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Wirtschaft
06/27/2012

Island hat die Krise überstanden

2008 stand Island noch am Rande des finanziellen Abgrunds. Heuer wächst die Wirtschaft auf der Insel wohl 2,5 Prozent.

Islands Wirtschaft wird dieses und nächstes Jahr um etwa 2,5 Prozent wachsen, so die Prognose des Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF) aus dem April. 2008 stand das 320.000-Einwohner-Land noch am Rande des Staatsbankrotts. Vier Jahre nach dem Bankenkollaps hat sich Island überraschend schnell erholt.

"Island war das erste Land, das abgestürzt ist und es ist das erste, das wieder hochkommt", sagte Außenminister Össur Skarpheinsson vergangene Woche gegenüber der New York Times. "Wir sind ein Beispiel dafür, was möglich ist."

Island war 2008 das erste Land, das massiv von der Finanzkrise getroffen wurde. Im Gefolge der Lehmann-Pleite waren die drei Großbanken des Landes zusammengebrochen. Noch wenige Monate zuvor hatten die isländischen Banken im Ausland kräftig expandiert und sich dabei gehörig übernommen. Anfang 2008 war die Bilanzsumme der drei größten Geschäftsbanken zehnmal so groß wie das Bruttoinlandsprodukt Islands. Im Herbst desselben Jahres konnten die Finanzinstitute nur noch durch Notverstaatlichung vor dem endgültigen Kollaps gerettet werden.

"Es ist wichtig, schnell zu handeln"

Der Staatsbankrott wurde durch einen Milliardenkredit vom IWF und den skandinavischen Ländern verhindert. Die isländische Krone verlor in kurzer Zeit dramatisch an Wert. Für viele Isländer, die ihre Wohnungskredite in ausländischen Währungen aufgenommen hatten, vervielfachten sich dadurch zunächst ihre Schulden. Die Last wurde später durch einen Schuldenschnitt für private Haushalte erleichtert, indem ein Teil der Hypothekenkredite erlassen wurden.

Island hat sich von dem Crash schneller erholt als erwartet. "Es ist wichtig, schnell zu handeln", sagte der isländische Wirtschafts-und Handelsminister Steingrímur Sigfusson am Dienstag vor Abgeordneten des Europarates. Zu den Maßnahmen der Regierung hätten Haushaltskürzungen und die Einführung zahlreicher Steuern gehört. Dabei sei jedoch das Modell des nordischen Wohlfahrtsstaates nicht infrage gestellt worden, schilderte Sigfusson. Zur Erholung des Landes beigetragen hat jedoch eine Kontrolle des internationale Kapitalverkehrs und der Wertverlust der Krone, der zu einem deutlichen Rückgang der Importe führte, wodurch sich das außenwirtschaftliche Defizit rasch verringerte.

Das Land hat einen Teil seiner Schulden beim IWF und den nordischen Nachbarn vorzeitig zurückgezahlt. Und während die Europäische Zentralbank angesichts der trüben Wirtschaftsaussichten in der Eurozone den Leitzins unverändert lässt, hat Island diesen innerhalb eines Jahres bereits fünfmal angehoben. Getragen wird das Wachstum vom starken Export, dem zunehmenden Tourismus und dem inländischen Konsum. Die Arbeitslosigkeit liegt heute bei rund sechs Prozent.

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