Georg Knill, Unternehmer und Chef der steirischen IV

© Kurier/Jeff Mangione

Wirtschaft
06/10/2020

Kapsch-Nachfolge: Kandidat sieht keine Gräben in der Industrie

Trotz Kampfabstimmung um den Präsidentenjob, sieht der Unternehmer Georg Knill die Industriellenvereinigung (IV) geeint.

von Wolfgang Unterhuber

Bei der Industriellenvereinigung (IV) wird am 18. Juni ein neuer Präsident gewählt. Erstmals seit 25 Jahren gibt es wieder eine Kampfabstimmung. Gleich drei Kandidaten stellen sich der Wahl. Georg Knill (Unternehmer und Chef der steirischen IV), Martin Ohneberg (Unternehmer und Chef der IV Vorarlberg) und Ex-voestalpine-Chef Wolfgang Eder. Der KURIER hat die Kandidaten über ihre Motive und Ziele befragt. Den Auftakt machen wir mit Georg Knill.  

KURIER: Wie ist die Stimmung unter den Wahlberechtigten? Werden Sie neuer IV-Präsident?

Georg Knill: Das kann ich Ihnen am 18. Juni sagen (lacht).

Normalerweise einigt man sich lange vor der Wahl auf den neuen IV-Präsidenten. Diesmal nicht. Was ist schiefgelaufen?

Überhaupt nichts. Das ist die demokratischste Wahl, die die IV je erlebt hat. Und das ist gut so

Keine Machtkämpfe im Hintergrund?

Eine sogenannte Findungskommission hat den Nachfolgeprozess gemanagt. Und weil sich drei Kandidaten bewerben, wird da jetzt alles Mögliche unterstellt. Hätte man sich vorher nur auf einen Kandidaten geeinigt, hätte man der IV Mauschelei und Intransparenz unterstellt. Jetzt, wo es mehrere Kandidaten gibt, spricht man von Machtkampf. Das ist für mich nicht nachvollziehbar

Noch-Präsident Georg Kapsch hat Sie mehrmals als seinen Wunschnachfolger empfohlen. Vor- oder Nachteil?

Ich sehe das neutral.

Wenn Sie neuer Präsident werden: wie wollen Sie die Gräben zuschütten?

Es wurden jetzt keine gegraben. Egal wie die Wahl ausgeht: Die IV war und ist eine geschlossene Einheit

Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihren Gegenkandidaten?

Ausgezeichnet. Wir kennen uns ja seit Jahren.

Es heißt, Ihr Bekanntsheitsgrad auf Bundesebene sei entwicklungsfähig.

Bei sogenannten High Society-Events werden Sie mich nicht finden, stimmt. Dafür kenne ich auf Bundesebene aber die richtigen Personen.

Was könnten sich die IV-Mitglieder von einem Präsidenten Knill erwarten?

Eine ganz starke Einbindung. Wir brauchen jetzt jede gute Idee und alles Knowhow in unserer Organisation. Wir müssen eine gewaltige Krise bewältigen. Österreichs Industrie beschäftigt 560.000 Menschen und ist verantwortlich für 25 Prozent Wertschöpfung im Land. Wir tragen also eine große Verantwortung für die Menschen im Land.

Wie kommen wir aus der Krise raus?

Durch Wachstum. Dazu brauchen wir Investitionsanreize. Etwa durch Investitionsfreibeträge für Investments in Umwelt und Digitalisierung. Wir könnten strukturell die Klimakrise gleich mitdenken und Österreich zu einem Green-Tech-Standort entwickeln. Wichtig wären auch Impulse für die regionale Ebene etwa für die Kommunen. Gerade im regionalen Bereich erzeugen Investitionen oft schnell eine Wirkung. Was es nicht geben darf, sind neue Belastungen. Sowohl für die Bürger als auch die Unternehmen.

Also keine Vermögens- oder neue Erbschaftssteuer?

Nein. Und wissen Sie: Wenn man über solche Steuern wirklich namhafte Einnahmen erzielen will, muss man sehr tief in den Mittelstand damit gehen. Das sollte uns allen bewusst sein.

Also mehr Schulden machen?

Wenn damit Wachstum stimuliert wird und unsere Ökonomie mittelfristig stärker wächst als die Schulden.

Das Arbeitslosenheer wird trotzdem nicht sofort verschwinden?

Das ist ein großes Problem. Nahezu die Hälfte des Arbeitskräfte-Potenzials in Österreich ist derzeit arbeitslos oder in Kurzarbeit. In der Industrie wird der Aufschwung jedenfalls noch dauern. Hier wurden bisher bestehende Aufträge abgearbeitet. Das heißt: es wird jetzt vermutlich bis in nächste Jahr hinein zu erheblichen zeitverzögerten Auftragseinbrüchen kommen. Wir werden in der Industrie daher in der jetzigen oder ähnlichen Form eine Fortsetzung des Kurzarbeitsmodells benötigen.

War der Shutdown notwendig?

Ja. Jetzt wissen es natürlich viele Leute besser. Aber blicken Sie nur nach Schweden: Die dortige Strategie der Regierung ist auch nicht aufgegangen.

Setzt unsere Regierung jetzt die richtigen Maßnahmen?

Das Problem ist, dass die Wirtschaft ein hochkomplexes Netzwerk ist. Pauschalmaßnahmen helfen da oft nicht, weil unterschiedliche Branchen entsprechend unterschiedliche Lösungen brauchen

Wäre eine Mehrwertsteuersenkung wie in Deutschland sinnvoll?

Ich habe da meine Zweifel.

Wie ist ihre Position zu gemeinsamen EU-Schulden für Italien oder Spanien?

Das ist nicht nachhaltig. Hilfsprogramme wie auch die derzeitigen Milliardenpakete müssen immer an Reformbedingungen geknüpft werden. So hat auch Griechenland seine Hausaufgaben erledigt. In Italien besteht vom Gesundheitswesen bis zur Verwaltung massiver Reformbedarf.

Viele Politiker im In- und EU-Ausland plädieren derzeit für eine Rückholung von abgewanderter Industrie. Was sagen Sie dazu?

Dazu braucht es auf EU-Ebene zunächst einmal eine Strategie. China hat eine Strategie. Europa nicht. Die Frage ist: Welche Industrie wollen wir in Europa absichern und welche wollen wir eventuell neu entwickeln. Am Ende haben wir in Europa aber noch immer eine soziale Marktwirtschaft. Und in einer Marktwirtschaft entscheidet der Konsument, welche Produkte er von wo zu welchem Preis einkauft.  

Der Staat kann aber regulierend eingreifen.

Das ist eine sensible Sache. Hochtechnologie zu schützen, ist absolut notwendig. Bei Handelsbarrieren wird es schon schwieriger.

Ihr Unternehmen ist ja weltweit tätig. Wie geht’s so?

Im Energiebereich hatten wir kurzfristige Umsatzeinbrüche von zehn bis 15 Prozent. Jetzt fahren wir da wieder im Normalbetrieb. Im Maschinenbaubereich haben wir seit Wochen keine neuen Aufträge. Hier mussten wir auch in Österreich für 45 Prozent unserer Beschäftigten Kurzarbeit anmelden. Gekündigt wurde niemand.

Ist jemand von Ihren weltweit 2.200 Mitarbeitern erkrankt?

Bisher niemand.

Kann man in so einer Krise Unternehmer und IV-Präsident gleichzeitig sein?

Ich unterschätze den Aufwand nicht. Als Unternehmer bin ich aber im Aufsichtsrat und nicht im operativen Tagegeschäft tätig. Dafür haben mein Bruder und ich hervorragende Mitarbeiter und Manager. Sonst wäre sich ja meine Tätigkeit als steirischer Industriellenpräsident schon nicht ausgegangen.

Die Knill-Gruppe

Der Präsident der steirischen Industriellenvereinigung lenkt seit 2002, in zwölfter Generation, gemeinsam mit seinem Bruder Christian eines der ältesten Familienunternehmen des Landes. Die Wurzeln der Knill-Gruppe reichen bis in das Jahr 1712 zurück. Produziert wurden damals Klingen und Säbel. Heute ist die Unternehmensgruppe mit „Knill Energy“ und „Knill Technology“ in zwei Kernbereiche gegliedert. Insgesamt zählen fast 30 Unternehmen in 17 Ländern der Welt zum Familienunternehmen. Mehr als 2200 Mitarbeiter sorgen für einen Gruppenumsatz von 336 Millionen Euro.

 

 

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