Unkonventionelle Vorschläge des Montana-Chefs Tojner: Frühere Angestellte könnten im Alter Unternehmer werden. Pensionisten sollten von der Lohnsteuer befreit werden, um auch Niedriglohnjobs anzunehmen.

© KURIER/Deutsch Gerhard

Abbau von Staatsschulden
11/26/2013

Investor Tojner: 25 Prozent Abgabe auf Vermögen

Der "industrielle Entrepreneur" Michael Tojner schlägt Sondersteuer und spätere Pension vor.

von Martina Salomon

KURIER: Wie erklären Sie dem Mann auf der Straße ganz kurz, was Sie tun?

Michael Tojner: Ich bin ein industrieller Entrepreneur, der sich mittlerweile auf zwei Bereiche konzentriert: auf meine Industrieholding Montana und auf die Immobiliengruppe Wertinvest.

Investor klingt in Österreich wie „Hai“. Geld haben Sie mit Fonds gemacht.

Zuerst habe ich Wirtschaft und Jus studiert, aber schon mit 20, 21 begonnen – relativ unkoordiniert – Unternehmen zu gründen. Ein tragender Baustein über die ersten 13 Jahre war dabei übrigens das Eisgeschäft in Schönbrunn.

Das brachte Geld?

Genau. Dann gab es noch unter anderem eine Diskothek, einen Interieur-Shop „Loft“, den ich an Interio verkaufte, und den ersten Versandhandel Osteuropas. Mit 23 habe ich das erste Zinshaus gekauft. Danach habe ich mich für den Bereich Venture Capital entschieden (riskante Beteiligungen an Unternehmen, Anm). Dass es Apple gibt, ist solchen Finanzierungsmodellen zu verdanken.

Solche Geschäftsmodelle gelten manchmal als windig.

Das ist ein echter volkswirtschaftlicher Nachteil in Österreich. In den USA wirst du gefeiert, wenn du die richtige Nase hattest und bei Facebook dabei warst.

Sie wurden für hochspekulative Geschäfte kritisiert.

Man übersieht dabei, dass da zum Beispiel jemand ein modernisierungsbedürftiges Hotel – das Intercont – erworben hat, der jetzt auch noch gemeinsam mit der öffentlichen Hand versucht, den Eislaufverein zu verschönern. Aber alle fragen nur, ob der Herr Tojner da einen Turm bauen darf ...

... der vielleicht das Weltkulturerbe gefährdet.

Es geht nicht um die Höhe, sondern um die beste architektonische Lösung. Das sehen auch SPÖ, Grüne und ÖVP so. Wir haben 14.000 Quadratmeter – genauso viel wie in Wien-Mitte, woraus aber 14.000 Quadratmeter Beton wurden.

Was mittlerweile als architektonischer Fehler gilt. Beim Intercont bleibt viel Fläche, aber ein außergewöhnlicher Turm.

Unsere Aufgabe ist, von den 14.000 Quadratmetern maximal 40 Prozent zu verbauen. Es bleiben 6000 Quadratmeter Eislaufverein, darum herum eine öffentliche Freifläche. Höhenentwicklung ist die Empfehlung des kooperativen Expertenverfahrens der Stadterweiterungskommission. Wir wollen die UNESCO von dieser luftigen Lösung überzeugen.

Sie bewerben sich gerade um die zweite Casino-Lizenz in Wien.

Im Intercont soll ein Retro-Casino im Stil der Sechzigerjahre mit elegantem Dresscode entstehen.

Mit Starbet sind Sie im Glücksspielgeschäft schon einmal gescheitert.

Ja, auch in unserem Haus gab’s natürlich Fehlschläge.

Ist der Wirtschaftsstandort Österreich abgesandelt?

Wir müssen in Europa umdenken. Sie und ich werden vielleicht einmal nur die Mindestpenson bekommen und im Alter wieder Unternehmer werden. Senioren könnten im Tierpark arbeiten oder ein Service im Web gründen und leer stehende Wohnungen vermieten. Man sollte sämtliche Nebentätigkeiten von Pensionisten von der Lohnsteuer befreien. Dann gäbe es einen Anreiz, dass die Leute auch 600-Euro-Jobs annehmen. Ich bin übrigens auch ein Befürworter von Vermögenssteuern.

Wie sollen die ausschauen?

Zum Beispiel eine höhere Grundsteuer.

Würde das nicht die Mieten verteuern?

50 Prozent könnten die Hauseigentümer tragen, 50 Prozent gehen in die Betriebskosten. Ich schlage einen Schulterschluss in Form einer 5-5-5-Regel vor: fünf Jahre länger arbeiten; eine Vermögensabgabe – einmaliger Haircut von 25 Prozent auf das verfügbare Vermögen; und fünf Prozent weniger Staatsquote, also harte Verwaltungs-Einschnitte. Dann wären die Staatsschulden auf einen Schlag getilgt.

Die Banken müssten dann aber befürchten, dass Menschen die Banken stürmen und ihr Geld abheben.

Daher müsste man mehr Steuerwahrheit schaffen, eine falsche Steuererklärung sollte wie in den USA ein Strafdelikt sein. Meine Hypothese ist: Wenn man weiß, dass das System dann sicher ist, ist man bereit, 25 Prozent herzugeben. Schließlich ist ja sogar ein Staatsbankrott nicht ganz ausgeschlossen.

Davon sind wir weit entfernt.

Ja. Aber wer hätte im Jahr 2000 die Finanzkrise vorhergesehen?

Frankreich hat hohe Vermögenssteuern, aber das Experiment ist schiefgegangen.

Ich denke, dass der leistungsfähige Bürger schon bei einer fünfzigprozentigen Steuerquote wie bei uns demotiviert ist. 75 Prozent sind unfair. Es dürfen nicht die bestraft werden, die arbeiten. Besteuert gehören die Erben.

Was ist mit Betriebsvermögen?

Jemand, der Arbeitsplätze schafft und unternehmerisch tätig ist, ist anders zu beurteilen als jemand, der 100 Häuser erbt. Man muss das Geld mobilisieren, das auf den Sparbüchern liegt.

Das geschieht ja durch die De-facto-Enteignung der Sparer dank niedrigster Zinsen. Da investieren viele lieber – etwa in ihre Wohnung.

Das ist positiv. In Wien trägt der Wohnbau die Baukonjunktur.

Was halten Sie denn vom Börsestandort Wien?

Wenn Christoph Leitl mit irgendetwas recht hat, dann damit, dass der Börsestandort Wien abgesandelt ist. Investoren gehen lieber an Großbörsen. Wien hat außerdem ein Imageproblem. Wenn es drei, vier erfolgreiche Börsengänge gäbe, wäre das Klima sofort wieder anders. Der Staat müsste Anreize setzen zu investieren.

Was hält Sie in Wien?

Die gute Lebensqualität und auch die gut ausgebildeten Mitarbeiter. Außerdem bin ich überzeugter Österreicher und Europäer.

Ihr Büro befindet sich in der Nähe der Begegnungszone Mariahilfer Straße. Wie bewerten Sie das Projekt?

Sehr positiv. Das wird ein Erlebnisboulevard werden.

In den Medien waren Sie zuletzt mit einer eher skurrilen Geschichte: Ein Garagentor in einem Ihrer Häuser war ein Plagiat eines Werkes der Performancekünstler Eva & Adele. Die beiden haben geklagt.

Ich hatte die Idee, Garagentore mit nachgemalten künstlerischen Motiven gestalten zu lassen und betrachtete das eher als Werbung für die Künstler. Von Eva & Adele hatte ich bereits ein kleineres Bild gekauft und mich für ein größeres interessiert.

Es gab einen Vergleich, Sie mussten 25.000 Euro zahlen.

Wir haben uns entschieden, für diesen Betrag ein Bild von den beiden zu kaufen. Das Geld ist beim Anwalt hinterlegt, weil ich mich nicht gleich entscheiden konnte. Ich bin für Kunst im öffentlichen Raum. Eines davon ist hier auf unserem Haus die Dachskulptur von Richard Kodritsch. Es gab schon Feuerwehreinsätze, weil man die Figur des Bankers für einen Selbstmörder vor dem Sprung hielt.

Weitverzweigtes Imperium: Michael Tojner

Er ist Chef der in der Schweiz börsenotierten Industriegruppe Montana Tech Components. Diese hat 40 Standorte weltweit und 5000 Mitarbeiter (485 in Österreich). Dazu gehört die Batteriefirma Varta. Tojner besitzt weiters die Wertinvest-Gruppe, die Immobilien entwickelt und verwaltet. Er hat das Hotel Intercont in der Wiener City gekauft und will es zu einem Konferenzhotel samt Casino umbauen. Parallel dazu wird der dort ansässige Eislaufverein von ihm neu gestaltet. Rechnen soll sich das Ganze mithilfe eines Turms mit Eigentumswohnungen auf der jetzigen Eisfläche. Die Turmhöhe könnte aber das Weltkulturerbe der Innenstadt gefährden.

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