Jeder 3. österreichische Top-Betrieb ist in privater Hand
Symbolbild
Einzelpersonen, Familien und Privatstiftungen halten 39 Prozent der Anteile an den 500 größten Unternehmen Österreichs. Das geht aus einer Analyse des Beratungsunternehmens EY hervor. Jedes dritte Top-Unternehmen befindet sich sogar vollständig in privater Hand. Frauen sind als Eigentümerinnen allerdings stark unterrepräsentiert – sie halten nur einen Bruchteil der Anteile.
„Österreich ist insbesondere im Mittelstand traditionell stark von familiengeführten Unternehmen geprägt – aber auch in den Eigentümerstrukturen der Großunternehmen des Landes zeigt sich ein nicht unbeträchtlicher Anteil an Privateigner“, sagt Gunther Reimoser von EY Österreich. „Private Eigentümer spielen eine zentrale Rolle für Stabilität, langfristige Entscheidungen und unternehmerische Kontinuität. Gerade in wirtschaftlich unsicheren Zeiten erweist sich diese langfristige Perspektive oft als wichtiger Stabilitätsfaktor für Unternehmen und Standort.“
Die Familienbetriebe
Das größte Familienunternehmen mit 22,28 Milliarden Euro Umsatz und rund 93.500 Beschäftigten ist die Handelsgruppe Spar. Mehrheitseigentümer sind Gesellschaften der Gründerfamilien Drexel, Poppmeier und Reisch.
Zu den weiteren Playern unter den Familienunternehmen zählen Red Bull (49 Prozent Mark Mateschitz), der Möbelriese XXXLutz (Familie Seifert), der Verpackungshersteller Alpla (Familie Lehner), der Tiroler Holzplattenproduzent Egger (Familie Egger) und der Glücksspielkonzern Novomatic der Familie Graf.
„In Familienunternehmen sind die Entscheidungswege kürzer und die Entscheidungen werden mit einem längeren Horizont getroffen“, sagt Reimoser zum KURIER.
Deutliche Unterschiede
Die Eigentümerstrukturen variieren aber deutlich nach Unternehmensgröße: Bei Firmen mit 501 bis 3.500 Mitarbeitenden liegt der Anteil privater Eigentümer bei 45 Prozent, bei den größten Unternehmen ab 3.500 Beschäftigten bei 42 Prozent. Kleinere Unternehmen mit bis zu 500 Beschäftigten sind dagegen seltener in Privatbesitz – hier beträgt der Anteil nur 22 Prozent. Dafür dominieren dort als Eigentümer Unternehmen und Beteiligungsgesellschaften mit einem Anteil von 69 Prozent.
Zwischen den Branchen zeigen sich erhebliche Unterschiede. Besonders hoch ist der Anteil privater Eigentümer in der Industrie mit 45 Prozent. Im Handel liegt er bei 33 Prozent, im Dienstleistungssektor bei 30 Prozent.
Dort ist dafür der staatliche Anteil mit 24 Prozent vergleichsweise hoch – in Industrie und Handel sind es jeweils nur drei Prozent.
Geringer Frauenanteil
Noch deutlicher werden die Unterschiede bei einzelnen Branchen: In der Holzbranche halten Private 69 Prozent der Anteile, im Baugewerbe und in der Bauindustrie 62 Prozent. Kapitalintensive Branchen wie Energie, IT oder Automobilindustrie weisen dagegen nur einen Privatanteil von jeweils 17 Prozent auf. Apropos Autos: Das größte Unternehmen Österreichs mit 40,7 Milliarden Euro Umsatz ist der internationale Autohändler Porsche Holding mit Sitz in Salzburg. Er gehört der Volkswagen AG.
Indes sind Frauen bei Unternehmenseigentum stark unterrepräsentiert. Sie halten nur 3,3 Prozent der Anteile an einem Top-500-Unternehmen, Männer dagegen 14,8 Prozent. Nur an 56 der 500 größten Unternehmen ist mindestens eine Frau als Eigentümerin beteiligt. Das ist ein Anteil von 11,2 Prozent. Bei 127 der 500 Top-Unternehmen ist zumindest ein Mann beteiligt, das ist ein von Anteil 25,4 Prozent. Fakt ist auch: Der Frauenanteil in den Geschäftsführungen und Vorständen der Top-500-Unternehmen liegt derzeit bei fast zwölf Prozent.
Kommentare