„Keine Jubelstimmung“: Luxusbranche kämpft mit schwacher Nachfrage
Louis Vuitton, Prada, Hermès: Rund um den Wiener Graben reiht sich ein Luxusgeschäft an das nächste. Die Gegend ist gut besucht - auch dank vieler internationaler Touristen. Finanziell profitieren die Händler aber nur eingeschränkt von den vollen Einkaufsstraßen. „Frequenz ist nicht gleich Kaufkraft“, sagt Rainer Trefelik, Bundesobmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer dem KURIER. Konkrete Zahlen gebe es keine. „Wenn ich mir die Entwicklungen der letzten Zeit aber ansehe, sehe ich da jetzt keine Jubelstimmung.“
Dass die Situation in Europa schwierig ist, zeigt auch die Zwischenbilanz des Unternehmens LVMH, zu dem Luxusmarken wie Louis Vuitton, Dior oder Bulgari gehören. Der Konzern mit Sitz in Paris nahm zwar im zweiten Quartal mit 19,5 Milliarden Euro währungsbereinigt um drei Prozent mehr ein als ein Jahr zuvor. In Europa stagnierten die Umsätze aber. In den ersten drei Monaten des Jahres waren sie etwa wegen des schwächeren Tourismus in Folge des Nahost-Konflikts sogar rückläufig.
WKÖ-Bundesspartenobmann Rainer Trefelik sieht keine Jubelstimmung bei den Luxushändlern.
Kaufkraft in den USA steigt wegen des KI-Booms
Dass der Umsatz insgesamt trotzdem stieg, hatte der Konzern einer steigenden Nachfrage am US-amerikanischen Markt zu verdanken. Dort habe der KI- und Technologieboom neue Kaufkraft geschaffen. In den USA stiegen die Erlöse deswegen um sechs Prozent. Ähnlich war die Situation beim Mitbewerber Hermès. Auch er startete schwach ins Jahr, zuletzt haben sich die Geschäfte allerdings belebt. Das lag etwa an einer Erholung im französischen Heimatmarkt, einem beliebten Reiseziel von Touristen. Und auch Hermès profitierte von starken Zuwächsen in Amerika.
Der Erlös kletterte im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 4,8 Prozent auf knapp 4,1 Milliarden Euro. Für das erste Halbjahr ergibt sich damit ein Umsatzplus von 1,6 Prozent auf knapp 8,2 Milliarden Euro. Insgesamt verkraftete Hermès den Nachfragerückgang im gesamten Luxusgütermarkt bisher besser als Wettbewerber. Grund ist vor allem das auf gezielter Verknappung basierende Geschäftsmodell. Für begehrte Produkte des Luxusanbieters - etwa die Kelly- oder Birkin-Handtaschen - gibt es oft lange Wartelisten.
Für die beliebte Birkin-Handtasche hat Hermès eigene Wartelisten.
Hugo Boss steht kurz vor Übernahme
Mit gedämpfter Kauflaune hat aktuell Hugo Boss zu kämpfen. Für das laufende Jahr erwartet das Management einen währungsbereinigten Umsatzrückgang im mittleren bis hohen einstelligen Prozentbereich. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 300 bis 350 Millionen Euro erreichen, nach einem operativen Ergebnis von 391 Millionen im Vorjahr. Der deutsche Modekonzern steht auch kurz vor einer möglichen Übernahme: Seit Mitte Juni versucht die britische Frasers Group, zu der etwa die Kette Sports Direct gehört, im Zuge eines freiwilligen öffentlichen Angebots das Ruder zu übernehmen, und bietet 38 Euro je Anteilsschein.
Anfang des Monats hatten Vorstand und Aufsichtsrat von Hugo Boss den Aktionären empfohlen, das Angebot abzulehnen. Der Angebotspreis spiegle den Wert und das Potenzial von Hugo Boss nicht angemessen wider. Mittlerweile ist die Gruppe an Hugo Boss mit etwas mehr als 30 Prozent direkt beteiligt. Das Übernahmeangebot wurde bis Mitte August verlängert.
Secondhand-Plattformen boomen, Fake-Produkte werden zum Problem
Trotz hoher Preise und anhaltender Konsumzurückhaltung sind Luxusgüter längst kein Nischenprodukt mehr. Einer Befragung der Online-Plattform ebay zufolge besitzen rund 60 Prozent der Verbraucher in Österreich mindestens einen High-End-Luxusartikel. Dabei wächst vor allem das Geschäft mit gebrauchten Handtaschen, Uhren und Co: 45 Prozent der heimischen Verbraucher haben laut Befragung bereits gebrauchte Luxusartikel gekauft oder verkauft, weitere 36 Prozent sind offen dafür.
Für Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will sind Produktfälschungen "kein Kavaliersdelikt mehr".
Während der Gebrauchtmarkt boomt, werden Fake-Produkte immer mehr zum Problem. 2024 wurden in der EU 112 Millionen gefälschte Waren im Wert von 3,8 Milliarden Euro beschlagnahmt. „Das ist längst kein Kavaliersdelikt mehr. Produktfälschungen schädigen seriöse Händler und Marken, vernichten Wertschöpfung und können für Konsumenten sogar ein Sicherheitsrisiko darstellen“, sagt Handelsverbands-Geschäftsführer Rainer Will dem KURIER. Die Fakes würden primär aus EU-Drittstaaten kommen. Der Handelsverband fordere strengere Zollkontrollen, eine Plattformhaftung für Marktplätze aus Asien und ein konsequenteres Vorgehen gegen unseriöse Anbieter.
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