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Wirtschaft
01/02/2019

Starinvestor: "Die Russen sagen: Danke, Mr. Trump"

Starinvestor Jim Rogers: Die russische Landwirtschaft profitiert von Sanktionen. Agrarrohstoffe haben großes Potenzial.

von Hermann Sileitsch-Parzer

Mit den Sanktionen gegen Russland schieße sich der Westen, allen voran die USA, selbst ins Knie: „Trump macht Russlands Landwirtschaft wieder groß“, ätzte der amerikanische Starinvestor Jim Rogers Mitte Dezember in einer Telefonkonferenz mit Investoren. Von russischen Düngerfirmen bis zu den Bauern müssten eigentlich alle Stoßgebete aussprechen: „Danke, Mr. Trump!“

Weil die USA und die EU keine Agrargüter mehr dorthin exportieren dürfen, seien die Russen nämlich gezwungen gewesen, ihre eigene Produktion hochzufahren und effizienter zu werden. Und sie würden nicht plötzlich aufhören, Ernten einzufahren, wenn Importe wieder erlaubt würden. Obendrein hätte der Boykott Russen und Chinesen aneinandergekettet: „Sie werden dicke Freunde. Und jetzt treibt man ihnen auch noch die Iraner in die Arme.“

Bullenmarkt überfällig

Dabei ist Rohstoff-Guru Rogers überzeugt, dass momentan die besten Ertragschancen im Agrarbereich zu finden sind. Und das, obwohl er zugleich betont: „Die Landwirtschaft war bisher eine Katastrophe.“ In Großbritannien gebe es laut BBC die höchste Selbstmordrate unter den Bauern. Keine andere Anlageklasse habe in den vergangenen 20 Jahren schlechter abgeschnitten.

Das soll sich jetzt wandeln: „Ich bin heute extrem optimistisch, ein Bullenmarkt ist überfällig.“ Was Rogers freilich schon seit mehreren Jahren ankündigt – wie er selbst zugibt: „Was den richtigen Zeitpunkt für Investitionen betrifft, werden Sie keinen Schlechteren als mich finden.“

Sein Anlagehorizont ist auf lange Zeiträume ausgelegt. Rogers erwartet, dass die Regierungen „immer verzweifelter werden und noch mehr Geld drucken“, um ihre Schulden in Zeiten steigender Zinsen finanzieren zu können. Dieses Geld werde in harte Vermögenswerte gesteckt werden, ob Weizen, Gold oder Kupfer.

Bei den Aktien sieht er die Spielräume ausgereizt: Viele US-Titel waren auf Rekordhochs geklettert – da kaufe er üblicherweise keine Wertpapiere. Er halte derzeit lediglich „ein paar Aktien in Asien, ein paar in Russland. Alles in Märkten, die derzeit am Boden liegen“.

Viele Aktienhändler würden sich hingegen bald auf Traktorsitzen wiederfinden, glaubt Rogers, der seit vielen Jahren in Singapur lebt. In China sei bereits ein Sinneswandel erkennbar: Jahrzehntelang stand die Urbanisierung im Fokus, jetzt unterstütze Peking jeden, der Farmer werden wolle. Ein Umdenken werde es auch im Westen geben müssen. Denn in den USA, Japan, Kanada und Australien liege das Durchschnittsalter der Farmer momentan zwischen 58 und 66 Jahren.

An einen Rohstoffboom glaubt Rogers aus mehreren Gründen: die hohe Verschuldung der Staaten, steigende Zinsen, global schwächere Konjunkturperspektiven. Und obendrein schlage das Pendel nun von Finanz- und Papierwerten wieder zugunsten echter Werte um, ist er überzeugt. Mit Rohstoffen lasse sich überdies auch dann noch Geld verdienen, wenn die Nachfrage sinke – wenn nämlich gleichzeitig das Angebot nicht Schritt hält.

Gold unter 1000 Dollar

Solche Preisrallys habe es zuletzt unter anderem bei Palladium gegeben, weil zu wenig Geld in die Förderung investiert worden war. Gold wolle er in großen Mengen kaufen – aber erst, wenn der Preis unter 1000 Dollar pro Unze fällt (aktuell: 1280 Dollar). Nach dem Rekordhoch von September 2011 hätten die Goldpreise eine siebenjährige Korrektur durchlaufen. Und wenn der Preis nicht mehr so tief fällt? Dann werde er seine Bestände behalten; möglichst solange, dass er sie seinen Kindern vermachen könne. „Es sei denn, Gold wird zu einer Blase, so dass ich verkaufen muss.“

Für den Ölmarkt erwartet er nach längerer Seitwärtsphase einen starken Anstieg. Ohne den Fracking-Boom in den USA hätte es viel früher Probleme in der Versorgung gegeben. „Fracking war eine Zeit lang eine Blase. Man musste es nur richtig buchstabieren, schon hat jemand einen Scheck ausgestellt.“ Richtig Geld damit zu verdienen sei schon schwieriger. Die US-Produktion bleibe dennoch der größte Unsicherheitsfaktor. Das Ölkartell OPEC werde sich nach Katars Ausstieg auflösen, glaubt Rogers: „Es war seit der Gründung vor 58 Jahren ohnehin nicht sehr erfolgreich.“

Chinas Schwächephase

Skeptisch ist der Asienkenner für China. Die Geschwindigkeit, in der sich das Reich der Mitte verwandelt hatte, sei zwar faszinierend: „In jedem Monat erlebt man ein anderes Land.“ Als er vor 30 Jahren China mit dem Motorrad durchquert habe, hätten die meisten Menschen Hunger gelitten. „Jetzt haben Hunderte Millionen Telefone, Fernseher und Computer.“

Aber so eine rasante Entwicklung verlaufe nicht ohne Brüche. Wegen der hohen Verschuldung und steigenden Zinsen erwartet er einige Jahre mit schwächerem Wachstum. Das könnte viele auf dem falschen Fuß erwischen: „Einfach, weil es so lange nicht geschehen ist. Chinas Wirtschaft hat 30 Jahre keine Schwächephase durchlaufen. Ich glaube, die letzte war in den 1990ern.“

Zur Person:

Jim Rogers, der Entdecker der Wiener Börse

Im Februar 1985 wurde die Wiener Börse „wachgeküsst“: Der Prinz (mit Hosenträgern und Fliege) war James B. Rogers, der in der Zeitschrift „Barron’s“ Wien als Geheimtipp empfahl. Und so zu einem Höhenflug bis 1991 verhalf. Da hatte Rogers, geboren 1942 in Baltimore, längst Kultstatus.  Er hatte 1970 George Soros’ Quantum-Fonds  mitbegründet und zu gut 4000 Prozent Kurszuwachs getrieben, bevor er 1980  ausstieg. Und mit Weltreisen Aufsehen erregte: 1990 legte er mit dem Motorrad 65.065 Meilen zurück, erntete einen Eintrag ins Buch der Rekorde und landete mit „Investment  Biker“ einen Buchbestseller. 1999 startete Rogers eine 22-monatige „Millennium-Tour“ im Geländewagen.  Rogers lebt mit seiner dritten Frau Paige Parker und zwei Kindern in Singapur. Der Investorencall war organisiert von NTree für China Post Global, das 2016 die ETFs (Indexfonds) der Royal Bank of Scotland samt Rogers’ Rohstoffindizes gekauft hatte.

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