Immobilien-Preise haben "Luft nach oben"

Immobilien-Preise haben "Luft nach oben"
Mieten steigen stärker als Löhne. Gemeindebau wurde teurer

In den vergangenen fünf Jahren verteuerte sich in Wien der Quadratmeterpreis für Eigentumswohnungen um stolze 42 Prozent (auf rund 3800 Euro). Mit Blick auf andere europäische Metropolen wie München, Stockholm oder Paris, in denen die Preise für Eigentum deutlich höher liegen, ortet FindMyHome-Geschäftsführer Bernd Gabel-Hlawa für die Wiener Wohnungspreise deshalb „noch Luft nach oben“.

Eine Prognose, die auch für die Mietpreise privater Wohnungen nichts Gutes erwarten lässt. Im Durchschnitt bezahlten die Wiener heuer für neu vermietete Privatwohnungen 7,73 Euro netto pro Quadratmeter – eine 70-Quadratmeter-Wohnung in guter Lage koste im Durchschnitt 600 Euro, rechnet Hanno Csisinko, Sprecher des Wiener Wohnbaustadtrats Michael Ludwig, vor. Im Gemeindebau beziehungsweise bei Genossenschaften seien es rund 300 Euro netto.
Im Oktober allerdings wurden die Preise für neue Gemeindewohnungen in Wien angehoben. Der Quadratmeter wird nunmehr gemäß dem Richtwert (ohne Zuschläge) bemessen. Für eine Top-Wohnung (Kategorie A) sind das 5,16 Euro pro Quadratmeter im Monat. Zuvor wurden 90 Prozent des Richtwertes verrechnet.

So wohnt Österreich

Rund ein Fünftel der österreichischen Mietwohnungen sind Gemeindewohnungen. Je zwei Fünftel des Mietwohnungsbestandes sind Genossenschaftswohnungen und privat vermietete Wohnungen. Die Höhe der Miete richtet sich danach, wann das Haus errichtet wurde und wann der Mietvertrag abgeschlossen wurde. Die sogenannten Friedenszinswohnungen, die als günstigste Mieten am Markt gelten, gibt es nur noch in verschwindendem Maße.

„Es ist schwierig geworden, eine erschwingliche Wohnung zu finden“, sagt Nadja Shah, Bundesgeschäftsführerin der Mietervereinigung Österreichs, „obwohl wir keine krasse Wohnungsnot haben“. Der Grund ist, dass die Lohnzuwächse nicht mit dem Anstieg der Miethöhe mithalten können.
„Wenn die Mieten gedeckelt werden (wie die grüne Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou vorgeschlagen hat, Anm.) , werden die Hausbesitzer Probleme haben, die Häuser zu erhalten“, gibt Gottfried Rücklinger, Geschäftsführer der Immobilientreuhänder, allerdings zu bedenken.
Außerdem könnten längst vergessene Unsitten wieder aufleben. Erzielen Vermieter keine Rendite mehr durch die Miete, könnten sie sich die entfallenen Einnahmen durch verbotene Ablösen zurückholen.

FAKTEN: Wiener Markt
Laut Mietervereinigung gibt es in Wien rund 620.000 Hauptmietwohnungen. Zwei Drittel davon sind Gemeinde- bzw. Genossenschaftswohnungen.
200.000 sind privat vermietet. 60 Prozent davon unterliegen dem Richtwertmieten-System.

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