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Wirtschaft
04/18/2020

Starinvestor: "Zentralbanken und Regierungen sind verrückt geworden"

Der US-Starinvestor Jim Rogers erklärt, warum er Gold und noch mehr Silber kauft. Er erwartet einen Vertrauensverlust in Staaten und Währungen.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Corona-Pandemie hin oder her: Rohstoffguru Jim Rogers hält an seinen Überzeugungen fest. Das Problem: Der 77-jährige US-Starinvestor mit Wohnsitz in Singapur predigt seit Jahren einen Rohstoffboom, der sich nicht und nicht einstellen will.

Sympathisch daran ist, dass Rogers gar nicht erst versucht, das zu verschleiern. Er sei der schlechteste Investor überhaupt, wenn es darum gehe, den richtigen Einstiegszeitpunkt zu finden, betonte er kürzlich bei einem Investorencall wieder.

Und: „Agrarrohstoffe waren in den vergangenen 20, 30 Jahren ein Desaster.“ Keine andere Assetklasse habe eine ähnlich katastrophale Preisentwicklung durchgemacht. Über einen Zeitraum von 18 Jahren seien 22 Prozent Minus aufgelaufen.

Jetzt sieht Rogers abermals die Zeit reif, auch wegen Corona. „Wir hatten schon davor zu wenige Bauern. Der durchschnittliche Farmer in den USA ist 58 Jahre alt, in Japan sogar 66.“ Jetzt werde das kurzfristig durch den Mangel an Erntehelfern verstärkt. Die Konsequenz sollten steigende Lebensmittelpreise sein.

Trump auf Wiederwahl aus

Mehr als das Virus selbst gibt der Investorenlegende die Reaktion zu denken. Die Devise – „koste es, was es wolle“ – ist dem einstigen Weltenbummler fremd. „Die Zentralbanken und Regierungen sind rund um den Globus verrückt geworden.“

Vertrauensverlust

Die USA seien die größte Schuldnernation, jetzt kämen noch weitere Aber-Billionen Dollar dazu. „So etwas wäre noch vor 20 Jahren völlig unvorstellbar gewesen.“

Rogers glaubt, dass das zumindest bis November – also zu den US-Präsidentschaftswahlen – so weitergehen wird, damit sich die Börsenkurse erfangen. „Sie versuchen, wiedergewählt zu werden, indem sie Geld drucken und ausgeben. Aber das muss Konsequenzen haben.“ Seiner Ansicht nach könnte es zu einem Vertrauensverlust in Regierungen und Währungen führen.

Entdecker der Wiener Börse

James Beeland Rogers (77) verhalf der Börse Wien 1985 mit einem Interview zu einem mehrjährigen Höhenflug. Davor hatte der Rohstoffguru 1970 mit George Soros den berühmten Quantum-Fonds gegründet. Für Schlagzeilen sorgten auch Rogers Weltreisen per Motorrad

Faible für China

Heute lebt er mit seiner dritten Ehefrau Paige in Singapur. Seine beste Investition? Dass seine Töchter Bee und Happy Chinesisch gelernt hätten. Der Call war organisiert von NTree für China Post Global, das 2016 die ETF-Indexfonds samt Rogers’ Indizes (RICI) erwarb

Dollar-Blase könnte drohen

So widersinnig das angesichts dieser ausufernden Schulden klingt: Er besitze eine ganze Menge US-Dollar – schlicht aus Mangel an Alternativen. In Japan seien die Schulden noch höher, dort kauft die Nationalbank jetzt sogar Aktien auf. Europa falle auseinander, das britische Pfund sei nicht sonderlich attraktiv. „Deshalb werden die Menschen weiter Dollar kaufen.“ Er erwarte also eine Aufwertung der Weltleitwährung. „Das könnte sogar zu einer Dollar-Blase führen. Ich weiß, das klingt absurd.“

Gewandelt hat sich zuletzt auch Rogers’ Haltung zu Gold. Er habe zwar über die Jahre immer Gold besessen und gehalten, von 2010 bis 2019 aber nichts dazugekauft. Der Preis schien ihm schlicht zu hoch.

„Letztes Jahr habe ich begonnen, wieder Gold zu kaufen“, sagt Rogers nun. „Aber noch mehr Silber, das historisch betrachtet weit billiger ist.“ Gold sei nahe dem Allzeithoch, Silber liege um 80 Prozent darunter.

Henry Ford und das E-Auto

Und was ist mit dem Ölpreis, der von Höchstständen bei 150 Dollar zuletzt unter 30 Dollar gefallen ist? Rogers: „Die Saudis und Russen haben beschlossen, die US-Fracking-Industrie aus dem Geschäft zu drängen. Dabei haben sie ganze Arbeit geleistet. Und sich selbst fast damit ruiniert.“ Obwohl die Nachfrage wegen der Pandemie gerade kollabiert, hält Rogers auf lange Sicht an seiner Erwartung steigender Ölpreise fest.

Die weltweit bekannten verfügbaren Ölreserven würden weniger, die Flugindustrie werde zurückkehren und der Wandel zur E-Mobilität vollziehe sich aus Kostengründen langsamer als gedacht. „Und das, obwohl schon Henry Fords Frau Clara ein Elektromobil besaß. Sie hat Petroleum gehasst. Aber solche Dinge brauchen viel, viel Zeit.“

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