Wirtschaft
12.11.2018

Infrastruktur: Technologie statt Straße und Schiene

Bei einer einmaligen Investition von zehn Milliarden Euro in neue Technologien würde die Wirtschaftsleistung stark steigen.

Die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs hat sich zwar im internationalen Vergleich verbessert, sie könnte aber noch viel besser sein. Das ist das Ergebnis des Österreichischen Infrastrukturreports 2019, der heute, Montag, von der Initiative Future Business Austria vorgestellt wird und dem KURIER vorab vorlag.

Hunderte Interviews mit Experten und Managern brachten ein aufrüttelndes Ergebnis: Würde Österreich einmalig zehn Milliarden Euro in seine Infrastruktur investieren, würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 15,5 Prozent oder 57 Milliarden Euro steigen, so die Einschätzung der Befragten. Das BIP-Wachstum würde sich durch Produktivitätssteigerungen ergeben, die durch den Einsatz neuer digitaler Anwendungen möglich wären. „Die Voraussetzung für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes sind nicht nur Bildung und Fachkräfte, sondern auch Infrastruktur, Digitalisierung und Innovation“, sagt David Ungar-Klein, Initiator des Reports, der Empfehlungen für die Prioritäten in der österreichischen Infrastrukturpolitik enthält.

Bisher habe sich der Staat beim Thema Infrastruktur auf Straße und Schiene konzentriert, doch müsse das ganzheitlicher gesehen werden. Nur ein flächendeckender Breitband- und 5G-Ausbau sowie Energietechnologien und IT würden Themen wie automatisierte Mobilität möglich machen.

Ein weiter Weg

Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, so Ungar-Klein, denn es hake noch an der Geisteshaltung der Verantwortlichen. Es werde noch immer zu sehr auf klassische Infrastruktur, eben Straße und Schiene, und nicht auf moderne Technologien gesetzt. Das Geld dafür ließe sich auftreiben, glaubt Ungar-Klein: „Da gäbe es viele Möglichkeiten, wie PPP-Modelle oder Gelder der Europäischen Investitionsbank.“

Eine Bestandsaufnahme des Status-quo der österreichischen Infrastruktur zeigt Höhen und Tiefen. Bei der Energieversorgung gilt die Alpenrepublik im internationalen Vergleich als top, auch die Autobahnen und Straßen sind gut ausgebaut. Bei der Telekommunikation ist Österreich nur Mittelmaß, vor allem im ländlichen Raum gebe es noch Aufholbedarf. „Man kann die Leute nur am Land halten, wenn sie dort mit dem Smartphone arbeiten können“, sagt Ungar-Klein. Der Bau einer dritten Piste für den Flughafen Wien sei ebenso standortentscheidend. Der Flughafen Wien müsse als Hub erhalten bleiben.

Abgefragt wurde auch die Zufriedenheit mit dem Infrastrukturausbau in den Ländern. Dabei sind Oberösterreich und Wien Spitzenreiter, je 38 Prozent der Befragten urteilten positiv. Schlusslichter sind das Burgenland mit 15 und Kärnten mit 13 Prozent.