Haushaltsenergie verteuerte sich in Österreich zuletzt durchschnittlich um 5,7%.

Gasherd.

© APA - Austria Presse Agentur

Wirtschaft
09/22/2021

Großhandelspreise für Gas und Strom stark gestiegen

Wie sich die weltweit hohe Nachfrage von Energie auf die österreichischen Konsumenten auswirkt.

von Martin Meyrath

Die Großhandelspreise für Strom haben sich seit Jahresbeginn verdoppelt, Gas kostet sogar das dreifache. Mit dem Anspringen der Konjunktur ist die weltweite Nachfrage von Energieträgern wie Öl, Kohle und Gas bereits im Frühling stark gestiegen.

Damit einher ging ein Anstieg der Preise für CO2-Zertifikate. Derzeit kostet das Recht, eine Tonne CO2 auszustoßen, europäische Kraftwerke und Industriebetriebe 60 Euro, etwa doppelt so viel wie zu Jahresbeginn. Dazu kommen eine lange Heizsaison und ein europaweit schwaches Jahr in der Stromproduktion aus erneuerbaren Energien durch eine Windflaute und niedrige Pegelstände in den Flüssen. Dementsprechend mussten mehr Gas und Kohle zur Stromgewinnung eingesetzt werden.

Diese Entwicklungen haben die Pegelstände der europäischen Gasspeicher dezimiert. Aufgefüllt werden sie üblicherweise im Sommerhalbjahr, wenn weniger Energie nachgefragt wird. Zusätzliche Reservekapazitäten anzuhäufen war heuer aber teuer und entsprechend unattraktiv. Dazu trugen auch Wartungsarbeiten an zwei europäischen Pipelines bei. In Ländern mit Vorgaben zu Mindestspeicherständen ist die Nachfrage angesichts der beginnenden Heizsaison wieder gestiegen, so Johannes Mayer, Leiter der Abteilung Volkswirtschaft bei der Regulierungsbehörde E-Control zum KURIER.

 

Eine Gruppe von EU-Parlamentariern vermutet, dass Russland seine Gaslieferungen nach Europa nicht erhöht, um Druck auf die Inbetriebnahme der kürzlich fertiggestellten Pipeline Nord Stream 2 auszuüben (der KURIER berichtete). Ein anderer Grund ist, dass Gas in Asien derzeit noch bessere Preise erzielt, weswegen auch amerikanische Flüssiggastanker kaum nach Europa fahren.

Konsumenten

In Ländern, in denen die Verbraucherpreise stärker an die Großhandelspreise gekoppelt sind, ist die Politik bereits alarmiert. In Madrid, Rom, Athen und Bukarest wird über Hilfsprogramme gegen Energiearmut und Kostendeckel diskutiert.

Die gute Nachricht für die österreichischen Konsumenten ist, dass die hohen Großhandelspreise nicht unmittelbar durchschlagen. Zum einen besteht die Rechnung nicht nur aus Energiekosten, sondern auch aus Steuern, Abgaben und Netzgebühren (siehe Grafik).

Zweitens haben die meisten Konsumenten Lieferverträge mit Festpreisen, die nur nach Vorankündigung angehoben werden können, so Mayer. Da die Versorger ihren An- und Verkauf langfristig planen, wirken sich Schwankungen der Großhandelspreise erst verzögert und geglättet aus. Mayer schätzt, dass es im Herbst zu Tariferhöhungen kommen wird, das Ausmaß ist von der Einkaufsstrategie der jeweiligen Versorger abhängig.

Die Großhandelspreise von Gas werden nach Schätzung der E-Control noch bis zum Ende der Heizsaison im zweiten Quartal 2022 hoch bleiben und sich bis 2023 normalisieren. Auch der Strompreis soll dann wieder sinken.

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