Wirtschaft | Karriere
04/13/2019

Das waren die ersten drei Frauen, die Technik studierten

Vor 100 Jahren wurden erstmals Frauen an der Technischen Hochschule zugelassen. Was hat sich seither getan?

Jung, klug, weiblich, mutig: Die ersten Frauen in einem männerdominierten Bildungszweig hatten es nicht einfach. Vor genau hundert Jahren wurden 20 Frauen an der Technischen Hochschule (TH) – heute die Technische Universität (TU) – zugelassen.

Frauen durften sich nur in technische Studiengänge einschreiben, wenn sie dabei anderen Studenten nicht den Platz wegnahmen

Der Frauenanteil stieg von 0,4 auf 28,7 Prozent

Die Vorreiterinnen machten im Zugangsjahr an der TU 0,4 Prozent der gesamten Studentenschaft aus. Heute beträgt der Frauenanteil 28,7 Prozent. Es hat sich also viel getan. Eines ist aber gleich geblieben: Damals wie heute zählt Architektur zu den für Frauen reizvollsten technischen Studiengängen. Inzwischen studieren mehr Frauen (56,1 Prozent) als Männer in diesem Fach. In Raumplanung und Raumordnung sind es 49,3 Prozent und in Technischer Chemie 40,4 Prozent. Weniger beliebt sind bei Frauen Maschinenbau (11 Prozent) sowie Elektrotechnik und Informationstechnik (12,8 Prozent).

Pionierinnen, allein unter Männern

Architektin Helene Roth erhielt als erste TU-Studentin 1926 ihren Abschluss
 

Dora Gad, studierte zwischen 1930 und 1934 an der TU Wien Architektur

Elfriede Tungl, studierte 1941 Bauingenieurwesen, 1950 promovierte sie zum Dr. techn.

Doch welche Studien lohnen sich besonders für Frauen?

„Hinsichtlich der Arbeitsmarktverankerung lohnen sich Studiengänge von der Wirtschaftsinformatik bis hin zur Künstlichen Intelligenz. Doch es kommt auf das Niveau an. Eine Kfz-Mechanikerin ist auch ein technischer Beruf“, sagt Alexander Schmölz, Geschäftsführer des Österreichischen Instituts für Berufsbildungsforschung (öibf). Die Faustregel lautet: „Generell lohnt sich jedes technisch-naturwissenschaftliche Studium, und zwar unabhängig vom Geschlecht.

Steigender Bedarf und hohe Einstiegsgehälter

Technik ist ein lebendiger Bestandteil unseres Alltags, fortschreitende Digitalisierung, die Industrie 4.0 und so weiter, schaffen neue Rahmenbedingung“, ergänzt Kurt Matyas, Vizerektor für Studium und Lehre an der TU Wien. Experten, die diese System entwickeln , anwenden und Lösungen für die Zukunft vorausdenken, seien in Wirtschaft und Forschung gefragt. Bedarf und Relevanz steigen laut Matyas stetig, die Einstiegsgehälter seien ebenfalls deutlich höher als in anderen Bereichen.

Berufswahl von Rollenbildern geprägt

Dennoch sind technische Studiengänge für Frauen noch immer wenig attraktiv. Das begründet sich bereits in der Sozialisation im Elternhaus, wie Schmölz weiß. „Buben werden eher angehalten, schon früh Autos zu zerlegen und bekommen immer wieder Werkzeug in die Hand. Diese Rollen sind stark implizit in der Gesellschaft verhaftet. Es hat also einen erzieherischen Grund, warum sich technische Interessen bei Buben eher entwickeln als bei Mädchen“, sagt er.

Bild des ölverschmierten Mechanikers

Studien mit vermutet hohem Kreativanteil und sozialen Aspekten ziehen laut Matyas eher Frauen an, da dies auch einem nach wie vor bestehenden Rollenbild von Frauen entspricht und somit sozialen Druck minimiert. Umgekehrt würde hinter klassischen ingenieurwissenschaftlichen Studien auch noch der ölverschmierte Mechaniker im Maschinenbau vermutet oder Elektrotechnik mit dem männlichen Elektriker gleichgesetzt. „Jungen Frauen aufzuzeigen, dass diese Bilder längst nicht mehr der Realität entsprechen, es keinen geschlechterspezifischen Grund gegen ein Studium gibt, ist unser klares Ziel“, so Matyas.

Projekte für mehr Gleichstellung

Dafür wird bereits viel getan. „Die Stadt Wien beispielsweise führt Projekte für verschiedene Zielgruppen, die hinsichtlich des Übergangs beraten und geschlechtsneutralsensibilisieren. Das hat einen großen Einfluss auf die Berufswahl“, so öibf-Chef Schmölz. In der großen Breite würde hier durch die geschlechtssensible Berufsorientierung und Gleichstellungsorientierung bei der „Information, Beratung und Orientierung für Berufe und Bildung“ (IBOBB) schon viel erreicht.

Auch die TU Wien engagiert sich für ihre Studentinnen. „Wir versuchen auf vielen Ebenen Beratung und Orientierung zu bieten. Von einem Mädchenprogramm bei der KinderuniTechnik über ein Online-Mentoring für Studienbeginnerinnen bis hin zu Netzwerken für Wissenschaftlerinnen“, sagt TU-Vizerektor Matyas. Der Karriereweg für junge Technikerinnen wird somit geebnet. Eine Übersicht der Informationen finden sich auf der MINT-Map und www.tuwien.ac.at der Technischen Universität Wien.