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Interview
09/29/2020

Hotelier Holleis zu Reisewarnungen: "Wie Kriegserklärungen"

Warum Wilfried Holleis ein Lockdown jetzt lieber ist als eine Reisewarnung im Winter - und für ihn Hundertausende Euro letztlich Peanuts sind

von Simone Hoepke

Zur Hotelgruppe des Salzburgers Wilfried Holleis gehören fünf Hotels (wie das Grand Hotel und der Salzburgerhof in Zell am See oder das Miramar in Opatija/Kroatien) mit insgesamt 1.200 Gästebetten. Mit der Arbeit der Regierung ist der Chef von 450 Mitarbeitern nicht zufrieden.

KURIER: Herr Holleis, bekommen Sie beim Wort Reisewarnung eigentlich schon Hautausschlag?

Wilfried Holleis: Nein, aber beim Wort Bundesregierung.

Wegen der Reisewarnung für Kroatien oder wegen der neuesten Beschlüsse?

Beides. Die Regierung mag ja guten Willen haben. Der wird aber konterkariert durch eine handwerklich-technische Inkompetenz, ich sage nur Corona-Ampel und bürokratische Auswüchse am laufenden Band wie bei der Kurzarbeit und beim Fixkostenzuschuss.

Letzterer hilft doch gerade auch Ihrer Branche.

Es ist lächerlich. Ja, ich habe ein paar Hunderttausend Euro bekommen. Das ist viel Geld und nett. Aber für ein Unternehmen unserer Größe mit einer Bilanzsumme von 70 Mio Euro sind das nur Peanuts. Leider sind wir nicht die AUA. Auch wenn es die Politik anders darstellt: Es stimmt nicht, dass sie die Branche mit ihren Zuschüssen rettet. Die Branche kämpft in Wirklichkeit um jeden Gast, um sich selber zu retten.

Der Fixkostenzuschuss ist aber nicht die einzige Hilfe ...

Kurzarbeit hilft vor allem den Mitarbeitern. Stundungen von Krediten und Steuern sind wichtig, aber in Wirklichkeit keine Hilfe, irgendwann wird der Betrag fällig.

Also helfen die Kredite der Tourismusbank ÖHT aus Ihrer Sicht gar nicht?

Einem Alkoholiker hilft man auch nicht weiter, indem man ihm einen weiteren Schnaps spendiert. Was sollen Steuererleichterungen, wenn die Nachfrage nicht da ist. Ich hoffe, dass die Regierung jetzt nicht auch noch den Winter versemmelt. Die Branche will nur in Ruhe arbeiten dürfen.

Ein zweiwöchiger Lockdown jetzt ist mir lieber als eine Reisewarnung im Winter

Hotelier Wilfried Holleis | zur Wintersaison

Nicht zufrieden mit den neuen Après-Ski-Regeln?

Ich sage seit Monaten, dass die Party heuer gestrichen werden muss. Wenn im Winter eine deutsche Reisewarnung für Österreich kommt, können wir zusperren. Ein zweiwöchiger Lockdown jetzt ist mir lieber als eine Reisewarnung im Winter.

Da würden aber viele aufschreien.

Ich spreche aus der Sicht eines Hoteliers. Im Winter geht es bei uns um alles.

Minister Jens Spahn hat die Deutschen aufgerufen, diesen Winter nicht ins Ausland zu fahren ...

Ich finde diese Aussagen disqualifizierend für Europa. Die EU ist also doch nur eine Zollunion, eine hyperbürokratische. Die Reisewarnungen hören sich an wie kleine wirtschaftliche Kriegserklärungen. Sind wir eine Union oder haben wir wieder die alten Grenzen? Bei den Reisewarnungen stand auch Österreich in erster Reihe.

Nüchtern betrachtet ist die Aussage in Bezug auf die Infektionszahlen doch nachvollziehbar, oder?

Warten Sie einen Monat und andere Regionen haben hohe bzw. niedrige Fallzahlen. Andererseits sehen wir jetzt nach der deutschen Reisewarnung für Vorarlberg und Tirol, wie es den Kroaten nach unserer österreichischen Reisewarnung für Kroatien gegangen ist. In meinen Hotels dort sind quasi 100 Prozent der österreichischen Touristen weggebrochen, auch wenn wir einen Gratis-Corona-Test angeboten haben. Einen Betrieb hab ich schon zugesperrt, den zweiten Ende Oktober. Und über Weihnachten sperr ich dort heuer nicht einmal auf.

Der Schaden ist enorm. Schuld an der Warnung waren Partys in Kroatien ...

... und die hat es im Sommer in Österreich genauso gegeben. Die Politik war nicht fähig, sie zu unterbinden. Wenn ich eine Lohnsteuerprüfung habe, fahren sie überspitzt gesagt mit dem Panzerwagen vor. Aber die Politik schafft es nicht, die Partys von ein paar Jugendlichen am Rudolfskai in Salzburg zu unterbinden. Ein Armutszeugnis ist das. Ein weiterer Beweis, dass die Politik den Sommer verschlafen hat und erst jetzt hechelnd munter wird.

Neos-Sprecher Sepp Schellhorn verweist gern darauf, dass es in Österreich 30.000 Gästebetten zu viel gibt. Kommt jetzt die längst nötige Marktbereinigung?

So einfach geht das ja nicht. Da sind überall Menschen dahinter. Natürlich haben die meisten Ferienhotels im Durchschnitt eine Auslastung übers Jahr von nur 60 Prozent, das wäre in der Industrie undenkbar. Aber in der Hauptsaison brauchen wir die Betten sehr wohl, weil die Nachfrage ja da ist.

Die Tourismusberater von Prodinger rechnen damit, dass zehn Prozent der Betriebe die Krise nicht überleben werden. Ist das realistisch?

Aus meiner Sicht ja. Es gibt ja auch wenige Käufer für Hotels in der Ferienhotellerie. Für internationale Ketten sind die Häuser völlig uninteressant. Zu klein und oft nur eine Saison bespielbar.

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