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Wirtschaft
01/14/2022

Wertpapier-KESt: Immer diese bösen Spekulanten

Der Finanzminister will wieder die Spekulationsfrist für Wertpapierbesitzer einführen. Auch wenn die SPÖ anderes behauptet: Das käme kleinen Anlegern zu Gute.

von Robert Kleedorfer

Die Sparzinsen sind seit Jahren im Keller, jetzt ist auch noch die Inflationsrate auf dem höchsten Stand seit 20 Jahren, dem Beginn der Währungsunion. Mehr und mehr Kleinanleger flüchten in andere Anlageformen, neben Immobilien sind das zunehmend Investmentfonds und Wertpapiere. Hier sind noch gute Renditen zu erzielen, auch wenn das Risiko entsprechend höher ist (und heuer angesichts zunehmender Marktrisiken größer wird).

Vorausschauende und langfristige Sparer werden aber für ihre Umsicht in Österreich bestraft. 2012 wurde auf Initiative der SPÖ unter einem schwarzen Finanzminister (Josef Pröll) die international übliche Spekulationsfrist abgeschafft und später auch noch die Kapitalertragssteuer auf Wertpapiergewinne von 25 auf 27,5 Prozent angehoben. Weil ja alle, die an der Börse investieren, böse Spekulanten seien.

Dieser naiven Weltsicht hängen die Sozialdemokraten noch immer an. Finanzsprecher Jan Krainer sieht in der geplanten Wiedereinführung der Spekulationsfrist eine Politik für die Reichen und Superreichen. Nun ist es doch eher so, dass die Millionäre im Land in der Regel andere Möglichkeiten haben, um ihre Gelder vor dem Zugriff der Finanz in Sicherheit zu bringen. Die Spekulationsfrist ist ihnen bei dermaßen hohen Vermögen wohl ziemlich egal.

Anderen, die über geringere Vermögen verfügen, aber nicht. Krainer torpediert den Mittelstand, der sich in den vergangenen Jahren etwas zur Seite legen konnte und diese Mittel nun vor der sukzessiven Entwertung schützen möchte. Das ist legitim.


Vor allem wenn bei der Abschaffung der Spekulationsfrist ein Zeitraum gewählt wird, der glaubwürdig ist, um eine langfristige Vorsorge (für Kinder oder Pension) sicherzustellen. Auch ein Aus für die höhere Besteuerung wäre angebracht. All das hat nichts mit Spekulation a la Warren Buffett zu tun. Weniger Ideologie, sondern mehr Finanzwissen wäre auch in der heimischen Politik und bei Interessensorganisationen wie Attac dringend angebracht.

 

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