hingegen, dass seine Lehrlinge neue Arbeitstechniken und -mittel kennenlernen. Im Vordergrund dieser Initiative steht demnach, dass die Lehrlinge ihr Wissen vermehren und gleichzeitig interkulturelle Kompetenzen stärken.

Win-win-Situation

Das originelle Programm verfolgt das Ziel, junge Erwachsene zu mobilisieren und die transnationale Zusammenarbeit zu unterstützen. Vor allem aber soll der Respekt vor fremden Kulturen und der „Andersartigkeit“ gefördert werden. Die Auszubildenden würden auf diesem Weg einen kleinen Teil zu einer „besseren Gesellschaft“ beitragen.

Der Austausch wirkt sich am Ende auf das gesamte Arbeitsumfeld aus und motiviert auch andere Lehrlinge, bessere Leistungen zu erbringen. Doch abgesehen von der guten Arbeit bleiben speziell die kostbaren Erinnerungen, die sie „größer“ machen. Was Léon gewiss niemals vergessen wird: „Das Figlmüller-Schnitzel, das über den Tellerrand ragt!“