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Wirtschaft Immobiz
05/30/2021

Schwung im Traditionsbetrieb: Tischlerei-Chefin Sophie Wittmann im Portrait

Sophie Wittmann bringt frischen Wind in den traditionsreichen Handwerksbetrieb ihrer Eltern.

von Nicole Zametter

Eigentlich wollte sie ja raus aus dem Almtal. „In meiner Jugend war es mir dort zu eng“, gibt die Jungunternehmerin lachend zu. Oft kommt es aber eben anders, als man denkt. Denn ein Auslandsstudium in SĂŒdkorea und viele Reisen fĂŒhrten Sophie Wittmann, nĂ€mlich genau dorthin zurĂŒck: Zum familiĂ€ren Tischlereibetrieb Wittmann GmbH in Oberösterreich, der auf funktionale Massivholzmöbel spezialisiert ist, viele Seminar- und Gastrobetriebe beliefert.

„WĂ€hrend eines Praktikums in China fing ich an, die Wertschöpfungsketten der globalisierten Welt zu hinterfragen. Sukzessive wurde mir klar, welch großartiges und wertvolles Unternehmen meine Familie lĂ€ngst betreibt. Regional agierend und absolut nachhaltig. Ich rief meinen Vater an und sagte ihm, ich wĂŒrde doch gerne daheim mitarbeiten.“ Der sagte ĂŒberrascht: „Jetzt oder nie!“, und durfte sich dann ĂŒber die Vorbildwirkung freuen. Denn auch die Söhne Max und Rudolf folgten daraufhin dem Beispiel der Schwester. Nach Einarbeitungsphase und Zusatzausbildung am Kolleg fĂŒr Möbelbau in Linz ĂŒbernahm Sophie 2020 die GeschĂ€ftsfĂŒhrung. „RĂŒckblickend war es wohl logisch, dass ich irgendwann hier ende. Es hat nur etwas gedauert, bis ich es sehen konnte“, reflektiert die 29-JĂ€hrige.

"Form follows function"

Unter dem Namen Geschwister Wittmann fĂŒhrt Sophie das 140-jĂ€hrige Traditionsunternehmen nun visionĂ€r und dynamisch in die Zukunft. „Wir befinden uns gerade noch mitten im Metamorphose-Prozess. Ich bin stolz darauf, nun bereits in fĂŒnfter Generation die Werte meiner Familie weiter zu tragen. Mit viel QualitĂ€tsbewusstsein und der gelebten Hands-on-MentalitĂ€t meiner Vorfahren lege ich den Fokus der Firma nun aber zeitgemĂ€ĂŸer aus.“ Getreu dem Bauhaus-Motto „form follows function“ werden vermehrt neue Möbel entwickelt und Design-Kooperationen angestrebt. „Gemeinsam mit Architekten und Designern entstehen großartige Projekte. Im Vorjahr wurden zwei davon mit Design-Preisen ausgezeichnet,“ freut sich die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin. Als Frau an der Spitze einer Tischlerei erntet sie ĂŒbrigens oft Verwunderung. „Oft werde ich gefragt, warum nicht meine BrĂŒder den Betrieb leiten. Dabei ist der Tischler-Beruf gerade auch fĂŒr Frauen sehr interessant. Der Sinn fĂŒr Schönes und fĂŒr Haptik ist gefragt. Und gegen die körperliche Belastung gibt es lĂ€ngst technische Lösungen.“

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