2,7 Prozent im Juli: Warum die Inflation schon bald wieder steigen wird
Leicht gesunkene Lebensmittelpreise haben die Inflation im Juli laut Schnellschätzung der Statistik Austria auf 2,7 Prozent gedrückt. Im Juli lag die Teuerung im Vergleich dazu noch bei 3,2 Prozent. Den Preisrückgang bei Lebensmitteln führt Manuela Lenk, fachstatistische Generaldirektorin der Statistik Austria, maßgeblich auf die Senkung der Mehrwertsteuer auf Grundnahrungsmittel zurück. Die wirkt und dürfte auch weitgehend an die Konsumentinnen und Konsumenten weitergegeben worden sein.
WIFO-Ökonom Josef Baumgartner, beziffert ihren Effekt auf die Gesamtinflation mit 0,15 Prozentpunkten. Dazu habe sich auch der Preisauftrieb bei den Produzentenpreisen seit einigen Monaten abgeschwächt, sagt Baumgartner. Insgesamt gingen die Preise für Nahrungsmittel im Juli im Jahresvergleich um 0,1 Prozent zurück.
Preistreiber waren die Energiepreise, die im Jahresvergleich um 5,7 Prozent gestiegen sind. Dienstleistungen, darunter fallen die Gastronomie und Hotellerie ebenso wie Mieten und Gebühren, verteuerten sich um 4,4 Prozent.
Niedriger als im Euroraum
Mit 2,7 Prozent lag die Gesamtinflation seit Langem wieder unter der Inflation im Euroraum, die 2,9 Prozent betrug. Sie ist auch niedriger als in Deutschland, wo für Juli 2,8 Prozent geschätzt werden. Anders als in Österreich legte die Teuerung im Euroraum leicht zu.
Die Entspannung dürfte hierzulande aber nur von kurzer Dauer sein. Denn die Lebensmittelpreise könnten schon bald wieder steigen. „Die Inflation wird bei Nahrungsmitteln nicht so niedrig bleiben, wie sie ist“, sagt Baumgartner. Denn die höheren Preise für Transport und Düngemittel durch den Iran-Krieg werden erst in den nächsten Monaten bei den Konsumenten ankommen. Dazu komme eine geringere Ernte wegen der Trockenheit, die ebenfalls zu Preisanstiegen führen werde. Der Ökonom geht davon aus, dass sich Nahrungsmittel bis zum Jahresende um bis zu 3 Prozent, auf jeden Fall aber über 2 Prozent verteuern werden.
Preissteigerungen bei Gas und Strom kommen erst
Bei den Energiepreisen, bei denen die starke Zunahme aktuell vor allem auf die durch den Iran-Krieg stark gestiegenen Preise für Treibstoff und Heizöl zurückzuführen ist, werden sich ab Herbst auch Preissteigerungen bei Gas und Strom bemerkbar machen. Spätestens mit neuen Verträgen werden sie auch in den Haushalten zu spüren sein. Die Auswirkungen der Spritpreisbremse auf die Inflation bezeichnet Baumgartner als „sehr gering“.
Die Preissteigerungen in der Gastronomie und Hotellerie führt der WIFO-Ökonom auf gestiegene Löhne wegen des Arbeitskräftemangels in der Branche zurück. „Die Betriebe haben Schwierigkeiten, Personal zu finden“, sagt Baumgartner. Das werde weiter zu Lohnsteigerungen führen. Die Teuerung bei den Dienstleistungen gehe auch auf gestiegene Gebühren, etwa für Reisepass und Führerschein, sowie höhere Preise etwa für Bahntickets zurück.
Auch die vergleichsweise geringe Teuerung von 0,8 Prozent bei Industriegütern – darunter fallen neben Kleidung, Elektrogeräten und Kosmetika auch Medikamente – dürfte wieder anziehen. Denn auch hier werden sich wegen gesperrter Routen gestiegene Transportkosten durch den Iran-Krieg bald bemerkbar machen.
3,2 Prozent im Gesamtjahr erwartet
Für das Gesamtjahr prognostiziert das WIFO eine Inflationsrate von 3,2 Prozent. Grund, die Prognose anzupassen, sieht Baumgartner noch nicht. Die Situation habe sich aber durch die Blockade zusätzlicher Schifffahrtsrouten im Roten Meer verschärft. Komme eine Friedenslösung zustande, könne sich das Blatt schnell wenden und die Ölpreise würden wieder deutlich nach unten gehen.
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