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Wirtschaft Immobiz
01/01/2022

Immo-Horoskop 2022: Top-Player blicken in die Glaskugel

Hohe Grundstückspreise und die starke Nachfrage nach Grünraum haben das Immobilienjahr 2021 geprägt. Wir haben drei Player aus der Branche zum neuen Jahr zu befragen.

von Angelika Gross

Die Immobilienpreise sind 2021 noch einmal kräftig gestiegen. Geht es ihrer Einschätzung nach weiter nach oben oder ist der Plafond erreicht?

Michael Ehlmaier, Geschäftsführer von EHL Immobilien: „Die Nachfrage nach Wohnimmobilien ist ungebrochen hoch und durch die Pandemie teilweise sogar angestiegen. Das liegt einerseits daran, dass viele Menschen ihre aktuelle Wohnsituation überdacht haben, und der Wunsch nach  Optimierung groß ist. Andererseits gelten Wohnimmobilien weiterhin als eine sichere, stabile und langfristig ertragreiche Anlagemöglichkeit.  Daher rechnen wir auch weiterhin mit steigenden Immobilienpreisen.“ 

Wohnen im Grünen ist pandemiebedingt noch gefragter geworden. Welche Lagen werden 2022 besonders boomen?

Ehlmaier: „Besondere Hotspots sehen wir bei neuen Quartierentwicklungen entlang des Landstraßer Gürtels und Margaretengürtels, bei der Seestadt und nahe liegenden Bereichen wie der Groß-Enzersdorfer Straße, dem Nordbahnhofviertel und den unmittelbaren Lagen entlang der Donau.“

Der Megatrend Nachhaltigkeit hat auch die Immobilienbranche erfasst. Was heißt das konkret für Sie?  

Ehlmaier: „Nachhaltigkeit und die EU-Taxonomie tangieren alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens und haben aufgrund der langen Nutzungsdauer von Immobilien eine besondere Bedeutung. Schon in Kürze wird das Streben nach Nachhaltigkeit die Branche stärker beschäftigen als alle anderen Trends. Dabei geht es nicht nur um Energieeinsparungen im Bereich Heizen und Kühlen, sondern um den gesamten Lebenszyklus, beginnend beim Ausmaß der Bodenversiegelung bis hin zur Wiederverwertung der verwendeten Materialien.“

Von den hohen Baukosten bis zum Mangel an geeigneten Flächen – was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Branche?

Ehlmaier: „Im kommenden Jahr sind sicherlich die hohen Grundstückspreise und die Baukosten die wesentlichen Herausforderungen für die Branche. Außerdem müssen sich Entwickler mit immer schneller ändernden Lebensrealitäten auseinandersetzen. Beispielsweise werden Abholstationen in den Erdgeschoss-Zonen oder Arbeitsplätze in Wohnimmobilien schon in wenigen Jahren Standard sein.“

Mit welchen Überraschungen dürfen wir 2022 rechnen?

Ehlmaier: „Überraschungen haben an sich, dass man nicht damit rechnet. Wir gehen jedenfalls davon aus, dass es 2022 weiter überdurchschnittliche Inflation und ein weiterhin außerordentlich niedriges Zinsniveau geben wird, sodass Immobilien im Fokus der Investoren bleiben werden.“  

 

 

Die Immobilienpreise sind 2021 noch einmal kräftig gestiegen.Geht es ihrer Einschätzung nach weiter nach oben oder ist der Plafond erreicht?

Michael Schmidt,geschäftsführender Gesellschafter bei der 3SI Immogroup: „Die Immobilienpreise werden sich weiter spürbar nach oben entwickeln. Insbesondere im Zinshausbereich wie auch bei einzelnen Altbauwohnungen im Eigentum wird man weiterhin auf eine steigende Nachfrage bei gleichzeitig sinkendem Angebot treffen. Außer Acht sollte man auch nicht den Umstand lassen, dass die Rohstoffpreise ebenso weiterhin steigen werden.“ 

Wohnen im Grünen ist pandemiebedingt noch gefragter geworden. Welche Lagen werden 2022 besonders boomen?

Schmidt: „Einfamilienhäuser und Grundstücke rund um Wien, auch in Wien selbst, sind Mangelware. Die Pandemie hat bei diesen Immobilienbereichen nochmals für einen Nachfrageschub – und damit einhergehend überdurchschnittliche Preissteigerungen – gesorgt. Innerstädtische Wohnungen mit Freiflächen haben  an Attraktivität gewonnen.“

Der Megatrend Nachhaltigkeit hat auch die Immobilienbranche erfasst. Was heißt das konkret für Sie?  

Schmidt: „Nachhaltigkeit betrifft jede Branche. Wir Immobilienentwickler sind hier gefragt und gefordert, mit den Ressourcen, die zur Verfügung stehen, auch umweltbewusst umzugehen und unsere Projekte bereits so zu planen, dass sie in ihrer Gesamtheit nachhaltig und umweltschonend sind – sowohl in der Herstellung, auch in der Erhaltung.“

Von den hohen Baukosten bis zum Mangel an geeigneten Flächen – was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Branche?

Schmidt: „Auf der einen Seite versuchen wir, leistbaren Wohnraum zu entwickeln. Auf der anderen Seite wollen wir auch ein immer höheres Maß an Qualität liefern. Ebenso steigen Baukosten, Grundstückspreise aber auch der Ankaufspreis von Zinshäusern immer weiter.“

Mit welchen Überraschungen dürfen wir 2022 rechnen?

Schmidt: „Ich würde mir eine positive Überraschung wünschen. Dass wir als Gemeinschaft die Pandemie in den Griff bekommen und wieder zu einem konstant „normalen Leben“ zurückkehren können.“

 

Die Immobilienpreise sind 2021 noch einmal kräftig gestiegen. Geht es ihrer Einschätzung nach weiter nach oben oder ist der Plafond erreicht?

Christian Winkler, Gründer und Geschäftsführer von WINEGG Realitäten: „Die Preisthematik ist ein sehr komplexes Thema, mit dem wir uns natürlich auseinandersetzen. Wir schaffen Wohnraum, der auf die Bedürfnisse und Ansprüche der jeweiligen Zielgruppen zugeschnitten ist und auch entsprechend darstellbar sein muss. Gleichzeitig stellen Kunden aber auch immer höhere Ansprüche an Wohnimmobilien.“

Wohnen im Grünen ist pandemiebedingt noch gefragter geworden. Welche Lagen werden 2022 besonders boomen?

Winkler: „Die Tendenz gibt es definitiv, auch international betrachtet. Ich würde es aber eher als „Wohnen mit Grün“ bezeichnen. Damit meine ich,  dass neben der üblichen Infrastruktur des täglichen Bedarfs  auch  Freizeitmöglichkeiten – bevorzugt mit entsprechendem Grünraum – nachgefragt sind. In einer Stadt wie Wien, die zu den grünsten Städten weltweit zählt, kann dieser Anspruch zum Glück auch innerstädtisch erfüllt werden.“

Der Megatrend Nachhaltigkeit hat auch die Immobilienbranche erfasst. Was heißt das konkret für Sie?

Winkler: „Wir sehen vor allem eine zeitgemäße Revitalisierung bestehender Substanzen als gelebte Nachhaltigkeit im Sinne eines wertvollen Beitrags zur Erhaltung des Stadtbildes und der Lebensqualität im Wiener Stadtzentrum.“  

Von den hohen Baukosten bis zum Mangel an geeigneten Flächen – was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für die Branche?

Winkler: „Die größte Herausforderung ist es wohl, auf diese geänderten Rahmenbedingungen zu reagieren.  Gerade jetzt benötigt es entsprechende Erfahrung, Lebensräume nachhaltig zu entwickeln.“

Mit welchen Überraschungen dürfen wir 2022 rechnen?

Winkler: „Ich denke, dass die beiden vergangenen Jahre überraschend genug waren und uns alle vor große Herausforderungen gestellt haben, die wir bei der WINEGG nicht zuletzt auch wegen des gesamten Teams gut gemeistert haben. Umso mehr freue ich mich darauf, weitere spannende Projekte in Angriff zu nehmen und etwaige Überraschungen dabei als Herausforderung zu sehen.“  

 

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