Wirtschaft
01.08.2018

Hightech-Strategie: "China will besseres Deutschland werden"

"Made in China 2025": Europas großen Exporteuren droht mächtige Konkurrenz, warnt ING-Diba-Chefökonom Carsten Brzeski.

In zehn bis fünfzehn Jahren könnte Chinas Industrie eine echte Herausforderung für Deutschland und Österreich sein: Die Strategie 2025 sei „nichts anderes als Industrie 4.0, aber mit mehr Kraft und Engagement“, sagte Carsten Brzeski, Chefökonom der deutschen ING-Diba, vor Journalisten in Wien.

Die Zeiten, in denen China die Welt mit billigen Konsumartikeln geflutet hatte, sind vorbei. 2015 hatte Chinas kommunistische Führung einen Zehn-Jahres-Plan ausgerufen, wonach die Industrie modernisiert werden soll. Der Fokus liegt auf zehn Hightech-Branchen, darunter IT, innovative Materialien, Luft- und Schifffahrt sowie Medizin- und Energietechnik.

Ein zweites Japan?

Somit dürfte Chinas Exportstruktur künftig ähnlich aussehen wie jene der europäischen Exportnationen. Deshalb hat sich auch der Investmentfokus verschoben: Früher galt das Interesse Afrika, wo sich China den Zugriff auf Rohstoffe sicherte.

Jetzt sind deutsche Industrieperlen das Objekt der Begierde: von der Luxusmöbelmarke Rolf Benz über Kurbelwellenhersteller Feuer Powertrain, der Geely-Beteiligung an Daimler bis zur Industriereinigungsfirma Ecoclean, der Privatbank Hauck & Aufhäuser und dem Arzeimittelhersteller Biotest. Heuer werden chinesische Investitionen von 10 Milliarden Euro allein in Deutschland erwartet.

Von der Kopier-Werkstatt zur Hightech-Schmiede: Diesen Aufstieg hatte vor einigen Jahrzehnten Japan hinter sich. Damals gab es ebenfalls Schlagzeilen, Nippon würde auf Jahrzehnte die Weltwirtschaft dominieren. Es kam anders: Japan erreichte zwar hohen Lebensstandard, schleppt aber nach einer Immobilienblase und Finanzkrise einen hohen Schuldenberg mit sich. Dass China ein ähnliches Schicksal ereilt, glaubt Brzeski nicht. Das Land sei viel größer, in der ländlichen Bevölkerung gebe es viel Aufholbedarf. Auch China sei hoch verschuldet – in Summe aber nicht höher als die USA.

Zins bleibt tief

Japanische Verhältnisse prophezeit Brzeski indes der Eurozone: Niedrigzinsen für sehr lange Zeit. Er erwartet, dass die EZB den Leitzins Ende 2019 auf ein Viertelprozent hebt. Ein Prozent Zinsen gebe es wohl erst 2021. Harte Zeiten für Sparbücher und Zinsprodukte.