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Wirtschaft Immobiz
12/07/2020

Der Tee-Moment

Zwischen Homeoffice, Homeschooling und derzeit vielen Momenten daheim braucht es zur Entspannung auch die Augenblicke des simplen Seins. Wie das mit Tee zu Hause gelingen kann.

von Claudia Weber

In der dritten Woche Lockdown fÀllt daheim vielen bereits die Decke auf den Kopf. Beim andauernden Homeoffice, Homeschooling und der FreizeitbeschÀftigung, die so gut wie auch nur in den eigenen vier WÀnden stattfinden kann, liegen langsam die Nerven blank.

Sport und Meditieren helfen, den Stress abzubauen, aber auch eine hauseigene, kleine Teezeremonie kann unterstĂŒtzend sein, den Geist frei zu kriegen und zwischen all den Aufgaben daheim zu entspannen.

Norbert Breitenauer ist ein Meister in Teezeremonien. Er ist Obmann des Vereins Uransenke Austria, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die Kunst der Teezeremonie bekannt zu machen.

Als im 12. Jahrhundert der Tee von China nach Japan gebracht wurde, entwickelte sich die Teezeremonie. Anfangs war sie eine Meditationshilfe fĂŒr Mönche, damit diese beim Meditieren nicht einschlafen.

SpĂ€ter war sie Symbol fĂŒr Prunk und Wohlstand. So gab man mit kostbaren Teegeschirr an. Im 14. Jahrhundert kam die buddhistische Haltung in die Teezeremonie und damit wieder die Schlichtheit.

Statt den Teelöffeln aus Elfenbein nahm man jetzt einfache aus Bambus zum Beispiel. Das Besinnen auf das Wesentliche und die Stille standen im Vordergrund.“

Tee-Ritual

Die traditionell japanischen Teezeremonie gleicht einem Ritual. Zu Beginn faltet der Gastgeber das Seidentuch zum Reinigen der Utensilien. Dann reinigt er Teekanne, Teeschalen und Teelöffel. Auch der kleine Besen zum AufschÀumen des Tees wird mit Wasser gereinigt.

"Der Akt ist symbolisch, denn sauber sind die Utensilien natĂŒrlich. Hier geht es viel mehr um das Loslassen von Problemen und das Ankommen im Hier und Jetzt“, erklĂ€rt Breitenauer.

Mit dem Teelöffel wird schließlich Teepulver in die Teeschale gegeben und mit heißem Wasser ĂŒbergossen. Danach schlĂ€gt der Gastgeber den Tee mit einer W-förmigen Bewegung, bis er schĂ€umt. „Jeder Gast bekommt dann eine Schale Tee, vielleicht auch zwei, aber nie mehr, denn das zeugt von Gier“, so der Experte.

Eine Teezeremonie kann zwischen 30 Minuten und vier Stunden dauern, wenn dazu auch Speisen gereicht werden. Man spricht ĂŒbrigens wĂ€hrend der Zeremonie nur ĂŒber das Geschirr.

Wer es lackiert hat, welche Ornamente zu sehen sind etc. Über Politik oder den Alltag wird nicht gesprochen, somit bleiben die Sorgen draußen vor der TĂŒr und man selbst nur im gegenwĂ€rtigen Moment.

"Man kann bei uns gerne einen Kurs besuchen und den genauen Ablauf lernen, aber auch eine einfache Version fĂŒr daheim kann bei regelmĂ€ĂŸiger DurchfĂŒhrung ein Training in Gelassenheit und Stille sein.“

FĂŒr die Version zu Hause braucht man nur eine Teeschale, einen Löffel, Matcha-Tee, einen Teebesen und ca. 70 Grad heißes Wasser.

Dann macht man es sich mit den Utensilien am Boden auf einer Decke oder zu Tisch gemĂŒtlich – ohne Ablenkung (Musik etc.).

ZunĂ€chst nimmt man einige AtemzĂŒge, um ganz im Jetzt anzukommen und fokussiert sich anschließend mit allen Sinnen auf die Zubereitung des Tees.

Dazu nimmt man (falls man Matcha nicht gewohnt ist) weniger als einen halben Teelöffel Pulver, gießt Wasser in das GefĂ€ĂŸ und schlĂ€gt den Tee schaumig.

Anschließend folgt das schluckweise Trinken. Wichtig dabei ist, dass man sich wie in der Meditation gedanklich nur auf den Atem und das Teetrinken konzentriert. Wie fĂŒhlt sich die Tasse in den HĂ€nden an? Wie riecht der Tee? So bleibt man im gegenwĂ€rtigen Moment und kann fĂŒr kurze Zeit die Probleme des Alltags vergessen. 

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