Lars Feld, Universität Freiburg

© APA/DPA/PATRICK SEEGER

Wirtschaft
09/24/2021

IHS: Das lange Warten auf Herrn Professor Feld

Der deutsche Top-Ökonom Lars Feld hat seinen Job als neuer IHS-Chef noch immer nicht angetreten. Grund ist ein Poker ums Institutsbudget.

von Michael Bachner

ie Situation erinnert ein wenig an den Strudelteig, der sich bekanntlich zieht.

Die einen sagen, der Herr Professor aus Deutschland hätte fix am 1. September am Institut für Höhere Studien in Wien als neuer Chef beginnen sollen. Die anderen meinen beschwichtigend, es hätte wohl eher der 1. Oktober werden sollen.

Mittlerweile hofft Kuratoriumspräsident Franz Fischler freilich, dass sich wenigstens der 1. November ausgeht. Und das ist momentan alles andere als sicher.

„Das ist noch nicht in trockenen Tüchern. Wir müssen schauen, dass wir uns endlich einig werden. Wir sind ja nicht die Einzigen, die Interesse an Herrn Feld haben. Er hätte Alternativen“, warnt Ex-EU-Kommissar Fischler im KURIER-Gespräch vor einer drohenden Blamage.

Einstimmiger Beschluss

Die Situation ist einigermaßen grotesk: Bereits Ende Juni fasste das ÖVP-dominierte Kuratorium des Instituts den einstimmigen Beschluss, Prof. Dr. Dr. h. c. Lars Feld solle der Nachfolger von Martin Kocher am IHS werden. Das IHS ist deshalb wichtig, weil es zusätzlich zu seiner Forschungs- und Ausbildungstätigkeit parallel zum WIFO für die regelmäßigen Konjunkturprognosen zuständig ist.

Feld, der an der Universität Freiburg (Baden-Württemberg) lehrt und in Deutschland, seit Jahren zu den einflussreichsten Wirtschaftswissenschaftlern zählt, hatte sich in der letzten Runde gegen zwei Mitbewerber durchgesetzt.

Die Nachbesetzung war nötig geworden, weil Kocher zu Jahresbeginn in die Bundesregierung als Arbeits- und Sozialminister wechselte. Nach diesem Schritt war die Leitung des IHS mehrere Monate vakant. Bloß, sie ist es immer noch.

Budget-Poker

Es spießt sich wie so oft am lieben Geld. Erstaunlich ist freilich, dass die Budgetfrage nicht im Vorfeld oder zumindest während der Nachfolgersuche geklärt wurde.

Jetzt beharrt Top-Ökonom Feld darauf, dass zuerst die Basis-Finanzierung des Instituts für die nächsten Jahre geklärt wird, bevor er in Wien tatsächlich unterschreibt. „Das verstehe ich. Ich würde an seiner Stelle auch gerne wissen wollen, mit welchem Budget ich rechnen kann“, unterstützt ihn Fischler. Die Ausbildung der Dissertanten, die neuen Forschungsgruppen, die EDV-Ausstattung, alles koste und könne nicht externen Auftraggebern umgehängt werden.

Das IHS brauche nun einmal die Basisfinanzierung durch die öffentliche Hand und für die nächsten Jahre obendrein eine Budgetsteigerung um 15 Prozent, fordert Fischler.

Ob das gelingt, ist fraglich. Wobei vor allem die Nationalbank die Finanzierungsfrage neu stellt – wenn auch zur Unzeit, wie man sich im Finanzministerium ärgert.

Beide Stellen stemmen die Basisfinanzierung des IHS, wenn auch nicht zu gleichen Teilen. Der Löwenanteil stammt zu rund zwei Drittel aus dem Ministerium.

Und diese Basisfinanzierung macht wieder rund 40 Prozent des jährlichen IHS-Gesamtbudgets von zehn bis elf Millionen Euro aus. Den großen Rest muss das Institut „am Markt“ in der Auftragsforschung verdienen.

Im Finanzministerium heißt es zur heiklen Causa: „An uns wird es nicht scheitern. Herr Feld wird von uns im Rahmen der Möglichkeiten auch eine Budgetsteigerung bekommen. Hoffentlich haben wir ihn beim Budgethearing im November schon da.“

Gelingt nicht bald eine Einigung, muss Fischler eventuell Plan B aus der Schublade holen. Im Kuratoriumsbeschluss vom Juni heißt es: Sollten die Verhandlungen mit Feld scheitern, würden Verhandlungen mit dem Zweitgereihten aufgenommen. Das war der deutsche Ökonom Guntram Wolff, Chef der Brüsseler Denkfabrik „Bruegel“.

Fischler bestreitet übrigens vehement, dass Wolff ohnehin von Anfang an sein Favorit gewesen wäre.

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