Noemi Schmutzer, Fee im Glueck, Kindermodengeschaeft Burggasse 31

© gilbert novy

Wiedereinstieg
02/25/2013

Baby und Büro – der schwierige Spagat 

13 Prozent aller Kindergeld-Bezieherinnen kehren bereits im ersten Babyjahr wieder in den Job zurück. Trotz aller Schwierigkeiten.

von Nicole Thurn, Andrea Hlinka

Sie ziehen ihre Selbstständigkeit durch, helfen im Familienbetrieb mit oder treiben ihre Karriere voran – drei gute Gründe, warum die Unternehmerin, die Bäuerin und die Angestellte sich für einen sehr frühen Wiedereinstieg ins Berufsleben entscheiden – im ersten Lebensjahr ihres Kindes.

Immerhin 13 Prozent aller Kindergeldbezieherinnen gehen im ersten Babyjahr wieder arbeiten – 5,6 Prozent sogar innerhalb der ersten acht Monate der Babypause. Das hat die Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung im Jahr 2010 ergeben.

Um den Jobeinstieg schon im oder gleich nach dem ersten Babyjahr weiter zu forcieren, wurden 2010 zwei neue Kurzvarianten beim Kinderbetreuungsgeld (kurz: Kindergeld) geschaffen: das einkommensabhängige Kindergeld (80 Prozent des vorherigen Monatseinkommens) und die Pauschalvariante 12+2 Monate (1000 Euro im Monat, zwei Monate zusätzlich, wenn der zweite Elternteil in Karenz geht, Anm.).

Gut situiert, gebildet, mit anspruchsvollem Job: Das sind die Bezieherinnen des einkommensabhängigen Kindergeldes, wie die ÖIF-Evaluierungsstudie aus dem Jahr 2012 zeigt. Ihre Motive: Sie wollen im Job weiter vorankommen und deshalb schnell wieder einsteigen. Die Pauschalvariante wird eher von Frauen mit geringer Qualifikation und von Selbstständigen gewählt – ihr Motiv ist vor allem finanzieller Natur.

Einstellung ändert sich

Im Jänner 2013 wählten von insgesamt 135.261 Kindergeldbeziehern nur zwölf Prozent eine Kurzvariante. „Noch ist in Österreich die gesellschaftliche Einstellung weit verbreitet, dass Frauen bis zum dritten Lebensjahr des Kindes zuhause bleiben sollten“, sagt Wolfgang Mazal, Leiter des Österreichischen Instituts für Familienforschung (ÖIF). Dass sich diese Einstellung wandelt, würden die Zahlen zum Kindergeld wiederspiegeln: „Die Nachfrage nach den derzeit noch beliebtesten Varianten mit 20+4 und 30+6 Monaten geht zurück“, sagt Mazal, der Bedarf an Kurzvarianten nehme zu.

In der Warteschleife

Doch die Wahl der Kurzvariante bedeutet noch nicht, dass die Frauen gleich nach dem ersten Babyjahr zurück in den Job gehen. Von den befragten Frauen mit einkommensabhängigem Kindergeld arbeitet nach Bezugsende nur jede Zweite wieder (44,3 Prozent unselbstständig, 6,2 Prozent selbstständig). Bei der Pauschalvariante sind 64,9 Prozent der Bezieherinnen gleich wieder erwerbstätig – die Hälfte von ihnen als Selbstständige. Warum die restlichen Frauen nach dem Babyjahr weiter zuhause bleiben, habe mehrere Gründe, sagt der Familienforscher: Sie seien noch einige Monate in Karenz, sind in der „Warteschleife“ für das nächste Kind oder „gänzlich aus dem Erwerbsleben ausgeschieden“.

Dass Elternteilzeit den raschen Wiedereinstieg erleichtern kann, zeigt eine ÖIF-Studie aus dem Jahr 2008. Ein Drittel der Eltern, die Elternteilzeit in Anspruch nehmen, gehen schon im ersten Babyjahr wieder in Teilzeit arbeiten.

Das größte Hindernis für einen frühen Einstieg ins Berufsleben sind immer noch die fehlenden Kinderbetreuungsplätze. Daher will Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek einen Rechtsanspruch für einen Betreuungsplatz für Kinder ab einem Jahr durchsetzen, Kinderbetreuungsplätze für Unter-Dreijährige will sie ausbauen und danach die längste Kindergeld-Variante von 30+6 Monaten sogar streichen. Das Familienpaket wird von der Regierung im März verhandelt.

Neue Karriere nach dem ersten Kind

Nach der Geburt ihrer Tochter Jil kehrte Noemi Schmutzer nach 16 Wochen in ihre Führungsposition in die Privatbank zurück. Doch etwas hatte sich nach 18 Jahren in der Finanzbranche verändert: Plötzlich fehlte Schmutzer der Sinn. „Mit einem Kind verschieben sich die Prioritäten“, erklärt sie. Aus einer Unternehmerfamilie stammend, entschloss sich die Schweizerin kurzerhand zur Selbstständigkeit und übernahm das Kinderkleider-Label „Fee im Glück“. „An dem Tag, an dem ich den Kaufvertrag unterschrieben hatte, wurde ich mit Lenni schwanger“, erzählt sie. Im Oktober kam er zur Welt.

Arbeit und Kind

„Wenn man selbstständig ist, hört man nie auf zu arbeiten. Es rattert immer weiter in deinem Kopf“. Schon wenige Tage nach der Geburt, arbeitete sie mit dem Säugling am Arm für die Verwirklichung ihres Traums. Vergangenen Samstag ging er in Erfüllung: Noemi Schmutzer eröffnete in der Burggasse 31 im 7. Bezirk einen Concept Store. „Lenni ist mein Geschäftspartner, er ist immer hier“, scherzt sie. Die Eröffnung zu verschieben, war keine Option: „Jeder Tag ist wichtig. Man kann als Selbstständige nicht fünf Monate zu Hause sein.“

So geht’s

Noemi Schmutzer entschied sich für die kürzeste Variante des pauschalen Kinderbetreuungsgeldes (12+2). Auch ihr Mann ist selbstständig. Er unterstützt sie. „Es ist natürlich kein Spaziergang. Aber ich lebe dafür sehr intensiv.“

Karrieresprung nach der Babykarenz

Drei Jahre ohne Job zu Hause zu bleiben, kam für Michaela Oberauer nicht in Frage. „Da wäre ich unglücklich geworden“, sagt die 29-Jährige. Seit November arbeitet sie 30 Stunden pro Woche als Personalchefin in Karenzvertretung bei Wirtschaftsinformations-Dienstleister Dun & Bradstreet.

Arbeit und Kind

Bei Tochter Nina war sie knapp über ein Jahr zu Hause, bezog einkommensabhängiges Kindergeld und nutzte die Karenz zur Weiterbildung. „Ich wollte meine Karriere vorantreiben.“ In ihren alten Job wollte sie nicht zurück, verzichtete damit auf die Chance zur Elternteilzeit: „Hier habe ich Herausforderungen. Obwohl der Job arbeitsintensiv ist, macht er Spaß.“

In der Karenz mit ihrem ersten Sohn Stefan, heute drei Jahre alt, stieg Oberauer vier Monate nach seiner Geburt wieder in den Job ein, arbeitete geringfügig von zu Hause aus. Als Stefan acht Monate alt war, wechselte sie ins Büro, Stefan kam zur Tagesmutter.

So geht’s

„Organisation ist alles“, sagt Oberauer. Der Sohn besucht derzeit den Kindergarten, Nina wird von der Tagesmutter betreut – die Kosten entsprechen ihrem halben Gehalt. Morgens bringt ihr Ehemann die Kinder zu den Betreuungsplätzen, auch ihre Mutter hilft aus. Wenn sie das schlechte Gewissen plagt, erinnert sie sich an ihr Motto: „Qualität geht vor Quantität. Die Zeit mit den Kindern gestalte ich umso bewusster.“

Mithilfe der ganzen Familie

Im niederösterreichischen Pillichsdorf hat die Familie Gössinger einen Bio-Ackerbaubetrieb und betreibt Weinbau. Der Sommer 2011 war nicht nur erntebedingt eine anstrengende Zeit, Monika Gössinger war hochschwanger. „Traktor fahren, wollte ich am Ende der Schwangerschaft nicht mehr, weil es so rumpelt“, erzählt die 31-Jährige mit einem Lächeln. Statt am Feld mitzuarbeiten, war sie damals für die Verpflegung zuständig, kochte für die Familie. Am 17. Juli 2011 kam ihr erster Sohn Wolfgang zur Welt – „die roten Haare sind vom Opa“.

Arbeit und Kind

Fünf Tage nach der Geburt war Monika Gössinger wieder zu Hause. Die Familie entschied sich für die kürzeste Variante des Kinderbetreuungsgeldes (12+2). Nach und nach begann Monika Gössinger, wieder im Betrieb mitzuarbeiten. „Es stellt sich mit der Zeit von selbst ein. Ich arbeite mit, aber keinesfalls acht Stunden am Tag. Uns ist es wichtig, viel Zeit mit Wolfgang zu verbringen. Ich mache die Büroarbeit und die Verpflegung. Jetzt, im Winter, kann man draußen ohnehin wenig machen.“

So geht’s

Die Gössingers leben im Familienverband. „Eltern, Schwiegereltern, Tanten, Cousins, wir haben viele Menschen, die uns helfen und auf den Kleinen aufpassen“, sagt Monika. Währenddessen spielt ihre Schwiegermutter am Nebentisch mit dem Kleinen.

„Ob es am Land mit Kindern einfacher ist? Ich denke, hier gibt es zwei wichtige Punkte“, sagt sie. Die Kinder würden leichter hinausgehen und spielen können, als in der Stadt. „Zweitens: Ich habe das Glück im Familienverband zu leben. Kann aber sein, dass das in der Stadt auch so ist.“ In frühestens einem Jahr könnte Wolfgang in den Kindergarten gehen. „Wir werden dann sehen, ob er soweit ist.“

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