Den ersten Schritt zu mehr Zufriedenheit muss man schon selber gehen

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Zurück vom Urlaub
08/25/2014

Unzufrieden? 8 Tipps für ein sofortiges Job-Upgrade

Was bisher im Job schieflief, wird nicht von selbst besser. Acht Initiativen, die Sie setzen sollten.

von Nicole Thurn

Vorgestern noch steckten die Füße im Sand und der Blick wanderte entspannt über das Meer zum Horizont. Jetzt brennen die Augen, als sie auf dem Bildschirm des Computers "Posteingang (489)" lesen. 489 neue eMails, ein Stapel Papierkram, und mit der Erholung ist es schneller vorbei, als man "Malediven" sagen kann. "Post-Holiday-Syndrom" nennen Forscher den Mix aus Missmut und Motivationslosigkeit, im Schnitt hält es drei Arbeitstage an. Und danach? Hat man es sich im Bürotrott wieder bequem gemacht. Die Probleme sind wieder vertraut, die Chefin nervt wie gewohnt, der Kollege zickt wie immer, die Arbeit häuft sich – das Hamsterrad dreht sich. Doch das muss nicht so sein. Jetzt, mit dem frischen Blick der Distanz, ist der richtige Zeitpunkt, selbst aktiv zu werden – für mehr Zufriedenheit im Job.

  1. Ich entspann’ mich lieber.
    Der Urlaubseffekt lässt sich hinauszögern. Beginnen Sie den ersten Tag mit innerer Ruhe, machen Sie mehr Pausen als vor dem Urlaub, gehen Sie nach der Arbeit spazieren oder zum Italiener, um Ihren Italien-Urlaub aufleben zu lassen. Entspannungstechniken wie die progressive Muskelentspannung helfen, ungesunden Stress erst gar nicht aufkommen zu lassen. Ideal: Legen Sie den ersten Arbeitstag an einen Mittwoch, dann ist die erste Woche schnell vorüber.
  2. Chef, so nicht.
    Egal, ob Ihr Vorgesetzter ein Sozialallergiker, Kuscheljunkie oder sadistischer Ego-Shooter ist, wie Managementexperte Patrick D. Cowden in seinem Buch "Böse Chefs" selbige typisiert. Vergegenwärtigen Sie sich: Ihn ändern können Sie nicht, den Umgang mit ihm schon. Cowden rät zum Einsatz von Psychologie und Strategie – dem Sozialallergiker könne man aus seiner Isolation helfen, indem man auf ihn zugeht, den entscheidungsschwachen Kuscheljunkie beraten. Und anstatt die cholerische Mitarbeiterbeschimpfung persönlich zu nehmen, dem Ego-Shooter auch mal die Grenzen aufzeigen. Trauen Sie sich, Ihren Chef zu führen. Egal, welche Führungsschwäche er an den Tag legt: Ist sie ein Dauerzustand, der die Produktivität hemmt, reden Sie subtil in einem ruhigen Vier-Augen-Gespräch mit ihm darüber – wohlgemerkt in Ich-Botschaften. Der deutsche Führungskräfte-Coach Matthias Wölkner rät: Sagen Sie, was Sie sich vom Chef wünschen – etwa mehr Einarbeitungszeit ins Projekt oder klare Vorgaben. Wichtig: Erläutern Sie, was er davon hat – zum Beispiel ein fundiertes und schnelleres Ergebnis. Geben Sie positives Feedback, wenn es funktioniert hat. Und nutzen Sie das alljährliche Mitarbeitergespräch, um ihm ehrlich und konstruktiv Feedback zu geben.
  3. Wir müssen reden.
    Der Kollege grüßt Sie missmutig, macht Sie vor anderen runter oder reagiert gereizt auf Ihre Vorschläge? Bevor in Ihrem Gehirn das Kopfkino "Er hat was gegen mich" anläuft, fragen Sie ihn lieber, was los ist. Manchmal liegt die Ursache für die Verstimmung woanders – etwa bei familiären Problemen.
  4. Verdammte Sch...!
    Britische Wissenschaftler der Universität Norwich haben herausgefunden, dass Fluchen und sogar Schimpfwörter am Arbeitsplatz den Teamgeist fördern. Meist würden Schimpfwörter gar nicht beleidigend genutzt, sondern hätten eine reinigende Wirkung: Aufgestaute Gefühle könnten sich besser lösen und schürten die Solidarität unter den Kollegen. Kraftausdrücke vor dem Chef oder vor Kunden sind aber tabu – das lässt Sie unprofessionell wirken.
  5. (Ich) lenk’ mich nicht ab.
    15 Prozent der Arbeitszeit verbringen Mitarbeiter im Durschnitt in Meetings, ergab eine Befragung der deutschen Berater Bain & Company in 17 internationalen Konzernen. Zeitmanagement-Guru Lothar Seiwert rät, sich nicht ablenken zu lassen – weder durch sinnlose Meetings, noch durch laute Kollegen, unangemeldete Besucher oder lästige Anrufer und eMail-Beschuss. Besser: Prioritäten setzen, Anrufbeantworter einschalten, für eine Aufgabe einen Wecker stellen und sich bis zu dessen Läuten ausschließlich ihr widmen.
  6. Nein, jetzt nicht.
    Fast 90 Prozent der Österreicher leiden an Stress durch Leistungs- und Arbeitsdruck. Bei chronischer Überlastung sind auch die Maßnahmen zur Selbstoptimierung irgendwann ausgeschöpft. Arbeitsüberlastung ist heute in vielen Unternehmen strukturell bedingt, tendenziell wird mehr Arbeit auf weniger Mitarbeiter verteilt. EU-weit ist Österreich gemeinsam mit Italien Schlusslicht, was Stressmanagement in Unternehmen betrifft. Dennoch können Sie etwas tun – nämlich Nein sagen. Kollegen und Chefs gewöhnen sich allzu schnell an brav abarbeitende Jasager, die Anerkennung bleibt dafür ebenso schnell aus. Experten raten dazu, das Neinsagen zu üben und Alternativen anzubieten, z. B.: "Jetzt gleich geht nicht. Ich bin bis 16 Uhr mit der Arbeit XY beschäftigt, danach widme ich mich gern der Aufgabe Z."
  7. Ich werde Master.
    Sie wollen sich im Projektmanagement, in Sachen Führungskompetenz oder als Experte weiterentwickeln? Warten Sie nicht darauf, dass Ihnen das Unternehmen einen Lehrgang sponsert. Sehen Sie Weiterbildung als persönliches Investment – von Ihnen in Sie. Zahlen Sie Weiterbildung aus der eigenen Tasche – der Inhalt interessiert Sie dann auch wirklich, vieles wird gefördert (z. B. vom WAFF), und Sie bleiben unabhängig vom Arbeitgeber.
  8. Weil ich es wert bin.
    Mit Rumjammern wird das Konto definitiv nicht gefüllt. Auch wenn es unangenehm ist: Wenn Sie mehr Gehalt wollen, müssen Sie es fordern. Dazu müssen Sie Ihren Marktwert kennen. Ihre bisherige Leistung muss einen Gehaltssprung auch verdienen. Loten Sie noch vor dem Gehaltsgespräch bei Ihrem Vorgesetzten aus, wie Ihre Arbeit ankommt. Warten Sie, bis Sie ein Projekt erfolgreich abgeschlossen haben – das untermauert Ihren Wert.

KURIER: Österreich gilt als Land der Jammeranten. Bemerken Sie fehlende Eigeninitiative in Firmen?
Jörg Knoblauch:Wir unterscheiden die Mitarbeiter A, B und C. A zieht den Karren, B geht nebenher, C sitzt drauf und bremst hin und wieder. Firmen ist oft nicht klar, dass ein A immer unterbezahlt ist und ein C sogar gratis zu teuer wäre. Sie sollten bei der Einstellung sorgfältiger sein.

Was kann ein Mitarbeiter tun, wenn der Chef schlecht führt?
Er hat drei Möglichkeiten: Love it – ich arrangiere mich. Change it – ich rege meinen Chef zu einem anderen Verhalten an. Or leave it – gute Mitarbeiter werden überall gesucht.

Wie viel Kritik am Chef ist erlaubt?
Das hängt davon ab, wie gut das Vertrauensverhältnis zu ihm ist. Generell meine ich: Sprich an, wenn dich etwas stört. Geht er nicht darauf ein, gibt es andere Firmen. Ich würde die Schuld erstmal nicht beim Chef suchen, sondern bei mir selbst. Ich finde raus, was mein Chef will, und liefere mehr, als er erwarten kann.

Bei viel Stress: Wie sagt man Nein, ohne Arbeit zu verweigern?
Erfolgreich Neinsagen ist eine Kunst. Neinsager werden selten befördert. Man muss unterscheiden: Ist eine Sache dringend oder wichtig? Wenn der Chef mit einer dringenden Sache reinschneit, hilft die Frage: Ich habe diese wichtigen Dinge am Schreibtisch – willst du, dass sie verschoben werden?

Viel Energie vergeuden wir mit Konflikten. Was ist zu tun?
Klar, wahr, durchsichtig ist am besten. Leg alles auf den Tisch. Lässt der Kollege Büromaterial mitgehen, rede lieber nicht mit dem Chef darüber, sondern kläre es selbst mit ihm.

Viel Zeit wird durch Meetings verplempert – was tun?
Es braucht einen Moderator und einen Zeitnehmer, der sagt, die zehn Minuten sind um, es muss eine Entscheidung her. Nur Dinge mit schriftlicher Vorlage besprechen. Yahoo-Chefin Marissa Meyer macht 80 Besprechungen pro Woche. Gut gemanagt können Besprechungen einen Konzern rumreißen.

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