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19.11.2018

Interview: Was bringen Mottohotels?

Donaudampfschiff und Zirkus – was Mottohotels bringen, weiß Romy Weisenseel, Architectural und Design Managerin bei AccorHotels.

Die Ausbildung in der Hotellerie hilft Romy Weisenseel in ihrem Beruf oft mehr, als das Studium der Architektur – davon ist die 38-Jährige überzeugt. Seit einem Jahr ist die Wahl-Münchnerin Architectural und Design Managerin bei AccorHotels und richtet die Häuser so ein „dass sie selbst darin übernachten möchte.“

Wie sie das umsetzt und was den Hotel-Gästen wichtig ist, erzählt sie während eines Rundgangs durch das neue ibis Styles Hotel Messe Prater, das am 19. November Eröffnung feiert.

KURIER: Frau Weisenseel, wir sitzen im Aufenthaltsraum des neuen ibis Styles Hotels. Es wurde nach dem Motto „ Donaudampfschifffahrt eingerichtet – wo ist das zu sehen?

Romy Weisenseel: In den öffentlichen Bereichen haben wir dunkle Farben und Materialien wie Stahl, Holz und nautische Elemente verwendet. Die Lampen können beispielsweise gedreht werden wie ein Leuchtturm. Die offene Decke spiegelt das Gefühl eines Maschinenraums wieder. In den Zimmern haben wir industriell gestaltete Schränke, mit denen wir das Stahlthema aufgreifen und an den Vorhängen sind Wellenbewegungen grafisch dargestellt – und die Beleuchtung ist im gesamten Haus industriell und besteht aus Metall-Lampenschirmen.

Warum überhaupt ein Motto?

Wenn mir etwas gefällt, will ich es sofort fotografieren. So geht es auch unseren Gästen. Sie nehmen ein Hotel mit Konzept stärker wahr, weil sie spüren, dass man sich mit dem Haus auseinandergesetzt hat. Das macht auch das 25Hours erfolgreich. Jedes Haus hat ein Motto, dadurch erkennt man es wieder.

Als Gast erwarte ich, dass ich gut schlafe, dass es ruhig ist, dass der Kaffee gut schmeckt – und alles andere außerhalb dieses Standards ist eine Überraschung. Mit Design schaffen wir diesen Überraschungseffekt und deshalb kommen die Gäste wieder. Das braucht es heutzutage.

Bett, Kaffee, Einrichtung – was ist den Gästen am wichtigsten?

Das Wichtigste für den Gast ist das Personal. Das beste Konzept und das schönste Haus sind null und nichtig, wenn das Personal die Gäste nicht mitnimmt. Daher konzipieren wir unsere Häuser auch für das Personal. Wenn die Menschen hier gerne arbeiten, dann geben sie das automatisch an den Gast weiter.

Gibt es hier extra schöne Räume für das Personal?

Die öffentlichen Bereiche sind im ibis Styles Messe Prater auch Personalräume. Das Personal soll nicht versteckt werden, sondern hier ihre Pausen machen. Denn das ist nicht nur ein Gästebereich, sondern auch ein Mitarbeiterbereich.“

Wie muss ein Hotel designt sein, um sich von anderen abzuheben?

Es geht nicht darum, herauszuragen, sondern Interesse zu wecken. Man muss spüren, dass der Interieur Designer Liebe in das Haus gesteckt hat.

Spielt Design und Architektur auch in Low-Budget Hotels eine Rolle?

Für die Marke ibis – das ist nicht Low-Budget, sondern Budget – wird das Thema Design immer wichtiger. Wir wollen an jedem Standort und in jeder Stadt etwas Besonderes machen – und da spielt Design und Architektur eine wahnsinnig große Rolle.