Staatssekretärin Zehetner kontert US-Energieminister: "Sollten uns nicht erpressen lassen"

Sitzung der IEA in Paris eskalierte etwas.
StS Zehetner bei der IEA in Paris

Chris Wright (61) ist ein amerikanischer Unternehmer und seit einem Jahr Energieminister der USA in der Administration von Präsident Donald Trump. Sein Vermögen hat er in Unternehmen der Gas-Fracking- und Atomkraftindustrie gemacht.

Diese Woche war Wright bei einer nicht-öffentlichen Sitzung der Internationalen Energieagentur IEA – erste Infos aus dem Gremium deuten auf ein Meeting hin, das etwas eskaliert ist: Laut dem Nachrichtenportal Politico ist Wright (anders als sein Chef Trump, siehe Seite 9) kein dezidierter Leugner des Klimawandels. Wright warnte am Dienstag, die USA würden die IEA aber sofort verlassen, sollte diese ihre „linken Fantasien“ einer klimaneutralen Welt nicht aufgeben.

US-Energieminister Chris Wright

Konkret solle die Energieagentur ihre Modellrechnungen nicht länger auf die Annahme ausrichten, dass im Energiebereich eine Reduktion des Treibhausgas-Ausstoßes auf null möglich sei, da solche Ziele ohnehin unerreichbar seien.

Das war bereits einigermaßen ein Affront: Die IEA ist ein Zusammenschluss von Staaten, die sich gegenseitig helfen, die Energieversorgung sicher, bezahlbar und klimaverträglich zu halten, die Datensammlungen, Analysen und Projektion der IEA sind Grundlage der Energiepolitik seiner Mitglieder – auch für die milliardenschweren Pläne für eine sichere und klimafreundliche Energiezukunft.

Eine Abkehr von diesen Annahmen wäre ein bedeutender Kurswechsel für die IEA.

Das wird aber ohnehin nicht passieren: Politico berichtet von heftigem Widerstand der Europäer – vom britischen Energieminister Ed Miliband, vom französischen Amtskollegen und von Österreichs Energie-Staatssekretärin Elisabeth Zehetner. „Wir sollten uns nicht von ihm (Wright, Anm.) erpressen lassen“, zitierte das Medium die Staatssekretärin. Und: „Ich verstehe die Argumentation der USA nicht – sie haben ein enormes Potenzial im Bereich der erneuerbaren Energien, und für jemanden, der viele Wirtschaftsabkommen abschließen will, lehnen sie viele wirtschaftliche Chancen ab.“

Gegenüber dem KURIER bestätigte ihr Kabinett den Bericht: „Erneuerbare sind kein ideologisches Projekt, sondern der Schlüssel für Wachstum, Versorgungssicherheit und leistbare Energiepreise“, habe sie zudem beim Treffen betont.

Wright zog zurück

Die breite Unterstützung der Mitgliedstaaten für die Energiewende und die klare Positionierung für Klimaschutz und Versorgungssicherheit setzten letztlich ein deutliches Signal. Schließlich kündigte auch US-Energieminister Wright an, dass die Vereinigten Staaten (vorerst?) doch nicht aus der IEA austreten werden.

Zehetner kann sich aber auf ein Wiedersehen freuen – auf heimischen Boden. Österreich wird 2027 das renommierte „Energy Innovation Forum“ in Wien ausrichten. Zehetner: „Damit positionieren wir uns als internationaler Hub für Zukunftstechnologien“. BerG

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