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11/26/2019

Otto Prutscher: Ein Motor der Moderne

70 Jahre nach dem Tod des Architekten und Designers widmet ihm das MAK eine umfangreiche Ausstellung.

Otto Prutscher hatte 1911 ein besonders produktives Jahr: Der Architekt und Kunsthandwerker entwarf etwa die Einrichtung der Apotheke „Zum goldenen Adler“ am Kärntner Ring 17, das Café Heinrichshof, einen Kaffeekonzertsaal für das Hotel Monopol und die österreichische Abteilung der Reise- und Fremdenverkehrsausstellung in Berlin. Außerdem heiratete er. „Otto Prutscher gilt als ein Motor der Wiener Moderne“, sagt Christoph Thun-Hohenstein, Leiter des Museums für angewandte Kunst (MAK).

Dabei war 1911 nur eines von vielen Schaffensjahren: Prutscher, geboren 1880 in Wien, arbeitete bereits seit 1903 an Entwürfen für Möbel, Stoffe, Teppiche, Schmuck und Gläser. Bis zu seiner Zwangspensionierung 1939 – seine Frau war Jüdin – gestaltete er an die 50 Bauwerke (Villen, Wohnhäuser, Portale, Bauten des Roten Wien), 50 Ausstellungen und mehr als 200 Einzelmöbel und Garnituren. Er stand im Dienst von mehr als 200 Unternehmen, darunter so klingende Namen wie Möbelhersteller Thonet, die Porzellanmanufaktur Augarten, der Stoffhersteller Backhausen und das Ziegelunternehmen Wienerberger.

Nun widmet ihm das MAK erstmals eine eigene Ausstellung unter dem Titel „Otto Prutscher. Allgestalter der Wiener Moderne“ (bis 17. Mai 2020).

Als Schüler von Josef Hofmann an der Wiener Kunstgewerbeschule zählte er zur zweiten Generation der Protagonisten der Wiener Moderne. Der Jugendstil war die Wiege, in der Prutscher heranwuchs und den er mit großer Energie weiterentwickelte. „Allerdings hatten es die Gestalter der zweiten Generation wesentlich schwerer, weil sie nicht als große Erneuerer galten“, so Thun-Hohenstein.

Prutscher hatte als Sohn eines Tischlers einen hohen Qualitätsanspruch an die handwerkliche Umsetzung. 1909 wurde er selbst Professor an der k.k. Kunstgewerbeschule und leitete den offenen Entwurfszeichensaal für Gewerbetreibende. „Durch seine Lehrtätigkeit prägte er den Stil und die Qualität des Wiener Handwerks maßgeblich“, sagt Rainald Franz, Kustode der MAK-Sammlung Glas und Keramik.

Viele Spuren des umfangreichen Schaffens von Otto Prutscher lassen sich noch heute in Wien besichtigen: Ein Geschäftslokal der Hutfabrik P. & C. Habig in der Wiedner Hauptstraße, Gemeindebauten wie den Heinehof und besagte Apotheke am Kärntner Ring. Außerdem produzieren einige Firmen wie Backhausen und Lobmeyr nach wie vor Stücke von Prutschers Entwürfen.