Interesse an Speichern und E-Autos nimmt in Österreich zu
Das Interesse an Elektroautos ist wieder etwas gestiegen.
Zusammenfassung
- Interesse an Stromspeichern und E-Autos steigt in Österreich, besonders bei Besitzern von PV-Anlagen.
- Zustimmung zu erneuerbaren Energien bleibt hoch, ist aber leicht rückläufig, vor allem wegen enttäuschter Erwartungen an sinkende Preise.
- Beteiligung an Energiegemeinschaften und Wechselbereitschaft beim Stromanbieter nehmen zu, Windkraft gilt als ausbaufähig.
Die heimische Bevölkerung steht weiterhin hinter der Energiewende und dem Ausbau erneuerbarer Energien. Das geht aus der Studie "Erneuerbare Energien in Österreich 2026" hervor, die Deloitte, Universität Graz und Wien Energie am Montag präsentierten. Für die neueste Ausgabe der jährlich erscheinenden repräsentative Studie wurden 1.182 Personen befragt. Fast ein Drittel davon hat bereits eine PV-Anlage am eigenen Haus oder Wohngebäude. Photovoltaik ist unter den Erneuerbaren weiterhin die beliebteste Technologie.
Fehlende Auswirkung auf Preise enttäuscht viele
Im Durchschnitt ist die Zustimmung zu erneuerbaren Energien von 70 Prozent im Vorjahr auf 69 Prozent gesunken. Seit 2022 sinkt die Zustimmung kontinuierlich. Für Studienautorin Nina Hampl von der Universität Graz ist dies aber kein Grund zur Besorgnis: "Da wurde einfach ein Plateau erreicht." Für Karl Gruber, Geschäftsführer von Wien Energie, ist "die Enttäuschung darüber, dass Investitionen in Erneuerbare nicht unmittelbar zu stabileren Preisen geführt haben", eine mögliche Erklärung. In der gesamteuropäischen Betrachtung sei der Anteil von PV, Wind und Wasserkraft immer noch zu klein.
Speicher sind immer beliebter
Das Interesse an Stromspeichern ist rasant in die Höhe gegangen. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer mit eigener PV-Anlage verfügt bereits über einen Batteriespeicher. Im vergangenen Jahr ist die Anzahl der Installationen gegenüber den Jahren zuvor stark angestiegen. "Zuhause einen Speicher zu besitzen, trägt wesentlich zur Versorgungssicherheit und zum Kostensparen bei", sagt Gruber. Außerdem sei es dadurch relativ einfach möglich, von dynamischen Stromtarifen zu profitieren.
Mehr Windkraft könnte den Strompreis im Winter reduzieren.
Gestiegen ist auch die Beteiligung an Energiegemeinschaften. 12 Prozent der Befragten gaben an, Teil einer Energiegemeinschaft zu sein (2024: 8 Prozent), 3 Prozent haben sogar selbst eine mitgegründet (2024: 2 Prozent). Das Interesse an anderen Projekten mit Bürgerbeteiligung ist mit 36 Prozent auf einem gleichbleibenden Niveau.
Beliebtheit von E-Autos steigt wieder
Bei Elektroautos ist der Anteil jener Personen, die Kaufinteresse zeigen nach einem Tiefpunkt 2024 (36 Prozent) wieder gestiegen und beträgt nun 42 Prozent. Für Gerhard Marterbauer, Partner bei Deloitte Österreich, ist bemerkenswert, dass die Förderung durch die öffentliche Hand eine geringere Rolle bei der Kaufmotivation darstellt. "Nur Reichweite und die Ladeinfrastruktur sind noch ein bisschen die Showstopper, die man in den Griff bekommen sollte." Der überwiegende Teil der E-Auto-Interessenten würde gerne Zuhause laden. Am ehesten ist dies für Hausbesitzer möglich, ansonsten gibt es noch Aufholbedarf.
Verbrenner-Fokus zunehmend als falsche Strategie betrachtet
Eine weiterhin hohe, wenngleich leicht gesunkene Zustimmung herrscht bei den klimapolitischen Zielen, wie 100 Prozent Ökostrom bis 2030 oder Klimaneutralität 2040. Mehr Personen als im Jahr zuvor (41 vs. 38 Prozent) unterstützten den Abbau umweltschädlicher Subventionen. Trotz EU-weit gegenläufiger Tendenzen bleibt der Anteil jener Personen, die sich für ein Verbrennerverbot ab 2030 einsetzen, mit 23 Prozent gleich. Weniger Befragte (30 vs. 35 Prozent) sind der Meinung, dass die europäische Automobilbranche weiterhin auf Verbrennungsmotoren setzen sollte.
Windkraft hat noch viel Preissenkungs-Potenzial
Zusammenfassend könne man sagen, dass die Stimmung in Österreich wegen der Teuerung etwas getrübter aussehe, aber die Akzeptanz für erneuerbare Energie sei weiterhin hoch. Das Potenzial von Solar-, Wind- und Wasserkraft in Österreich sei noch lange nicht ausgeschöpft. Vor allem Windkraft müsse stärker ausgebaut werden, sagt Gruber. "Damit kann man genau zu jener Zeit, wenn Importe die Energiepreise bestimmen - im Winter - günstig Strom produzieren."
Wettbewerb bei Strompreisen steigt
Die auf 16 Prozent gestiegene Wechselbereitschaft beim Stromanbieter sieht Gruber positiv. "Wir sind als Wien Energie stärkerem Wettbewerb ausgesetzt, aber aufgrund unseres guten Angebots können wir uns behaupten." Mit der 2025 angebotenen Strompreis-Aktion (9,9 Cent/kWh) sei Wien Energie - und nicht der Verbund - der Vorreiter bei den Preissenkungen großer Versorger. Eine ähnliche Aktion werde es auch heuer wieder geben.
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