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Wirtschaft
10/05/2021

Was ein Immobilieninvestor zum KPÖ-Sieg in Graz sagt

Inmobilieninvestor Louis Obrowsky sieht nach dem Wahlsieg der KPÖ in Graz keinen Grund zur Panik.

von Andreas Anzenberger

Louis Obrowsky ist  Präsident   des  Verbandes der institutionellen Immobilieninvestoren sowie Geschäftsführer der LIB Realitäten GmbH sowie  der LLB Immo Kapitalanlagegesellschaft m.b.H.
 

KURIER: Die KPÖ hat in Graz mit dem Thema Wohnen die Wahl gewonnen. Fürchten Sie Enteignungen?

Louis Obrowsky: Ich fürchte mich nicht.  Auch wir haben Objekte in Graz. Die Stadt ist demografisch sehr interessant, weil sie wächst. Ich bin knapp davor, dort ein Objekt zu kaufen.

Wären in Österreich Enteignungen rechtlich möglich?

Enteignungen wären prinzipiell möglich. Es muss aber immer das rechtlich gelindeste Mittel zur Anwendung kommen. Es ist kaum eine Konstellation vorstellbar, bei der Enteignungen das rechtlich gelindeste Mittel darstellen.

Gemäß dem Fall es würde zu  Enteignungen kommen. Muss dann den bisherigen Eigentümern der Marktwert abgegolten werden?

Es muss eine Abgeltung für den Wert des enteigneten Gutes geben. Bei einer Aktiengesellschaft  wäre das der Aktienwert  oder  der tatsächliche Wert der betroffenen Immobilien abzüglich eventueller Verbindlichkeiten.

Was ändert sich nach Enteignungen, außer dass die Rendite des Investors wegfällt? Die Baukosten sinken nicht und Grundstücke werden wohl auch nicht billiger.  

Es gibt nicht einen Quadratmeter mehr Wohn-  oder  Geschäftsfläche. Wo sollen die Mittel für die Abgeltung des Wertes der enteigneten Immobilien herkommen? Wenn man nur einen Bruchteil dieser Mittel in die Errichtung von Wohnungen investiert würde, dann wäre mehr Wohnraum vorhanden. Wenn  das Angebot bei gleichbleibender Nachfrage steigt,  wird sich der Preis stabilisieren oder nach unten gehen.

Es gibt Grundstückseigentümer  die mit der Umwidmung von Grünland in Bauland  über Nacht reich geworden sind.  Die Investoren wollen drei Prozent Rendite und sind nun die Bösen. Wie gefällt Ihnen das?

Gar nicht. Wir als institutionelle Investoren profitieren nicht an den Umwidmungsgewinnen. Wir dürfen nur Grundstücke zu alsbaldigen  Verbauung  kaufen. Das heißt, die Grundstücke sind bereits als Bauland gewidmet.  Wie erwerben die Immobilie auch nicht zum Selbstzweck, sondern es steht immer eine große Veranlagungsgemeinschaft dahinter. Dazu gehören auch Sparerinnen und Sparer mit einem Dauerauftrag von 100 Euro  im  Monat.

Wird angesichts steigender Zinsen auch in Zukunft noch so viel Kapital in Immobilien fließen?

Wir gehen davon aus, dass die Höhe der Rendite von aktuell drei Prozent so bleibt. Das ist verglichen mit Anleihen immer noch attraktiv. Für alle Gebietsköperschafte oder auch Staaten sind niedrige Zinsen für die Rückzahlung ihrer  Kredite interessant. Es gibt daher ein Interesse an niedrigen Zinsen.

Wohnen ist teuerer geworden. Fürchten Sie nicht das Ihnen bei Wohnungspreisen in den Ballungszentren von 400.000 oder 500.000 Euro die Käufer ausgehen?

Selbst für Gutverdiener ist das meist nur möglich, wenn Eltern und Großeltern unterstützend mitwirken. Laufende Mietverträge werden nicht teuerer. Preissteigerungen gibt es nur bei neuen Objekten. Es existieren in Wien 210.000 Gemeindewohnungen und 170.000 Wohnungen von Gemeinnützigen Bauträger.  Dazu kommen  weitere tausende Wohnungen, bei denen der gesetzliche Richtwert als Miete gilt.

Zwischen  neuen Wohnungen und alten Wohnungen geht die  Schere immer weiter auf.

Die Mieten steigen bei Neuvermietungen kaum mehr. Vielleicht kann  man in der Erstvermietung noch 13 Euro pro  Quadratmeter verlangen.  Bei der Zweitvermietung sind es zwischen 11,50 und  12 Euro. Wegen des großen Bestandes an Wohnungen der Gemeinde, der Gemeinnützigen sowie der Richtwertmiete geht die Schere  nicht so weit auseinander.

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