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Wirtschaft Immobiz
10/24/2021

Luxus auf hoher See: Yachtaustatter über das dekadente Business

Die niederösterreichische Firma List GC zählt zu den Top-Ausstattern für Luxus-Yachten. Auch neue Märkte tun sich auf, erzählt Geschäftsführer Christian Bolinger.

von Nicole Zametter

Es ist ein exklusiver Kundenkreis, für den in Bad Erlach gearbeitet wird. So exklusiv, dass selbst einzelne Teile der dort gefertigten Projekte höchster Geheimhaltung unterliegen. Einblicke in ihr herausragendes Schaffen gewährt die Firma List GC nur in seltenen Fällen, wie etwa bei der MYS, der Monaco Yacht Show, Anfang Oktober, wo sie die My Artefacts präsentierten.

An der Côte d’Azur treffen sich jährlich internationale Hersteller von Yachten und Segelbooten und deren wohlhabende Kunden. Mittendrin die niederösterreichische List GC, die vor über siebzig Jahren als Tischlerei gegründet wurde und sich heute als Innenausstatter für Luxus-Yachten zu einem elitären Kreis zählen darf. Vergleichbare Betriebe gibt es weltweit nur wenige. Christian Bolinger, neben Theresa Ludwiger-List und Josef Payerhofer, Geschäftsführer des Unternehmens, im Gespräch über die Trends und Herausforderungen der Branche.

Dining Room für zwölf Personen mit freier Sicht auf das Meer

Der Wohn-Salon auf der My Artefact besticht durch zahlreiche Highlights wie die Deckengestaltung und die angefertigte Sofa-Landschaft

Detailreiches Badezimmer

Oberflächengestaltung mit besonderen Details

Die My Artefact ist eine 80 Meter Yacht mit drei Decks, eigenem Kino und Fitnessstudio

KURIER: Wie kommt es, dass sich eine Tischlerei aus dem Industrieviertel zum Yachtausstatter wird?

Christian Bolinger: Das ist über das Tischler-Handwerk gewachsen, das in der gesamten Alpenregion einen enormen Stellenwert hat. Während an den Seeregionen der Schiffsbau dominiert, gibt es da kaum Ausstatter. Aber die Tischlerei ist nur ein Teil unserer Arbeit, wir decken gemeinsam mit tollen Partnern viele andere Themen ab. Speziell im Bereich der Gestaltung mit Leder, Metall und Oberflächen. Unsere Aufgabe ist es, all das zu vereinen und etwas großartiges Ganzes daraus zu machen.

Gerade waren Sie auf der Yachtmesse in Monaco. Welche Trends konnten Sie da erkennen?

Ein großer Trend ist das Vereinen von innen und Außen, durch deckenhohe Fenster, was im Yachtbau wirklich neu ist. Das gibt ein ganz besonderes Raumgefühl. Die robusten, schweren Außenbereiche haben sich hin zu modularen, leichten Aufenthaltslandschaften entwickelt, was auch das neue Tätigkeitsfeld des Exteriorbereichs für uns eröffnet hat. Auch Nachhaltigkeit ist ein großes Thema in unserer Branche.

Widersprechen sich Nachhaltigkeit und Luxus denn nicht grundsätzlich?

Zugegeben, das ist schwer zu vereinen. Aber es gibt Innovationen und Entwicklungen, die vieles verbessern. Etwa das Segelschiff Black Pearl, das mit ein paar wenigen Litern Diesel von Amsterdam nach NY segeln kann. Das Schiff generiert auch Elektrizität durch das Verwenden des Propellers mit Gegenschub. Das inspiriert zu weiteren Innovationen.

Was passiert eigentlich mit ausrangierten Yachten?

Da ist durchaus ein Markt da. Teilweise werden diese im Charter-Bereich eingesetzt. Da kann man dann für ein, zwei Wochen die Yacht samt Crew chartern und sein Programm erstellen. Das ist eine relativ wichtige Sekundär-Industrie. Wer eine bestehende Yacht kauft, spart natürlich enorm Zeit und kann etwa nur das Interieur erneuern lassen.

Die Bauwelt klagt über Rohstoffknappheit, betrifft das auch die Yacht-Branche?

Aufgrund der Produktionslaufzeit von drei bis vier Jahren für eine neue Yacht kann man da mit klugem Materialmanagement gegensteuern. Aber die Ansprüche steigen kontinuierlich und die Menschen, die das erfüllen können, werden immer weniger. Menschen mit dem Wissen und dem Know-how sind knapp und das hat einen größeren Einfluss auf unsere Branche, als die Ressourcenknappheit der Rohstoffe.

In welche Richtung wird sich die List GC zukünftig entwickeln?

Eine Vision ist derzeit noch die Produktion von einzelnen Möbeln, die wir in Kooperation mit Designern herstellen wollen. Wir wollen Einzel-Juwele schaffen, für Leute, die eben keine Yacht besitzen. Bereits jetzt statten wir auch Villen und Appartements im Luxusbereich aus und haben Projekte in Wien fertiggestellt. Unser Know-how aus dem Yachtbereich ist sehr gefragt.

Warum geht man zum Yachtausstatter, um seine Wohnung einrichten zu lassen?

Wir werden kontinuierlich an das Limit des Machbaren getrieben und entwickeln dadurch neue Oberflächen, Bautechniken oder Beschläge, die es nicht bei einer normalen Tischlerei gibt. Wer besonders exklusiv und außergewöhnlich wohnen möchte, ist bei uns richtig. Dafür sind wir auch konstant auf der Suche nach neuen Mitarbeitern, die in einem inspirierenden und spannenden Umfeld arbeiten wollen und freuen uns über Bewerbungen.

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