Zu geringer "Output" an Informatik-Absolventen

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IT-Arbeitsmarkt "komplett ausgetrocknet"

IT-Arbeitsmarkt "komplett ausgetrocknet"

Informatiker-Mangel: Betriebe reißen sich um Studierende. Jeder Zweite bricht Ausbildung vorzeitig ab.

von Anita Staudacher

01/29/2018, 06:00 PM

Der IT-Dienstleister S&T sucht allein für den Standort Linz 50 Software-Entwickler. Wählerisch darf Geschäftsführer Harald Egerth dabei nicht sein: "Der IT-Arbeitsmarkt ist komplett ausgetrocknet. Egal ob HTL, Fachhochschule oder Uni: Wir sind froh, wenn sich überhaupt jemand bewirbt." So wie S&T geht es der gesamten Branche. In ganz Österreich, schätzt der Fachverband Unternehmensberatung/Informationstechnologie (UBIT), können derzeit bis zu 10.000 IT-Fachkräfte-Jobs nicht besetzt werden.

In ihrer Not werben viele Betriebe daher noch gar nicht fertig ausgebildete Jugendliche von Höheren Schulen und Universitäten ab. "Das machen wir beinhart auch so", bestätigt Egerth, der sowohl Studienabbrecher als auch Teilzeitstudierende beschäftigt. Die Firmen locken die angehenden IT-Experten zum Teil mit sehr hohen Gehältern.

"Job-Out"-Quote steigt

An den technischen Universitäten und Fachhochschulen herrscht ob der Abwerbungen Alarmstimmung. Die ohnehin schon sehr hohe Drop-Out-Quote wird durch so genannten "Job-Outs" weiter in die Höhe getrieben.

Im Studienzweig Informatik bricht jeder zweite Studierende sein Bachelor- (53,6 Prozent) oder Master-Studium (53,3 Prozent) vorzeitig ab, an der TU Wien gibt es im Masterstudium sogar 61 Prozent Abbrecher. Zum Vergleich: Die Drop-Out-Quote aller Masterstudien in Österreich liegt bei 35 Prozent.

Wie viele "Job-Outs" es tatsächlich gibt, wurde bisher nicht erhoben. Laut Umfragen sind aber 70 Prozent der Informatik-Studenten bereits in Firmen engagiert. "Es gibt einen starken Sog aus der Wirtschaft", bestätigt Gerald Steinhardt, Ex-Dekan der Informatik an der TU Wien und Vorsitzender der "Informatik Austria". Der freie Hochschulzugang und das daraus resultierende, schlechte Betreuungsverhältnis sowie ungenügende Studienvorbereitung seien weitere Gründe für die hohe Zahl an Abbrüchen.

Um die Qualität der Ausbildung zu sichern, haben einige Unis Aufnahmeverfahren eingeführt, was die Zahl der Studienanfänger schrumpfen ließ (siehe Grafik unten). An der TU Wien gab es zuletzt nur noch 581 Studienplätze.

Absolventen-Flaute

Die Folge ist eine "ziemliche Flaute" bei den Absolventen, wie es Norbert Wohlgemuth vom Kärntner Institut für Höhere Studien (KIHS) ausführte. Nur 1254 Uni- und 1316 FH-Absolventen wurden im Studienjahr 2015/16 gezählt. Viel zu wenig, um den künftigen Bedarf an qualifizierten IT-Spezialisten decken zu können, sind sich die Branchenvertreter einig. Steinhardt und UBIT-Obmann Alfred Harl fordern daher einen eigenen Masterplan zur Hebung der Absolventenzahlen und eine Verdoppelung des Ausbildungsbudgets für Informatik um 100 bis 120 Mio. Euro in den nächsten vier Jahren. "Nur eine Verdoppelung des Budgets führt zu einer Verdoppelung des Outputs", so Steinhardt. Mit der Investition könne nicht nur die Informatik-Forschung gestärkt werden, "wir können auch die größten Talente für Österreich gewinnen, statt sie zu verlieren".

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