Chatten und dabei Spanisch lernen

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Mit einem Native-Speaker zu reden, hilft beim Lernen einer Fremdsprache. Dafür muss man nicht zwingend ins Ausland fahren.

Eine Fremdsprache lernt man am besten, in dem man sie praktisch anwendet und möglichst viel redet. Doch woher einen geeigneten Gesprächspartner nehmen? Die Antwort ist in Zeiten des Internets naheliegend: im Netz. Wie sogenannte "Online Tandems" funktionieren und wie sie den klassischen Unterricht ergänzen, wird derzeit an der Universität Wien von der Sprachwissenschaftlerin Eva Vetter erforscht.

Das Prinzip ist einfach: Vorab organisieren die Sprachlehrer sogenannte Tandempaare zwischen ihren Studierenden. Diese registrieren sich auf "Skype" oder "oovoo", und plaudern über Video.Sie unterhalten sich informell, so wie sie es im Urlaub machen würden. Das – aus didaktischer Sicht – Interessante dabei ist, dass die Studierenden voneinander "abhängig" sind und kooperieren müssen.

Angeboten werden derzeit die Sprache Deutsch, Spanisch und Chinesisch - denn diese werden am häufigsten als Drittsprachen neben der Zweitsprache Englisch gelernt.

Keine Hemmungen

Die Partner sind nicht nur für das eigene Lernen verantwortlich, sondern auch für das des Partners. Durch das Fehlen der Hierarchie "Lehrender/Lernender" haben die Studierenden weniger Hemmungen beim freien Sprechen: Wenn auf demselben Niveau korrigiert wird, schwindet die Angst, Fehler zu machen. "Online kann ich Fragen stellen, die ich im Unterricht nicht stellen würde", erzählt z.B. ein Studierender.

Die Herausforderung beim Online-Tandem ist, den "goldenen Mittelweg" zwischen freiem und geregeltem Sprechen zu gehen, betont Yasmin El-Hariri, die sich in ihrer Forschung insbesondere mit der Frage der Aufgabenentwicklung befasst. Über welche Themen sich die Studierenden austauschen, ist nur grob vorgegeben. Es hängt einerseits vom Sprachniveau und anderseits vom aktuellen Unterrichtsthema ab: Vom Studentenleben über Wissenschaft, kulturelle Unterschiede, gängige Klischees in Bezug auf das jeweilige Land bis hin zu Umgangssprache und Redewendungen ist alles dabei.

"Dabei hat sich herausgestellt, dass junge Spanier Formen verwenden, die ich als Kolumbianerin niemals sagen würde, weil sie bei uns als Schimpfwörter gelten", schmunzelt Projektmitarbeiterin Ruth Pappenheim vom Institut für Romanistik der Universität Wien.

Nicht nur Native-Speaker

"Wir suchen dafür nicht nur 'Native-Speaker'. Jeder und jede, der oder die eine der drei Sprachen im täglichen Leben verwendet und eine bildungssprachliche Kompetenz hat, ist im Tandem willkommen. Sprich: Alle Studierenden in den Sprachkursen – mit oder ohne Deutsch als Erstsprache – können die Studierenden in Spanien beim Deutschlernen unterstützen", betont die Fachdidaktikerin, die bereits seit Jahren schwerpunktmäßig zu Mehrsprachigkeit forscht.

Das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt "L3-Lernen in Online-Tandems" läuft von 2013 bis 2016 im Rahmen des EU-Bildungsprogramms für lebenslanges Lernen. Die Koordination liegt bei der Uni Wien, Partnerunis sind die Universidad de Alicante und de Barcelona, die Friedrich Schiller Universität Jena, die WU Wien und die Universidad Nacional de Educación a Distancia.

Erstellt am 17.03.2014