Krieg verschiebt Reiseziele: Welche Länder boomen und welche nicht

Wegen des Kriegs am Golf reisen Österreicher heuer lieber in die Karibik als nach Asien. Für den Herbst bringt die aktuelle Krise Schnäppchen.
Luftaufnahme von Cancún mit Hotels, Strand und türkisfarbenem Meer.

Zusammenfassung

  • Wegen des Kriegs am Golf meiden Österreicher Asien und Emirate und buchen verstärkt Reisen in die Karibik und ans Mittelmeer.
  • Bulgarien und Griechenland boomen, während Kreta wegen eines US-Militärstützpunkts und Fernziele wie Thailand und Malediven an Beliebtheit verlieren.
  • Sinkende Nachfrage sorgt für günstige Flugpreise bei Golf-Airlines, dennoch bleiben viele Buchungen aus und die Zurückhaltung ist auch in Deutschland spürbar.

Das Fernweh der Österreicher scheint groß zu sein. 2025 war in allerhand Branchen von Konsumzurückhaltung die Rede – kaum jedoch bei den Reiseveranstaltern. Dertour (Billa Reisen) schrieb 2025 etwa das umsatzstärkste Jahr der Unternehmensgeschichte. Nun bremsen aktuellen Krisen die Reiselust. Und auch die Orte, wohin gereist wird, verändern sich. „Es gibt eine Verschiebung bei den Top-Destinationen“, sagt Martin Fast, Österreich-Chef des Reiseveranstalters Dertour.

So bleiben viele Urlauber heuer lieber in Europa, anstatt weit wegzufliegen. Besonders die Länder am Mittelmeer – etwa Italien, Spanien oder Portugal – sind beliebt. Auch Bulgarien liegt vermehrt im Trend. „Das Land wurde lange unterschätzt, punktet aber mit einem starken Preis-Leistungs-Verhältnis und einer guten Flugverbindung durch Austrian Airlines“, sagt Markus Fritz, Produkt-Manager bei Dertour Österreich. Vorbei seien die Zeiten, in der die geografische Nähe zur Ukraine Urlauber verunsicherte. Bereits 2025 habe es bei den Buchungen von Bulgarien-Reisen ein Plus von 80 Prozent zum Vorjahr gegeben.

Griechenland boomt, nur Kreta tut sich schwer

Griechenland war bereits im Vorjahr die Top-Destination der Österreicher und ist auch heuer beliebt. Eine Ausnahme stellt Kreta dar. Weil sich auf der Insel ein großer US-Militärstützpunkt befindet, sei die Destination seit Beginn des Krieges zwischen den USA und dem Iran „nur schwer zu vermitteln“, so Fast.

Im Fernreisebereich verschoben sich die Buchungen in den vergangenen Wochen stark von Ost nach West. Es boomt aktuell die Karibik, vor allem die Dominikanische Republik. Auch Mexiko punktet, vor allem mit seinen Strand-Ortschaften auf der Halbinsel Yucatán.

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind im vergangenen Jahr bei Dertour noch stark gewachsen, mit einem 30-prozentigen Plus bei den Buchungen. Mittlerweile sei die Nachfrage „gegen null gesunken“, sagt Fast.

Ein älterer Mann mit grauen Haaren steht mit verschränkten Armen in einem modernen, hellen Flur und lächelt freundlich.

Martin Fast, Geschäftsführer von Dertour Österreich

Die Region im Nahen Osten ist wegen der wichtigen Flughafen-Drehkreuze (vor allem Dubai und Doha) auch für anderen beliebte Fernreiseziele relevant. Bei Dertour flogen im vergangenen Jahr etwa 75 Prozent der Urlauber, die nach Asien oder auf eine der Inseln im Indischen Ozean reisten, über eines dieser Drehkreuze. Die Nachfrage nach Fernreisezielen wie Thailand, die Malediven oder Mauritius bleibe aktuell deutlich hinter den Vorjahren zurück. 

Flugpreise der Golf-Airlines sind aktuell besonders günstig

Aktuell darf Dertour als Pauschalreiseanbieter wegen der aufrechten Reisewarnungen keine Urlaubsgäste in die Emirate oder nach Doha transportieren. Das gilt auch dann, wenn dort nur der Zwischenstopp für die Weiterreise stattfindet. Buchungen für künftige Reisen seien aber möglich. 

Und dabei könnten sich Urlauber über wahre Schnäppchen freuen, sagt Fast. Denn durch eine gesunkene Nachfrage und das Fehlen der Pauschalreisenden hätten die Golf-Airlines aktuell „viele ungenutzte Kapazitäten“, weswegen die Preise für Flüge aktuell teils sehr günstig sind. Das schlage sich auch bei den Preisen der heimischen Reiseveranstalter nieder. „Es gibt für den Herbst Pauschalreisen auf die Malediven zu Preisen, die ich noch nie vorher gesehen habe“, sagt Fast.

Durch vergleichsweise günstige Angebote sollen Urlauber zum Buchen angeregt werden. Das tun viele aktuell nämlich nur sehr zögerlich. Und das nicht nur in Österreich: In Deutschland seien die Buchungen seit Ende Februar geradezu eingebrochen, wie das Handelsblatt schreibt. Die Zahl der gebuchten Urlaube sei demnach im Vorjahresvergleich um 15 Prozent gesunken, der Buchungsumsatz der Reisebüros ging im Nachbarland um 11,6 Prozent zurück.

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