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Hitze verändert Konsumverhalten: Braucht es eine Siesta in Österreich?

Warum in Gastronomie und Handel über flexible Öffnungszeiten nachgedacht wird – und warum es Kritik gibt.
Eine Person liegt mit Hut entspannt auf einer Holzbank im grünen Park.

Neue Hitzerekorde stehen vor der Tür und die Österreicher lernen langsam, im Alltag mit den hohen Temperaturen umzugehen. Nun wird auch über die Notwendigkeit einer Siesta nach spanischem Vorbild diskutiert. Bei dieser wird der Arbeitstag während der größten Hitze (etwa von 14.00 bis 17.00 Uhr) unterbrochen und danach bis in die Abendstunden weitergearbeitet.

Auch in Österreich könnte eine Teilung der Arbeitszeit Sinn machen. Etwa in der Gastronomie, die aktuell mit den Folgen der hohen Temperaturen zu kämpfen hat. „Insbesondere während der Mittags- und Nachmittagsstunden sinkt die Gäste-Frequenz. Einige Betriebe reagieren darauf mit angepassten Öffnungszeiten und richten ihren Fokus verstärkt auf das Abendgeschäft“, heißt es aus dem Fachverband Gastronomie in der Wirtschaftskammer (WKÖ).

„Wir beobachten, dass Hitze das Konsumverhalten deutlich verändert“, sagt auch Franz Bernthaler, Geschäftsführer der Culinarius Gruppe. Seiner Einschätzung zufolge werden künftig immer mehr Gastronomiebetriebe ihre Öffnungszeiten anpassen und das Mittagsangebot verkleinern müssen. Gleichzeitig gewinnen nicht nur beschattete Gastgärten und klimatisierte Innenräume, sondern eben auch flexiblere Arbeitszeitmodelle wie etwa in Form einer Siesta weiter an Bedeutung.

Die große Hitze schlägt auf die Frequenz in Gastro und Handel

Auch einige heimische Händler leiden aktuell unter einer geringen Frequenz um die Mittagszeit und am Nachmittag. Vor allem in den Innenstädten seien die heißen Tage eine Herausforderung, erzählt Rainer Trefelik, Bundesobmann der WKÖ-Sparte Handel, dem KURIER. Er betreibt selbst ein Bekleidungsgeschäft im ersten Bezirk in Wien. Einer Verlagerung oder Teilung der Öffnungszeiten steht er skeptisch gegenüber: „Immerhin wissen wir nie, wann die Kunden bei der Tür hereinkommen.“

Ein Mann mit Brille im Anzug sitzt auf einem Sofa und gestikuliert beim Sprechen.

Einzelne Händler würden ihre Öffnungszeiten zwar anpassen, insgesamt bräuchte es für eine flächendeckende Siesta aber einen Kulturwandel. „Dann müsste die gesamte Gesellschaft mitmachen.“ Zudem würden nicht alle Händler unter der Hitzewelle leiden. „Für viele sind die Geschäftslokale durch die Klimatisierung regelrechte Kühlinseln. Menschen gehen zum Beispiel in Shoppingcenter, um sich abzukühlen.“ 

Bei der Arbeiterkammer (AK) zeigt man sich zum Thema Siesta skeptisch. Eine geteilte Arbeitszeit könne zwar im Einzelfall sinnvoll sein. Für viele Arbeitnehmer bringe sie aber „mehr Probleme mit sich, als sie zu lösen vermag“, sagt Albert Werfring, Arbeitsrechtsexperte in der Abteilung Sozialpolitik in der AK Wien, dem KURIER. Die Teilung der Dienste sei für gewisse Berufe, vor allem in der Reinigungsbranche, bereits jetzt weit verbreitet. Dort zeige sich, dass diese oft nicht im Sinne der Beschäftigten sind.

Siesta würde Belastung für Eltern und Pendler bringen

Etwa wenn Betreuungspflichten bestehen: „Schulen und Kindergärten haben keine Siesta. Wenn ich die Arbeitszeit in den Abend verschiebe, dann habe ich ein Problem bei der Betreuung.“ Auch für Pendler sei die Siesta oft eine Belastung. „Wenn ich eine Stunde lang in die Arbeit fahre, dann kann ich die Freizeit in der Siesta gar nicht effektiv nützen.“

Der Österreichische Gewerkschaftsbund (ÖGB) steht einer Siesta positiver gegenüber, vor allem bei Arbeiten im Freien wie im Baugewerbe oder der Landwirtschaft. „Eine längere Pause am Nachmittag während der größten Hitze- und UV-Belastung, also eine Veränderung der Lage der Arbeitszeit, könnte unter Einhaltung der kollektivvertraglichen Regelungen jedenfalls eine sinnvolle Vereinbarung sein“, so ÖGB-Arbeitsrechtsexpertin Verena Weilharter zum KURIER.

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