Wirtschaft | Karriere
26.10.2018

Beste Bar des Landes: „Lässig sein, reicht nicht“

Andreas Hotter ist Österreichs bester Barbesitzer. Was das für ihn und die Gastronomie bedeutet.

Die Bar des Hotel Englhof in Zell am Ziller in Tirol ist die beste des Landes. Zu diesem Ergebnis kommt das deutsche Fachmagazin Mixology, das den Betreiber vergangenen Samstag mit dem  in der Branche renommierten Mixology Bar Award auszeichnete. Andreas Hotter, der das Hotel Englhof in dritter Generation führt, bietet in seiner Bar rund 2000 verschiedene Spirituosen aus aller Welt an. Unter seinen 1000 verschiedenen Whiskeys finden sich Raritäten wie beispielsweise eine Flasche aus der schottischen Brennerei Port Ellen, ein ebenfalls aus Schottland stammender, 30 Jahre gereifter Bowmore Sea Dragon oder ein Scotch, der seit 1983 geschlossenen Destillerie St. Magdalene aus dem Jahr 1975. Trotz der internationalen Spirituosen-Sammlung setzt der passionierte Barkeeper, der 2006 den österreichischen Staatsmeistertitel im Bar-Tending erhielt, bei der Kreation seiner Cocktails bevorzugt auf regionale Akzente: Drinks mit einheimischen Naturprodukten wie Honig, Blütenpollen, Buttermilch, Löwenzahn, Zirbe oder auch Bergheu fänden bei den Gästen großen Gefallen.

KURIER: Wie wird man bester Barbesitzer des Landes? Was zeichnet Ihren Betrieb mitten in Tirol aus?

Andreas Hotter: Ich glaube, unter anderem unsere eigene Cocktail- und Getränkelinie „Alpine Mixology“. Die Zutaten sind aus der Alpenregion, wir bauen aber auch selbst an. In Österreich haben wir sehr gute Zutaten, nur zu wenig Selbstvertrauen, sie ins Rampenlicht zu rücken. Auch unser Spirituosenangebot von 2000 Sorten und 50 Sorten Champagner sowie viele Raritäten sind nicht alltäglich. Schließlich ist unsere persönliche Beratung ein wesentlicher Punkt des Erfolgs – die meisten Gäste sind keine Fachleute.

Gut verkaufen und mit Menschen umgehen, macht Sie aus. Von wem haben Sie das gelernt?

Ich habe mehrere Mentoren. Sehr prägend war Franz Steinmayr, der zu Lebzeiten in der Dianabar in Hall Barkeeper war. Er hatte über 6000 Spirituosen. Auf der ganzen Welt habe ich so ein Sortiment nie wieder gesehen. Auch Barkeeper Christoph Immervoll aus Oberösterreich, der mir immer zur Seite gestanden und mich beraten hat sowie mein alter Hotelierkollege Hermann Hertl. Ansonsten muss man seinen eigenen Weg und Stil finden. Das muss auch wirtschaftlich funktionieren. Zu denken: „Ich bin jetzt James Lässig“ reicht nicht.

Was bedeutet Ihnen der Mixology Bar Award?

Der Award ist wichtig, weil ich am Land lebe. Die Bar funktioniert sehr gut, aber mit mehreren Awards ist der Radius größer. Und es ist ein gutes Gefühl, dass die Arbeit geschätzt wird.

Haben Sie auch mit dem österreichweiten Fachkräftemangel zu kämpfen?

Wir haben langjährige Mitarbeiter, aber wir spüren das auch. Es ist ein flächendeckendes, bedenkliches Problem. In der Bar habe ich kein Problem – im Restaurant wird es schwieriger.

Wie finden Sie passende Mitarbeiter?

Wenn Sie mich fragen: heutzutage nur durch Kontakte und Beziehungen.

Müssen sich Arbeitgeber heute etwas Besonderes überlegen, um die Besten in ihre Region zu kriegen?

Was wir in der Gastronomie definitiv brauchen, ist ein Stellenwert für den Job sowie für Essen und Trinken. In Frankreich beispielsweise ist Essen wichtiger als eine Autofelge. Bei uns ist es andersrum: Wenn jemand mit Bioware kocht, sieht das der Nachbar nicht – das Auto schon. Das müssen wir in den Griff bekommen.

Was sind Ihre nächsten Ziele?

Ich bin sehr geerdet. Wir haben sehr viel gewonnen und Auszeichnungen bekommen. Mein größtes Ziel ist aber, die Gäste zufriedenzustellen. Für die Zukunft der Bar möchte ich für die alpine Linie mehr Kontrolle über Selbstanbau und Verarbeitung übernehmen. Es ist sehr viel Arbeit und Idealismus dabei – aber den braucht man auch.