"Zurzeit ist es fast nicht möglich, einen Neubau umzusetzen"

"Zurzeit ist es fast nicht möglich, einen Neubau umzusetzen"
Der gemeinnützige Wohnbau gerät ins Stocken. Schuld daran sind die gestiegenen Baukosten. Der Vorstand und der Projektleiter der Wien Süd im Gespräch.

KURIER: Die Kostensteigerungen am Bau und bei den Grundstücken machen den gemeinnützigen Bauträgern zu schaffen. Wie geht die Wien Süd damit um?

"Zurzeit ist es fast nicht möglich, einen Neubau umzusetzen"

Andreas Weikhart, Vorstand Wien Süd: Zurzeit ist es fast nicht möglich, einen Neubau umzusetzen. Das liegt an den Baukosten aber auch der Klima- und Umweltschutzdiskussion. Wir brauchen aber günstigen Wohnraum. Die Wohnbauförderung wird wieder wichtiger werden, die vergangenen zehn Jahren waren geprägt von Niedrigzinsen, da hat kein Mensch eine Wohnbauförderung gebraucht, das dreht sich jetzt. Das wird die Branche aufmischen, da sich kurzfristige Finanzierungen bei kleineren Bauträgern rächen.

"Zurzeit ist es fast nicht möglich, einen Neubau umzusetzen"

Christof Anderle Geschäftsführer Gewog & Projektleiter Wien Süd: Einerseits haben einige Wohnbauförderungen auf Annuitäten-Obergrenzen abgestellt, auf der anderen Seite steigen die Baukosten. Da geht die Türe nicht mehr zu, denn auf der einen Seite haben wir weniger Kapital zur Verfügung, auf der anderen Seite höhere Baukosten.

Wie wirkt sich das auf den Wohnbau aus?

Weikhart: Als Branche haben wir echt ein Problem: Einerseits sind es die Grundstückspreise in astronomischen Höhen, die geförderten Wohnbau verunmöglichen, vor allem in Ballungsgebieten. Wir haben im ersten Halbjahr einige Projekte aufgeschoben. Stadtentwicklungsprojekte liegen derzeit bei uns auf Eis. In Wien bringt die Umweltthematik Projekte zum Erliegen. Das Naturschutzgesetz definiert streng geschützte Arten, ihr Lebensraum ist zu schützen. Zum Beispiel im Donaufeld an der Schanze die Wechselkröte. Im Wohnbau schlägt das Thema nun erst richtig auf.

Anderle: Die Folgen der verhinderten Wohnbauten in der Stadt sind: Die Leute drängen in den Speckgürtel, bauen im weiten Umland von Wien vor allem Einfamilienhäuser, wo die Verkehrsinfrastruktur erst ertüchtigt werden muss.

Weikhart: Große Bauunternehmen spüren nun, dass Großprojekte on hold sind, die Auftragslage am Bau geht gerade runter. Mittlerweile gibt es wieder Baumeister-Ausschreibungen mit Preisen, wo man nicht gleich einen Herzinfarkt kriegt.

Der gemeinnützige Sektor ringt mit den Preisobergrenzen pro Quadratmeter für die Förderung. Hat sich da etwas getan?

Anderle: In Wien zum Beispiel wurde der Baukostendeckel in der Neubauverordnung für die Förderung massiv angehoben, so wird versucht gegenzusteuern.

Weikhart: Der Teufel steckt im Detail. Bis zu einer bestimmten Gesamtfläche gibt es den hohen Fördersatz, darüber nur mehr den niedrigen.

Welche Lösungen gibt es, um dennoch bauen zu können?

Anderle: Eine Strategie, die es schon länger gibt, ist einen Teil des Projekts frei finanziert zu machen. Wir versuchen außerdem Baurechte abzuschließen.

Wie wirken sich die Kostensteigerungen auf die Miethöhe und die Mieter aus?

Weikhart: Die Mieten in neuen Wohnungen steigen. Wir sollen unter der magischen Grenze von zehn Euro liegen. Auch die Erhaltungs- und Verbesserungsbeiträge steigen, Häuser müssen schließlich auch instand gehalten werden. Nun kommt auch noch die Mindestrücklage im Wohnungseigentum, in Summe bedeutet das eine Mehrbelastung für Mieter. Wir verzeichnen einen Anstieg der Anfragen um Stundungen der Mieten bei der Wien Süd um 25 Prozent. Natürlich wird das genehmigt.

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