IV: Russland-Sanktionen werden Handel und Investitionen einschränken

IV: Russland-Sanktionen werden Handel und Investitionen einschränken
Löwy: Vor allem über indirekte Effekte wird die Nachfrage zurückgehen - Industrie-Experte: Austro-Firmen sollten ihre Lieferketten überprüfen und Zahlungsströme auch ohne SWIFT möglich.

Die Sanktionen des Westens gegen Russland aufgrund der Invasion des Landes in der Ukraine werden den Handel mit Russland und die Investitionen dort einschränken - und das werden, vor allem indirekt, auch österreichische Firmen zu spüren bekommen. Das sagte Michael Löwy, in der Industriellenvereinigung (IV) Bereichsleiter für Internationale Beziehungen, im APA-Gespräch.

Lieferketten und Zahlungsströme prüfen

Den Firmen rät er, ihre Lieferketten und Zahlungsströme zu überprüfen. Dass der Handel mit Russland und der Ukraine wohl abnehmen wird, stehe fest, so Löwy. Betroffen von indirekten Folgen wie eine sinkende Nachfrage oder auf den Prüfstand gestellte Investitionen könnten vor allem die größten Exporteure im Außenhandel Österreichs mit Russland sein, nämlich die Bereiche Maschinenbau und Maschinenbau-Erzeugnisse, gefolgt von chemischen Industrieprodukten sowie dem Sektor bearbeitete Waren.

Gas-Embargo sollte verhindert werden

Als indirekte Folge der Sanktionen könnte es auch zu Unterbrechungen von Lieferketten kommen. Für eine unmittelbare Einschränkung von Gaslieferungen durch Russland spreche nicht viel, sagte Löwy: "Warum sollte ich mein bestes Produkt freiwillig nicht mehr liefern?" Die Nachteile davon würde Russland sofort in seinem Budget spüren. Österreich ist zu rund 80 Prozent von russischem Erdgas abhängig, erinnerte der IV-Experte. Ein Gas-Embargo sollte daher verhindert werden.

Zahlungsströme im Geschäftsverkehr mit Russland seien weiterhin möglich, sofern sie nicht über eine Bank abgewickelt werden, die auf der Sanktionsliste stehen. Konten bei anderen Geldinstituten könnten, so Löwy, auch österreichischen Firmen die Gelegenheit bieten, aus dieser Zwickmühle herauszukommen.

Allerdings stehe auch im Raum, dass es hier zu Verschärfungen kommen könnte. Als Beispiel verwies der IV-Experte auf den Iran, dem nur eingeschränkte Transfers über bestimmte Konten für Öl, Gas und medizinische Produkte gestattet wurden. Ein Ausweg wären auch Barter-Geschäfte, die wieder aufleben könnten, auch wenn sie kompliziert seien.

An die Möglichkeit asymmetrischer Gegensanktionen Russlands in wirtschaftlicher Hinsicht bis hin zur Beschlagnahme ausländischer Assets will Löwy nicht denken: "Dann wäre eine völlig andere Dimension erreicht."

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