Wirtschaft
03.10.2018

In der Finanzwelt geben jetzt Frauen den Ton an

Premiere: Drei der einflussreichsten Wirtschaftsinstitutionen weltweit werden künftig von Chef-Ökonominnen geleitet.

Über Frauen heißt es, dass sie immer erst dann zum Zug kommen, wenn der Karren im Dreck steckt. So betrachtet ist es womöglich eine Spätfolge der Finanzkrise, dass nun drei Frauen die wohl einflussreichsten und prestigeträchtigsten Jobs ausüben, die es für Wirtschaftsexperten zu vergeben gibt: die Chefökonomen-Posten beim Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbank in Washington sowie bei der Industriestaaten-Organisation OECD in Paris.

Für den IWF ist es überhaupt eine Premiere: Die 46-Jährige Harvard-Professorin Gita Gopinath übernimmt als Chefvolkswirtin von Maurice Obstfeld (66), der nach drei Jahren seinen Abschied angekündigt hatte. Gopinath stammt aus Indien, hat aber zugleich die US-Staatsbürgerschaft. IWF-Chefin Christine Lagarde streute ihr zur Bestellung viele Rosen: "Gita ist eine der herausragenden Ökonominnen der Welt". Als IWF-Chefvolkswirtin definiert Gopinath künftig die Wirtschaftspolitik der Institution, der 189 Mitgliedsländer angehören. Zu ihren Schwerpunkten gehören passenderweise Finanzkrisen.

Gita Gopinath, professor at the economics department of Harvard University, attends a conference of central bankers hosted by the Bank of France in Paris

Seit Juni 2018 ist die Französin Laurence Boone (49) Chefökonomin der Reiche-Staaten-Organisation OECD in Paris, wo sie Catherine Mann ablöste, die den Posten drei Jahre lang inne hatte. Boone ist Chefin über 182 Mitarbeiter, die den Wirtschaftsausblick und mehr als 50 Länderberichte verfassen. Davor war Boone oberste Ökonomin bei großen Banken und Versicherern - nämlich der AXA Group oder Barclays Capital France sowie Bank of America Merrill Lynch in Europa. Als Boone 2014 von Präsident Nicolas Sarkozy zur Sonderberaterin für Finanzfragen und Frankreichs G20-Sherpa (Organisatorin) ernannt wurde, hatte das bei internationalen Agenturen noch für Verwirrung gesorgt: Sie schlossen automatisch, dass der Vorname Laurence zu einem Mann gehören müsste...

Schon Ende April war Pinelopi Koujianou Goldberg (55) nach einem kompetitiven Auswahlverfahren zur Chefökonomin der Weltbank-Gruppe bestellt worden. Für Goldberg habe ihre "umfassende akademische Erfahrung, ihre intellektuelle Präzision und unendliche Neugierde" gesprochen, lobte Präsident Jim Yong Kim die Professorin der Universität Yale, die die griechische und US-amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Goldberg hatte davor auch schon in Princeton und Columbia gelehrt, sie hält akademischen Abschlüsse der Universitäten Freiburg und Stanford.

Mit der französischen IWF-Chefin Christine Lagarde und Weltbank-CEO Kristalina Georgieva sind übrigens auch zwei der Spitzenpositionen mit Frauen besetzt. Was zeigt, dass etwas an der These dran ist: Wenn Frauen erst einmal Spitzenpositionen besetzen, folgen auch automatisch mehr Frauen in weiteren Toppositionen nach.