Die gute Ruf der beliebten EFT-Fonds bekommt einen Knacks.

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Finanzmarkt
02/13/2016

Indexfonds ETF: Tickende Zeitbomben

Die beliebten und erfolgreichen Indexfonds Exchange Trade Funds (EFTs) sollen zum Teil sehr hohe Risiken bergen.

von Kid Möchel

Sie gelten seit Jahren als sichere Bank in Sachen Vermögensbildung. Doch jetzt mehren sich die Warnungen vor einer Blase auf dem stetig wachsenden Markt für sogenannte Exchange Traded Funds (ETFs). Dabei handelt es sich um börsennotierte Fonds, die in der Regel den Kursverlauf eines Börsenindex wie den DAX oder den S&P 500 nachbilden.

Die "Töpfe" dieser ETFs werden großteils mit jenen Aktien gefüllt, die in diesen Börsen-Indizes notieren. Man spricht auch von "passiv veranlagten Geldern". 2015 wurden alleine in Europa ETFs mit einem Volumen von 511 Milliarden Euro gehandelt.

Führende Anbieter sind der Finanz-Riese BlackRock (iShares), die Deutsche Bank (db x-trackers) und die französische Bank Société Générale (Lyxor) sowie die Banken HSBC, RBS und UBS.

US-Investor Carl Icahn hält einzelne ETF-Konstrukte für hoch explosiv, weil deren Vermögenswerte extrem überbewertet und diese illiquid seien. Der US-Buchhalter Harry Markopolos, der bereits den Fall Madoff aufdeckte, hält den ETF-Markt an den US-Börsen gar für ein Schneeballsystem – viel größer als jenes von Bernie Madoff. Und der hat 50 Mrd. Dollar Schaden angerichtet. Der Betrugsbekämpfer Markopoulos und andere Insider behaupten, dass leichtgläubigen US-Bürgern im großen Stil ETFs angedreht werden, die mit "toxischem Müll", sprich hochriskanten und nicht liquiden Vermögenswerten, befüllt sind.

So ist es auch kein Wunder, dass die US-Börsenaufsicht SEC die ETFs an die erste Stelle ihrer Agenda 2016 gereiht hat. Die Aufsicht wird den ETF-Markt und die Risikogeneigtheit dieser Finanzinstrumente für Privatanleger und Pensionsfonds genau unter die Lupe nehmen wird.

Beliebte Papiere

Auch in Österreich sind ETFs beliebt, da keine Ausgabeaufschläge und nur geringe Gebühren (im Schnitt 0,5 Prozent) verlangt werden. An der Wiener Börse notieren neun dieser Papiere. Wie so oft, liegt auch bei den EFTs die Wahrheit über die Gefährlichkeit und das Risiko irgendwo in der Mitte.

"Die ETFs sind die erfolgreichsten Finanzprodukte der vergangenen zehn Jahre. Sie sind grundsätzlich sinnvolle Papiere, aber in Phasen von Marktturbulenzen können sie zum Problem werden, weil sehr viel Kapital in gleicher Art investiert wird", sagt Teodoro Cocca, Professor für Asset Management an der Johannes Kepler Universität in Linz. "Das fördert ein Herdenverhalten, das massiv in die eine oder andere Richtung ausschlagen kann. Daher können ETFs systemgefährdend sein."

So geschah es am 24. August 2015 in den USA. Der schwache Börsenstart ließ die Kurse der ETFs weit stärker fallen als die Börsenindizes. In der Folge wurde versucht, Unmengen dieser Funds-Anteile an den US-Börsen abzustoßen. Doch es fanden sich keine Käufer.

"Bei Marktproblemen kann es passieren, dass es zu ganz großen Verwerfungen kommt", weiß Cocca. "Für einen Privatinvestor kann es da schnell einmal eng werden."

Aggressive Varianten

Die Gefährlichkeit von ETFs hängt aber von deren "Strickmuster" ab. "Zu Beginn hat die Finanzindustrie die Papiere sehr konservativ konstruiert, aber je bewährter sie wurden, desto mehr Geld wurde hereingekommen und desto mutiger wurden die Banken", sagt Cocca. "Es gibt ETFs, die sehr aggressiv konstruiert wurden und ein hohes Risiko bergen."

Hochriskant sind jene ETFs, die nicht mit physischen Vermögenswerten wie Gold oder Aktien unterlegt sind, sondern auf Derivaten (Swaps, Futures) basieren. Bei diesen ETFs wird zum Beispiel der DAX künstlich nachgebildet, ohne dass irgendeine DAX-Aktie gehalten wird. Geht der Markt nach unten, potenziert sich das Risiko bzw. der Verlust dieser ETFs erheblich.

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