Wirtschaft
19.10.2017

Insolvente Großwäscherei kann Sanierung aus Fortbetrieb nicht finanzieren

Der Gläubigerschutzverband KSV1870 rechnet in den sechs anhängigen Insolvenzverfahren mit einem Schuldenberg von insgesamt 200 Millionen Euro.

In den Insolvenzverfahren der Textilservice-Gruppe Wozabal (792 Mitarbeiter, ursprünglich 104 Millionen Euro Forderungen) wurden am Donnerstag drei gerichtliche Tagsatzungen abgehalten. "Die Fortführung des Unternehmens läuft positiv. Um den Gläubigern der einzelnen Gesellschaften ein möglichst genaues Bild der Vermögenslage geben zu können, wurden zur Entflechtung der vielen Forderungen zwischen den Schwestergesellschaften zusätzlich Wirtschaftsprüfer eingesetzt", heißt es dazu vom Gläubigerschutzverband KSV1870. "So erfolgten zum Beispiel der Einkauf, die Fakturierung und das Personalwesen für alle Gesellschaften zentral bei der Wozabal Management GmbH. Diese Prüfergebnisse liegen zur Stunde noch nicht vor."

So sei im Rahmen der Unternehmensgruppe mit einem angemeldeten Verbindlichkeitenvolumen von rund 200 Millionen Euro zu rechnen, wobei letztlich nach Abzug von Aus- und Absonderungsrechten (Pfand- und Eigentumsrechte) und wechselseitigen Haftungen unbesicherte Verbindlichkeiten in Höhe von rund 50 bis 75 Millionen Euro verbleiben werden, so der KSV1870. Aufgrund des Marktwertes, den die Gruppe Wozabal vor allem durch das Kundenpotential repräsentiert, können die unbesicherten Gläubiger aus heutiger Sicht mit einer Quote höher als 20 Prozent rechnen.

"Die Finanzierung eines angemessenen Sanierungsplanes wird aber nicht alleine aus dem Fortbetrieb erfolgen können, die Schuldnerseite wird sich um Investoren und zusätzliches Finanzkapital bemühen müssen", teilt Petra Wögerbauer vom KSV1870 mit.

Der Hintergrund

Die Großwäscherei verfügt über eine 118-jährige Firmengeschichte und steht derzeit im Eigentum der vierten Generation. Die Wozabal-Gruppe ist in Österreich ein für den Bereich Krankenhäuser und Seniorenheime systemrelevantes Unternehmen und mit 800 Dienstnehmern an insgesamt sieben Standorten tätig. Die größten Standorte sind in Enns, Lenzing und Klagenfurt. Die Insolvenzverwalter haben seit Insolvenzeröffnung in intensiver Zusammenarbeit ein Fortführungskonzept für die Wozabal-Gruppe unter Einbeziehung von Kunden, Lieferanten und der öffentlichen Hand erstellt.

Die Insolvenzursachen lassen sich vom KSV1870 wie folgt zusammenfassen: "Die Unternehmensgruppe hat sich mit dem Projekt „Wozabal 2000“ das Ziel gesetzt, ein Umsatzvolumen von 100 Millionen Euro zu erreichen. Zu diesem Zweck wurden neue Standorte in Enns und Rankweil errichtet und parallel diverse Projekte gestartet. Diese führten zu einer Überbelastung der Gesamtorganisation und hohen Kosten, die Produktivität insgesamt ist gesunken. Teilweise kam es zu unkoordinierten Wäscheeinkäufen und der Aufnahme von zusätzlichem Personal, um die Liefertermine zu gewährleisten. Das alles ging zu Lasten der Liquidität des an und für sich profitablen Unternehmens."