Wirtschaft
22.07.2018

Jetzt kritisieren auch US-Firmen Trumps Zölle

Handelspolitik: Vor dem Juncker-Besuch in Washington wird auch in den Staaten der Widerstand der Wirtschaft größer.

US-Finanzminister Steven Mnuchin ließ beim G20-Treffen in Buenos Aires mit einem überraschenden Angebot aufhorchen: Die USA wären bereit, ein Freihandelsabkommen mit der EU oder sogar mit allen anderen großen Industriemächten (G7) auszuhandeln. Allerdings müssten nicht nur die Zölle, sondern auch andere Handelshemmnisse und Subventionen wegfallen.

Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire konterte prompt: Zuerst müssten die USA ihre Stahl- und Aluzölle für die EU zurücknehmen und die Drohungen mit Autozöllen einstellen: „Wir weigern uns, mit der Pistole an der Brust zu verhandeln.“

Österreicher nachgiebig

Am Sonntag scherte jedoch Österreichs Finanzstaatssekretär Hubert Fuchs (FPÖ), der den EU-Ratsvorsitz präsentiert, von dieser Linie aus. Für ihn ist der Verzicht der USA auf die Strafzölle „keine Vorbedingung, weil Vorbedingungen nie gut sind. Aber es wäre ein großer Wunsch“, sagte er laut Reuters. So oder so: Am 25. Juli sind EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker und Handelskommissarin Cecilia Malmström im Weißen Haus, um mit Trump zu verhandeln.

 

Schon vor Wochen hatten EU-Emissäre vorgeschlagen, man könnte den Handelspakt TTIP – notfalls abgespeckt – neu verhandeln und der Welthandelsorganisation WTO gemeinsam mehr Schlagkraft verleihen. In Washington machte das wenig Eindruck. Im Gegenteil: US-Präsident Trump hat die EU seither als „Feind“ gebrandmarkt und auf Autozöllen beharrt.

Bei Stammwählern mag die Härte gut ankommen, doch in der Wirtschaft regt sich Widerstand. Bisher hatten die Firmen wenig Grund zur Klage. Die Geschäfte laufen gut, Trumps Steuerreform ist wie ein warmer Geldregen. Doch der Handelsstreit strapaziert die Nerven. Eine Eskalation haben die Börsianer nicht eingepreist.

Und erste Schäden werden bemerkbar. Die Warnung von Motorradhersteller Harley-Davidson, mit Teilen der Produktion abzuwandern, war nur der Anfang. Der US-Rohstoffkonzern Alcoa rechnete vor, dass ihn die Strafzölle auf Alu-Einfuhren aus Kanada pro Monat 14 Millionen Dollar kosten. Online-Händler Amazon sorgt sich ums Weihnachtsgeschäft, falls Trump 10 Prozent Zoll auf chinesische Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar aufschlägt.

Auch Hollywood ist betroffen: Die US-Filmindustrie wollte 2018 ein Abkommen mit China neu aushandeln, das mehr Filmstarts erlaubt und die Einnahmen günstiger aufteilt. Aktuell völlig aussichtslos, lautet der Tenor.

Die Autoindustrie lehnt höhere Einfuhrzölle generell ab. Die US-Tochter des japanischen Marktführers Toyota schickte ihre Arbeiter sogar zum Demonstrieren in die Hauptstadt.

Die Handelskammer der Stadt Chattanooga erhob bei einer öffentlichen Anhörung ihre Stimme für die Europäer und Japaner: Man habe die Ansiedelung von VW und Nissan in Tennessee sehr gefördert. Diese Fabriken seien aber auf Importe angewiesen, somit würden Zölle ihrer Wettbewerbsfähigkeit schaden und Jobs kosten, auch bei Zulieferern aus der Region.

Europas Autobauer stellten im Vorjahr 2,9 Millionen Autos auf US-Boden her. 60 Prozent gingen in den Export und verbesserten die US-Handelsbilanz, sagte EU-Botschafter David O’Sullivan.

Chinas Handelskammer betonte, dass 56 Prozent der US-Importe aus dem Reich der Mitte just vom Joint Venture mit dem US-Konzern General Motors stammen.

Neue Front Währungen

Zu allem Überdruss droht ein Währungskrieg. Im Oktober ist der nächste US-Bericht zu den Wechselkursen fällig. Trump hatte im Wahlkampf gedroht, China sofort als Währungsmanipulator abzustrafen, bisher aber darauf verzichtet. Mnuchin erklärte nun bei den G20, China verschaffe sich durch seine Währung „unfaire Vorteile“.