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Wirtschaft | Karriere
03/14/2019

Adamah-Gründer verteilen die Früchte an ihre Kinder

Am Bio-Hof Adamah ist die Übergabe in vollem Gange. Die Familie hat sie sich einen externen Coach geholt.

„Wir sind keine gelernten Bauern“, sagt Gerhard Zoubek. Und nein, er heißt mit dem Nachnamen nicht Adamah, wie man annehmen würden. Der  Bio-Hof ist in ganz Wien bekannt durch die Adamah-Gemüse-Kistln. Der 63-Jährige  Zoubek hat den Betrieb mit seiner Frau Sigrid in den 1990er-Jahre aufgebaut.Damit waren sie im wahrsten Sinn des Wortes „Bioniere“. Begonnen haben sie mit Bio-Gemüse auf 70 Hektar. Heute sind es 140 Hektar.

Anfangs verkauften die Zoubeks ihre Bio-Ware auf Märkten, erst später über das Abo-Kisten-System.. Per Lieferwagen wird die Ware in Kisten, deren Größe und Inhalt der Kunde wählen kann, direkt ins Haus gebracht. „Das hat sich wie ein Schneeballsystem entwickelt, ein zufriedener Kunde hat es dem anderen gesagt“, erzählt Zoubek. Die Adamah-Ware unterscheidet sich im Vergleich zum Bio-Sortiment der Supermärkte in mehreren Punkten. „Wir wollen die Konsumenten aufklären, dass Bio nicht Optik bedeutet“, sagt Zoubek und spricht damit die meist makellosen Äpfel, Birnen und andere Früchte in Supermärkten an.

„Wir sind ein Familienbetrieb, der ist erlebbar, den kann man besuchen. Wir machen das alles mit viel Liebe.“ Sie arbeitet wie ihre Brüder Stefan, Christian und Simon im elterlichen Betrieb mit. Nachfolgesorgen muss sich Gerhard Zoubek keine machen – zumal er darüber hinaus acht Enkel hat. Die Übergabe des Familienunternehmens beschäftigt ihn trotzdem, denn die Fragen „Wie?“ und „An wen?“ sind noch nicht geklärt. „Wir bereiten das seit zwei Jahren mit einem externen Coach vor“, sagt Zoubek. Eine Sicht von außen sei notwendig, denn er wolle keines der Kinder bevorzugen. Er traue seinen Kindern die Aufgabe zu, doch müsse so ein Prozess begleitet werden. „Es braucht viel Zeit, das ist eine wichtige Komponente“, sagt Zoubek. Inzwischen könnten vier Familien von dem landwirtschaftlichen Betrieb leben mit 140 Hektar, 130 Mitarbeitern, dem Abo-System und einem Umsatz von zehn Millionen Euro.

 

„Ein Familienbetrieb bringt nicht nur Vorteile, sondern auch viele Herausforderungen mit sich“, sagt Elisabeth. Die einzelnen Bereiche, wie Landwirtschaft, Einkauf, Logistik, Kundendienst und Bio-Laden, sind eng verflochten. Um Kompetenzen und Verantwortung richtig aufzuteilen, wurden Teams erstellt. Wenn die Übergabe abgeschlossen ist – was demnächst der Fall sein soll –, will sich Gerhard Zoubek aus dem Geschäft zurückziehen, aber weiter durch die Lande ziehen und seine Sicht für enkeltaugliche Landwirtschaft verbreiten.

Die Übergabe eines Familienbetriebs ist oft mit Emotionen und Ängste verbunden. Zunächst muss sich der Eigentümer bewusst werden, dass der Zeitpunkt zur Übergabe gekommen ist und einen Nachfolger bestimmen. Dieser muss nicht aus der Familie stammen. Wird das Unternehmen an mehrere Familienmitglieder übergeben, müssen die Aufgaben und Verantwortungsbereiche klar aufgeteilt werden. Ein klarer Zeitrahmen für das Vorhaben ist ebenfalls erforderlich. Oft fällt es dem Senior schwer, loszulassen. Ein Übergabeakt oder ein Ritual kann dabei helfen.